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Militärisches Beobachten und Vergleichen

Veröffentlicht am 12. Dezember 2018, 15:21 Uhr

Der Workshop "Comparing Militaries in the Long 19th Century" entstand aus gemeinsamen Forschungsinteressen der DoktorandInnen Kerrin Langer (SFB 1288, TP A01), Johannes Nagel (GRK 2225 "World Politics", Universität Bielefeld) und Niko Rohé (SFB 1288, TP A03) heraus. In ihren Dissertationsprojekten kommt dem Vergleichen von Streitkräften je eine zentrale Rolle zu. HistorikerInnen aus dem In- und Ausland erweiterten den Blick auf diese Praxis durch andere Untersuchungskontexte und Herangehensweisen.

Während des Workshops wurden vor allem kurze Impulsvorträge gehalten, um einen intensiven Austausch über die Formen und Funktionen des militärischen Vergleichens zu ermöglichen. Im Vorfeld der Veranstaltung wurden die verschiedenen Paper herumgeschickt, um den Diskussionsraum noch gezielter gestalten zu können.

Neben diesen kürzeren Einführungen ging Markus Pöhlmann vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in einem öffentlichen Abendvortrag auf den Zusammenhang von militärischem Vergleichen und Wissensmanagement ein.

Die Beiträge wiesen für unterschiedliche Kontexte darauf hin, dass das militärische Beobachten und Vergleichen am Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung gewann: General- und Admiralsstäbe bauten spezielle Nachrichtenabteilungen auf, Parlamentarier nutzten verstärkt Streitkräftevergleiche. Anders als zunächst vermutet, stand das Lernen beim Vergleich von Militärwesen oder Kolonialkriegen jedoch oftmals nur an zweiter Stelle. Wie die Diskussion zeigte, verwiesen Publizisten, Politiker oder Generalstabsoffiziere häufig eher auf das Ausland, um ihre eigenen Überzeugungen zu bekräftigen.

Dass das Vergleichen selbst eine gewisse Eigendynamik haben kann, ließ sich im Kontext von Rüstungsdebatten und militärischen Bedrohungsanalysen zeigen. Die Wiederholung von Vergleichen konnte Bedrohungswahrnehmungen zusätzlich verstärken und Destabilisierung stark beschleunigen. Umgekehrt trug das permanente Vergleichen allerdings auch zur Verbreitung und Akzeptanz von humanitären Standards bei. Die Frage, ob das Vergleichen an sich bedrohlich sei, blieb daher offen. Vor allem die Interpretationen und Schlussfolgerungen aus den vermeintlich objektiven Vergleichen waren entscheidend: Diese beeinflussten die Bedrohungswahrnehmung maßgeblich.

Der Workshop wurde in Kooperation von der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) und dem SFB 1288 unterstützt.

Fotos: Rebecca Moltmann

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