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Das Allgemeine und das Besondere

Veröffentlicht am 17. Mai 2018, 15:18 Uhr

Seinen Vortrag "Der Vergleich des Unvergleichlichen. Singularisierungprozesse und Vergleichspraktiken" begann Prof. Dr. Andreas Reckwitz mit einem kurzen Einblick in seine theoretischen Vorüberlegungen und Inspirationen für seine Analysen zur "Gesellschaft der Singularitäten" (2017). Deren Ausgangspunkt sind zwei Logiken des Sozialen: die des Allgemeinen und die des Besonderen, inspiriert von Immanuel Kant. Entscheidend dabei ist, dass die Einheiten des Sozialen, seien es z.B. Objekte, Subjekte, Zeiteinheiten oder ähnliches, nicht allgemein oder besonders sind, sondern diese Zuschreibungen in Praktiken erzeugt werden ('doing singularity', doing 'generality').
Eine zentrale These in Bezug auf die für Reckwitz besonders interessante Praxis der Singularisierung ist der Aufbau einer erhöhten (Binnen-)Komplexität. Singularisierte Objekte, wie z.B. Kunstwerke, oder Zeiteinheiten, wie z.B. bestimmte Ereignisse, werden als stark andersartig, zum Teil inkommensurabel wahrgenommen.

Eine auf den Ausführungen des Analyseinstruments basierende These des Vortrags war, dass das Nebeneinander des 'doing generality' und - seit der Romantik - des 'doing singularity' als Modus der Moderne verstanden werden kann. In der Spätmoderne steigt die Singularisierungslogik dann sehr stark an, in Feldern wie der Ökonomie, persönlichen Beziehungen oder Bildung.

Über den Themenkomplex der zunehmenden Relevanz von Ökonomie, brachte Andreas Reckwitz das Vergleichen ins Spiel. Im Gegensatz zum vermeintlich 'einfach' und sehr klar Vergleichbaren in der Logik des Allgemeinen, suggeriert Singularität zunächst Unvergleichbarkeit. Um verglichen werden zu können, braucht es mehrere singuläre Objekte, z.B. Kunstwerke auf dem Kunstmarkt, auf dem das Interesse am Vergleichen vor allem auch ökonomisch motiviert ist. Diese Singularitätsvergleiche brachte Reckwitz in eine Art Typologie, von einfachen relationalen und nicht-kompetitiven Vergleichen bis zu quantitativen Vergleichstechnologien, wie z.B. Zitationsindizes.

Der Vortrag von Prof. Dr. Reckwitz wurde aufgezeichnet und kann demnächst auf der Webseite angesehen werden.

Fotos: Rebecca Moltmann

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