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Studie zu Blaumeisen: Erst riechen, dann betteln (Nr. 54/2017)
Internationales Forschungsprojekt unter Leitung von Bielefelder Verhaltensbiologen

Blaumeisen können den Geruch anderer Jungtiere wahrnehmen und daraufhin ihr Bettelverhalten anpassen. Das ist das Ergebnis der neuesten Studie von Dr. Barbara Caspers und Dr. Peter Korsten von der Universität Bielefeld, die heute, am 12. Mai, im Journal „Functional Ecology“ veröffentlicht wird. Die Verhaltensbiologin Caspers erforscht als Freigeist-Fellow, gefördert von der Volkswagen-Stiftung, in ihrem Projekt „Der Geruch der Verwandtschaft – wie entsteht er, wie riecht er“ zurzeit das Geruchsverhalten verschiedener Tiere.

Dr. Peter Korsten, der die Partnerwahl und elterliche Fürsorge unter anderem an Blaumeisen untersucht.
Dr. Peter Korsten, der die Partnerwahl und elterliche Fürsorge unter anderem an Blaumeisen untersucht. Foto: Sander van der Werf

Dr. Barbara Caspers und Dr. Peter Korsten von der Universität Bielefeld und Marta Rossi von der University of Sussex in Brighton (Großbritannien) haben in der Teilstudie das Bettelverhalten von sieben Tage alten Blaumeisenküken in einer Population im niederländischen Groningen untersucht. „Blaumeisenküken betteln, um von den Eltern Futter zu bekommen und konkurrieren dabei mitunter mit zehn gleichaltrigen, nicht unbedingt Voll-Geschwistern im Nest“, erklärt Dr. Peter Korsten. Durch frühere Studien an anderen europäischen Singvögeln war den Forscherinnen und Forschern bereits bekannt, dass sich diese Konkurrenz verschärft, wenn nicht-verwandte Jungtiere mit im Nest sind. Dann betteln die Jungtiere noch intensiver um Nahrung.

Die Forschergruppe präsentierte für die jüngste Studie den jungen Blaumeisen zwei verschiedene Gerüche: den von Verwandten aus dem eigenen Nest und den von Nicht-Verwandten aus einem fremden Nest. In beiden Versuchssituationen maßen die Biologinnen und Biologen daraufhin die Betteldauer der Küken. Diese Messungen zeigten: Die Blaumeisenküken bettelten länger, nachdem sie den Geruch von fremden Küken wahrgenommen hatten als im Vergleich zum Geruch von Verwandten. „Bisher wussten wir nicht, woran die Jungtiere im Nest erkennen können, ob sie mit Nahverwandten oder weniger Verwandten um das Futter konkurrieren. Unsere Studie zeigt, dass sie diesen Unterscheid möglicherweise riechen können“, sagt Caspers.

Die Verhaltensbiologin Dr. Barbara Caspers erforscht, wie Verwandtengeruch entsteht.
Die Verhaltensbiologin Dr. Barbara Caspers erforscht, wie Verwandtengeruch entsteht. Foto: Universität Bielefeld
Die Wissenschaft ginge lange Zeit davon aus, dass Vögel überhaupt nicht riechen können. Diesen Befund haben die Verhaltensforscher der Universität Bielefeld um Dr. Barbara Caspers bereits widerlegen können. Unter anderem haben frühere Studien an Zebrafinken zu diesen Erkenntnissen beigetragen.

Zu den Personen:
•    Dr. Barbara Caspers forscht seit 2014 als Freigeist-Fellow, das mit 975.000 Euro dotiert ist. Das Stipendium richtet sich an „exzellente Postdocs, die risikobehaftete, unkonventionelle Forschung“ in Deutschland betreiben und ist auf fünf Jahre angelegt. Sie arbeitet als Postdoc im Arbeitsbereich Verhaltensforschung der Universität Bielefeld.
•    Dr. Peter Korsten erforscht das Verhalten von freilebenden Vögeln, besonders Blaumeisen, deren Partnerwahl und ihre elterliche Fürsorge. Nach seiner Dissertation in Groningen (Niederlande) und Forscheraufenthalten in Edingburgh (Schottland) und Antwerpen (Belgien) ist er seit 2015 am Lehrstuhl für Verhaltensforschung an der Universität Bielefeld.
•    Marta Rossi hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Bielefeld an der Studie zu Blaumeisen mitgewirkt. Mittlerweile ist sie als Doktorandin an der University of Sussex in Brighton (Großbritannien).

Blaumeisen, gerade die Jungtiere, können ihre Verwandten mittels Geruch erkennen und verändern daraufhin ihr Verhalten. Das konnten Bielefelder Forscher in einer Studie nachweisen.
Blaumeisen, gerade die Jungtiere, können ihre Verwandten mittels Geruch erkennen und verändern daraufhin ihr Verhalten. Das konnten Bielefelder Forscher in einer Studie nachweisen. Foto: Universität Bielefeld / Oliver Krüger

Originalveröffentlichung:
Rossi M., Marfull R., Golüke S., Komdeur J., Korsten P., Caspers B.: Begging Blue Tit Nestlings Discriminate Between the Odour of Familiar and Unfamiliar Conspecifics. Functional Ecology, DOI: 10.1111/1365-2435.12886, veröffentlicht am 12. Mai 2017

Weitere Informationen:
•    Freigeist-Fellow Dr. Barbara Caspers: https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/freigeist_stipendium_für_bielefelder_biologin
•    Studie an Seebären: https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/geruch_führt_seebärenmutter_zum_nachwuchs
•    Studie an Zebrafinken: https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/singvögel_erkennen_des_nestgeruchs_ist


Kontakt:
Dr. Barbara Caspers, Universität Bielefeld
Fakultät für Biologie, Verhaltensforschung
Telefon: 0521 – 106 2825
E-Mail: barbara.caspers@uni-bielefeld.de 

Kategorie: Forschung & Wissenschaft Veröffentlicht am 12.05.2017
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