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Podcasts zur Zensur: Folge 2

Veröffentlicht am 1. Juli 2020

Pressefreiheit, Wissenschaftsfreiheit und Sozialpunktesystem in China

In der zweiten Folge des Podcasts zur Zensur ist beim Chefredakteur von Hertz 87,9 Thomas Rademacher Lutz Leisering, PhD., emeritierter Professor für Soziologie und Sozialpolitik an der Uni Bielefeld, zu Gast. Schon als Student lernte dieser China aus eigenem Erleben kennen, hat später dort auch geforscht und ist ein genauer Kenner der in der neuen Supermacht herrschenden politischen und sozialen Verhältnisse. Das Interview mit ihm dreht sich um die zunehmende politische Unterdrückung seit Xi Jinping 2012 Generalsekretär der Kommunistischen Partei wurde, den Umgang westlicher Intellektueller mit dieser Situation, die zunehmende Angst chinesischer Wissenschaftler*innen, sich mit ausländischen Kolleg*innen offen auszutauschen oder um die kleinen Ansätze von Meinungsfreiheit im Netz, die das Regime gestattet, um ein Ventil für Unzufriedenheit zu schaffen. Und Lutz Leisering warnt vor dem alten Klischee, dass ostasiatische Gesellschaften per se eher kollektivistisch orientiert und damit anfälliger für Totalitarismus seien.

Zu hören ist die Folge hier.


 

 

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Gesendet von JSchirmacher in Art & Science
Tags: 2020

Zensur

Veröffentlicht am 29. Mai 2020

Uniweites Schwerpunktthema 2020/2021

Zensur - in einer Demokratie kein Problem? So einfach ist das leider nicht: Das Grundgesetz legt zwar fest, dass eine Zensur nicht stattfinde, schränkt dies aber mit Verweis auf gesetzliche Regelungen sofort wieder ein. Meinungs-, Religions-, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit konkurrieren dabei mit Persönlichkeitsrechten, mit Urheberrecht oder auch mit gesellschaftlich verankerten Vorstellungen von Moral, Anstand und political correctness. "Zensur", das ist ein komplexer, schillernder und viel weniger eindeutiger Begriff als es zunächst scheint, ein Begriff, der in einer demokratischen Gesellschaft und ihrer Dynamik immer wieder neu diskutiert und definiert werden muss:

Wie weit darf die Regulierung im Netz gehen, sind Uploadfilter dazu ein legitimes Mittel und wer darf sie einsetzen? Welches Maß an anonymer Beleidigung ist noch von der Meinungsfreiheit gedeckt? Ist die Kunstfreiheit im Zweifel höher zu bewerten als das Interesse von Urhebern oder von Personen, die sich plötzlich selbst ungefragt in einem Roman porträtiert wiedererkennen? Wie wird der "Zensurvorwurf" in Zeiten von Verschwörungstheorien und (deep) fake news als politischer Kampfbegriff nicht zuletzt gegen die öffentlich-rechtlichen Medien eingesetzt? Welche Zensureffekte entstehen möglicherweise bei der öffentlichen Förderung (oder eben Nichtförderung) im Kulturbereich?

Mit diesen und vielen anderen Fragen will sich das Zentrum für Ästhetik in den Jahren 2020 und 2021 intensiv auseinandersetzen und dabei einen möglichst breiten Diskussionsprozess in der Uni Bielefeld und darüber hinaus in Gang setzen. Viele der ursprünglich dazu geplanten Formate lassen sich wegen der Corona-Lage bis auf weiteres nicht realisieren. Kein Grund zu resignieren: Wir versuchen, möglichst viel davon ins Netz zu transferieren. Im Lauf der Zeit soll sich unsere Website dazu immer mehr anreichern – und jede/r ist eingeladen mitzudiskutieren! Die zentrale, differenziert argumentierende und zugleich sehr gut lesbare Diskussionsgrundlage wird dabei Nikola Roßbachs Buch "Achtung Zensur! Über Meinungsfreiheit und ihre Grenzen" sein. Und irgendwann sehen wir uns dazu auch wieder in Präsenzveranstaltungen!

Viel Freude beim Mitdenken und -reden!

Hier unsere Webseite zum Thema Zensur

Gesendet von JSchirmacher in Art & Science
Tags: 2020

Podcasts zur Zensur: Folge 1

Veröffentlicht am 29. Mai 2020

Das Campusradio Hertz 87,9 führt in Kooperation mit dem Zentrum für Ästhetik in den nächsten Monaten Interviews mit Wissenschaftler*innen der Uni Bielefeld zu unterschiedlichen Aspekten des Themas „Zensur“: Um Netzüberwachung wird es ebenso gehen wie um die politische Überwachung in Diktaturen, es geht um Tabus in den Wissenschaften, und es kommen Wissenschaftler*innen zu Wort, die nach Bielefeld geflüchtet sind.

Den Anfang macht Prof. Andreas Zick, der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung. Er spricht über Mechanismen der Selbstzensur.