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Soziologie

Studie zu "Twitter Diplomacy: Außen- und Sicherheitspolitik in Zeiten von Social Media"

Veröffentlicht am 26. März 2020, 11:54 Uhr

Franklin Delano Roosevelts als „Fire Side Chats“ bekannte gewordenen Radiobotschaften während der großen Depression, John F. Kennedy und das Fernsehen, Obama und Facebook: Der Aufstieg politischer Führungsfiguren und ganze politische Epochen waren historisch immer auch mit Kommunikationsmedien verbunden – und wurden nicht selten von diesen geprägt. Aber wohl nie zuvor war dies so deutlich wie in der laufenden Amtszeit des 45. Präsidenten der USA. Über Twitter betreibt Donald J. Trump Personalpolitik, geriert sich als Medienkritiker, begleicht persönliche Rechnungen – und vor allem tut er eins: Er mobilisiert seine Basis. Seine Unterstützer sprechen von Twitter als seiner “Ultimativen Massenverbreitungswaffe“. Es selbst hat es, als er die Liquidierung des IS-Führers Abu Bakr Al-Baghdadi verkündete, so formuliert: „Sie“, gemeint war der Islamische Staat, „nutzen das Internet besser als so ziemlich jeder in der Welt. Außer Donald Trump vielleicht.“

Grund genug, sich mit Twitter als Medium der politischen Kommunikation im transatlantischen Vergleich zu beschäftigen. Wie präsentiert sich die politische Persona Donald Trump (bzw. @realdonaldtrump und @potus) im Medium Twitter? Wie reagieren die Staats- und Regierungschefs der EU? Und welche Folgen ergeben sich daraus für Normen und Handlungsformen der Diplomatie? In Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und gefördert von der Stiftung Mercator hat das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) in den letzten Monaten die Verwendung von Twitter in der internationalen politischen Kommunikation erforscht. In der von Jasmin Siri, Frederik Zimmermann, Martin Koch, Madeleine Myatt und Tanja Jaschkowitz erarbeiteten Studie „Twitter Diplomacy: Außen- und Sicherheitspolitik in Zeiten von Social Media.  Eine explorative Studie zur Reaktion von EU-Politikern auf die Twitter-Kommunikation des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Donald J. Trump“ wurde schwerpunktmäßig das Twitterverhalten von US-Präsident Trump sowie die Reaktionen europäischer Spitzenpolitiker analysiert. 

Den Autor/innen zufolge kann zwar von einem nachhaltigen Wandel im Sinne einer umfassenden Veränderung diplomatischer Praktiken (noch) nicht die Rede sein, eher käme Twitter einer „observation platform“ für die weltpolitische Bühne gleich. Doch der „Ausnahmefall“ des US-Präsidenten, der Twitter zu seiner zentralen, traditionelle Kanäle ersetzenden Kommunikationsplattform gemacht habe, blieb dennoch nicht ohne Folgen – auf die USA, die internationale Politik und auf Europa. Trumps Twittermanie habe Europa herausgefordert, „indem er den etablierten diplomatischen Code, die diplomatische Sprache und den ‚guten‘ Ton“ verletze. Dabei hätten diese Irritationen, gewissermaßen als „unintendierte Nebenwirkungen“, auch eine einigende Wirkung auf Europa. Indem sie zu einer Art Projektionsfläche würden für alles, was Europa nicht sein will, hätten die permanenten Grenzüberschreitungen Trumps auch ein identitätsstiftendes Moment für Europa, dessen Identität seit Trump vor allem in der Betonung von Gemeinsamkeiten und enger Verbundenheit – und in Abgrenzung zu den USA – konstruiert werde.

Twitter Diplomacy: Außen- und Sicherheitspolitik in Zeiten von Social Media. Eine explorative Studie zur Reaktion von EU-Politikern auf die Twitter-Kommunikation des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Donald J. Trump von Jasmin Siri, Frederik Zimmermann, Martin Koch, Madeleine Myatt, Tanja Jaschkowit

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