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„Für die Zukunftsfähigkeit unserer Universität“

Veröffentlicht am 9. Juli 2014, 15:10 Uhr

Interview mit Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer.

Der Rektor der Universität spricht über Strategie, das Mittelverteilungsmodell und die Einbindung der Fakultäten.

Professor Sagerer, 2013 hat das Rektorat ein Strategiepapier vorgelegt, in diesem Jahr wird intensiv über ein neues Modell zur Verteilung der Finanzmittel an die Fakultäten diskutiert. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?


Lassen Sie mich vorab betonen: Intensive strategische Debatten – die richtungsweisend waren für das, was wir heute wollen – gibt es schon seit einigen Jahren. Die Ergebnisse mündeten 2010 in unseren Antrag für ein Zukunftskonzept im Rahmen der Exzellenzinitiative. Wir haben immer gesagt, dass wir den Weg einer strategischen Entwicklung weitergehen – unabhängig davon, ob der Antrag Erfolg hat oder nicht. Der nächste größere Schritt war dann das angesprochene Strategiepapier, in dem wir uns intensiv damit beschäftigt haben, wie die Universität Bielefeld national und international dasteht, wie konkurrenzfähig sie ist und welche Auswirkungen die sich ändernden Rahmenbedingungen haben werden (Link: http://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/rektoratintern/entry/profil_positionierung_performance_und_steuerung). Wir haben mit Blick auf die von uns angestrebte Positionierung eine Zielvision vorgeschlagen, haben diese diskutiert und weitgehenden Konsens erreicht. Wenn wir im Sinne dieser Zielsetzung erfolgreich sein wollen, dann müssen wir uns allerdings an einigen Stellen besser aufstellen. Das Mittelverteilungsmodell wiederum ist in diesem Kontext ein Instrument, mit dem wir das erreichen wollen. Aber: der Fokus liegt nicht auf der Mittelverteilung …

… wo sonst noch?

Wir haben unsere Studienstruktur reformiert, haben das Thema Internationalisierung zu einem zentralen Entwicklungspunkt gemacht, nehmen unsere Berufungspolitik in den Blick, führen ein neues Campusmanagement-System ein, arbeiten intensiv am Thema Qualitätssicherung in Studium und Lehre, verbessern die Schnittstellen unseres Hochschulrechenzentrums mit den Fakultäten – an diesen Beispielen merken Sie: Es ist schon viel passiert und viel ist auf den Weg gebracht.

Welche Rolle spielen die Fakultäten dabei?

Das Rektorat kann die übergreifenden Ziele nicht alleine erreichen. Die Zukunftsfähigkeit unserer Universität können und wollen wir nur gemeinsam mit unseren Fakultäten angehen. Daher gibt es über die angesprochenen Fragen einen intensiven Austausch mit den Dekaninnen und Dekanen. Wir diskutieren unsere Strategie natürlich auch in den Gremien, im Senat und in den zentralen Kommissionen. Wir beziehen die Fakultäten früh mit ein – beispielsweise beim Campusmanagement-System oder der Entwicklung unseres Hochschulrechenzentrums. So erhalten sie neben den selbstverständlichen Informationen über ihre Finanz-, Personal- und Studierendensituation zum Beispiel fachspezifische Ergebnisse aus der Studierenden- und der Absolventenbefragung, Rückmeldungen aus der begleitenden Evaluation des  Projekts „richtig einsteigen“ sowie Daten zu Drittmittelprojekten.

Und was erwarten Sie dann von den Fakultäten?


Dass sie mit uns in einen intensiven Austausch über die strategischen Ziele der Universität und ihrer jeweiligen Fakultät oder Einrichtung eintreten. Wir wollen die Fakultäten im Rahmen der gesamtstrategischen Ziele der Universität bei ihrer weiteren Entwicklungsplanung unterstützen. Gemeinsames Ziel ist es, unsere Universität auch zukünftig erfolgreich zu positionieren. Ein zentrales Mittel für diesen Austausch sind Fakultätsgespräche. Im November und Dezember werden wir mit allen Fakultäten Entwicklungsgespräche führen.

Wie muss man sich das vorstellen?


Wir möchten mit den Fakultäten anhand eines Fragenkatalogs den Austausch suchen. Das Rektorat möchte die Einschätzungen der Fakultäten zu Chancen und Risiken kennenlernen und gemeinsam mit ihnen die sich daraus ergebenden Potentiale einschätzen. Diese Gespräche können dem Rektorat wichtige Hinweise darauf geben, wo erfolgversprechende, profilrelevante und innovative Entwicklungsvorhaben in Forschung und Lehre durch einen strategischen Einsatz von Mitteln gezielt unterstützt werden sollten.…

…womit wir wieder beim Mittelverteilungsmodell sind. Kritiker befürchten, dass die Mittelvergabe nach Indikatoren zu einem Wettbewerb der Fakultäten führt, der das Miteinander in der Universität Bielefeld negativ ändert.


Vorab: Eine ausschließlich indikatorgestützte Mittelvergabe haben wir nie gewollt. Mein Eindruck ist, dass hier auch viele Gerüchte im Umlauf sind, die Ängste verursachen.

Aber: Es wird Änderungen der externen Rahmenbedingungen geben. Das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf plant beispielsweise aktuell eine neue, an der Leistung der Hochschulen orientierte Finanzverteilung. Angesichts der kommenden, im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse wird das Land Nordrhein-Westfalen zukünftig vermutlich weniger Mittel für die Hochschulen bereitstellen. Es ist klar, wohin das führt: Die Universität Bielefeld wird sich im Wettbewerb um die knappen Ressourcen mit anderen Universitäten behaupten müssen. Dafür wollen und müssen wir uns auch bei der internen Mittelvergabe aufstellen. Wir brauchen die Möglichkeit, Leistungsträger zu fördern und neue vielversprechende Initiativen zu unterstützen. Davon profitiert die gesamte Universität. Es sind aber auch Regeln notwendig, nach denen wir gegebenenfalls auch Kürzungen der Landesmittel intern umsetzen. Daher: Wir wollen ein Modell, das die Waage hält zwischen einer stabilen Grundfinanzierung, einer Belohnung von Leistung in der Vergangenheit und der Möglichkeit, zukunftsorientiert strategische Entwicklung mit finanziellen Mitteln anzustoßen und zu unterstützen. Wir befinden uns dabei seit etwa einem Jahr in einem intensiven Beratungsprozess. Das Rektorat involviert die Dekaninnen und Dekane und die Gremien dabei. Das Modell ist nicht fertig, es entsteht. In diesem Prozess gibt es – als Ergebnis der Diskussionen und des vielfältigen Feedbacks – selbstverständlich auch immer wieder Modifikationen. Aktuell diskutieren wir ein Modell, das auf drei Säulen beruht: einem Basisetat, über den 66 Prozent der Mittel an die Fakultäten verteilt werden, einem Leistungsetat und einem Strategieetat, über die jeweils 17 Prozent verteilt werden.

Wann soll das neue Mittelverteilungsmodell eingeführt werden?

Wir sind schon sehr weit in der Diskussion mit den Fakultäten und in den Gremien. Es sind aber auch noch wichtige Fragen offen. 2015 wird ein Jahr lang das neue Modell parallel zum alten gerechnet, ohne dass danach schon Geld verteilt wird. Wir möchten bis Mai 2015 die Entscheidung für das Modell fällen. So können alle die Auswirkungen frühzeitig einschätzen und noch einmal Feedback geben. Für 2016 sollen die Finanzmittel dann nach dem neuen Modell verteilt werden. Eines ist mir besonders wichtig: Wir werden ein Auge darauf haben, dass wir eventuell eintretende Verschiebungen von Finanzmitteln innerhalb der Universität so hinbekommen, dass sich die Arbeitsbedingungen für unsere Beschäftigten dadurch nicht verschlechtern – beispielsweise was die Laufzeit der Arbeitsverträge betrifft.

Das Mittelverteilungsmodell ist eine Maßnahme, um die Universität fit für die Zukunft zu machen. Ich wünsche mir auch über die anderen Instrumente und Maßnahmen, die wir im Rahmen der strategischen Entwicklungsplanung für unsere Universität weiterentwickeln, eine ähnlich intensive und fruchtbare Diskussion. Die Zukunft unserer Universität steht auf vielen Säulen, die wir gemeinsam stärken müssen.

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