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Die Verführungen des Bildvergleichs

Veröffentlicht am 26. September 2018, 15:23 Uhr

In seinem Vortrag sprach Hans Christian Hönes über "Klassizismus, Weltkunst und die Verführungen des Bildvergleichs". Darin ging es unter anderem um das vermeintliche Erkennen historischer Zusammenhänge aufgrund formaler Ähnlichkeiten, die sich durch Bildvergleiche ergeben. Eine Figur in Hönes' Vortrag war Heinrich Wölfflin, der im Gegensatz zum auf Ähnlichkeit ausgerichteten Vergleichen vor allem auf Unterschiede abhob. Dabei betonte er die wechselseitige Erhellung aus dem Kontrast heraus, die auch heute noch eine große Rolle in der kuratorischen Praxis spiele, so Hönes.

Dennoch werde ein Zusammenhang häufig durch das Vergleichen nahegelegt, z.B. von Weltkulturen. In seinen Fallbeispielen aus dem Klassizismus des 18./19. Jahrhunderts wollten zum Beispiel Korrespondenzen erkannt werden, vieles wurde also auf eine bestimmte Symbolik rückbezogen und entsprechende Schlüsse daraus gezogen. Gemeinsamkeiten wurden zum Ideal, Ähnlichkeiten von Objekten und Triangularität bald die Norm. Der schweizerisch-englische Maler Fuseli (Füssli) brach mit dieser Tradition, indem er unter anderem pornographische Szenen darstellte und dabei die Singularität betonte, und dabei auch die Einheit der Sexualität.

Das Vergleichen scheine auch darüber legitimiert zu werden, über die rein ästhetische Reflexion hinausgehen zu können. Dabei bleibt aber die Frage, ob das Moment der Vergleichbarkeit durch die Nachlagerung nicht auch zu einer Art 'self-fulfilling prophecy' werden kann.

Hans Christian Hönes ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der internationalen Forschergruppe "Bilderfahrzeuge – Warburg's Legacy and the Future of Iconology" am Warburg-Institute London.

Fotos: Rebecca Moltmann

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