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Damals und heute: Zeitliche Vergleiche

Veröffentlicht am 16. Januar 2019, 14:24 Uhr

Das Teilprojekt C03 untersucht die Semantik des Vergleichens für die europäische Neuzeit seit 1500. Im internationalen C03-Workshop "Temporal Comparisons as Valuation Tools: Historical Semantics and Beyond" sollte in diesem Kontext die Basis für eine weitreichende interdisziplinäre Studie etwa der Semantiken und Argumentationsstrukturen zeitlicher Vergleiche gelegt werden.

Seit jeher fungieren vergangene Ereignisse und Zukunftsvorhersagen als Anker, um historische Entwicklung allgemein und die jeweilige Gegenwart im Besonderen einzuschätzen und auszuwerten. Während PessimistInnen den Verfall der Menschheit seit dem Goldenen Zeitalter oder einer anderen idealisierten Vergangenheit betonten, lobten OptimistInnen den Fortschritt, der unwiderruflich zur Rettung, zum Kommunismus oder Marktgleichgewicht führt. Vergleiche zwischen 'damals' und 'heute' oder 'heute' und 'danach'/'später' markierten nicht nur wahrgenommene Unterschiede in der Geschichte, sondern betonten auch politisch und kulturell relevante Ähnlichkeiten. Obwohl die Fülle solcher und ähnlicher vergleichender Bewertungen evident ist, wurden bisher überraschend wenige Versuche unternommen, ihrem Vokabular/ihren syntaktischen Strukturen nachzuspüren, und diese Konstruktionen vor allem mit bestimmten Sprachen, Zeitabschnitten, politischen Konflikten oder literarischen Genres zu verknüpfen.

Die Vorteile einer interdisziplinären Untersuchung historischer Vergleiche zeigten sich im Eröffnungsvortrag von François Hartog (EHESS, France), "From Parallel to Comparison (18th-19th centuries)". Hartog war 2018 als Koselleck-Gastprofessor an der Universität Bielefeld.
In den nachfolgenden Vorträgen wurden die vergleichenden Strukturen literarischer, wissenschaftlicher und politischer Diskurse von den unterschiedlichen Standpunkten traditioneller historischer Semantik, allgemeiner Rhetorik, der Geschichte politischen Diskurses und der Konversationsanalyse aus einer ausführlichen Analyse unterzogen. Insgesamt zeigte sich an den Ergebnissen des Workshops (die in einem Peer-Review-Journal zum Thema publiziert werden sollen) die Bedeutung der historischen Semantik als Möglichkeit, unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze für die Analyse von Vergleichspraktiken zusammenzuführen und zu nutzen.

Fotos: Rebecca Moltmann

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