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BLOG Zentrum für Ästhetik

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Neue Spielgelegenheiten in der Theaterwerkstatt Bethel

Veröffentlicht am 10. Januar 2020

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"Alles offen": Unsere Trilogie der „Bruchstücke“ geht ins dritte Jahr. Nachdem wir mit der Inszenierung „Irgendwo fällt ein Stein“ im Jahr 2018 „Über_Grenzen“ gegangen und 2019 „Mauer_Fälle“ als Zusammenbrüche als Folge von Freiheitsgedanken und Entgrenzungen untersucht haben, steht 2020 „Alles_Offen“. Es geht dabei in einer Zeit, in der die Ökologie und die Demokratie zunehmend unter Druck geraten, um Visionen von Rettung und Untergang. Zwischen diesen beiden Polen findet seit jeher unser Leben statt. Gelingt es uns, das Zusammenleben mit Anderen friedlich, lebendig und voranbringend zu gestalten? Bekommen wir mit, wenn sich unser Leben immer weiter in eine kritische Richtung bewegt? Und was ist, wenn sich uns offenbart, dass es so nicht weitergeht, ohne auf eine Katastrophe zuzusteuern? Können wir unser Leben ändern, auch wenn es bedeutet, gewohnte Wege zu verlassen? Welche Zukunftsvorstellungen haben wir und wie treffen diese aufeinander? Ist in unserer Zukunft „Alles_Offen“? All diese Aspekte aufgreifend möchten wir Material zusammentragen und ein gemeinsames Stück entwickeln. Hast Du Interesse, an dieser Inszenierung mitzuwirken? Am Do, 16.01.2020 findet von 18-20 Uhr eine Volxtheaterwerkstatt in der Theaterwerkstatt Bethel statt. Hier kann man schnuppern, sich mit dem Thema beschäftigen, und von den verschiedenen Projekten der Theaterwerkstatt Bethel im Jahr 2020 hören. Ende Januar starten wir mit einem offenen Probenblock. Danach soll sich das Volxtheater-Ensemble 2020 gebildet haben.


"Niemandsland": Was ist, wenn nichts mehr so ist, wie es einmal war…? Wenn man sich gewahr wird, dass man nicht mehr so weitermachen kann, wie bisher? Der Moment, in dem einen der Boden unter den Füßen weggerissen wird. In dem auf einmal alles offen zu sein scheint oder doch nicht? Ein Moment der sich schwer fassen lässt… Wenn man sich in der Weltgeschichte umschaut, gibt es immer wieder Situationen, in denen die Zukunft auf der Kippe stand bzw. aus den Angeln gehoben schien. Der britische Autor Rhidian Brooks schreibt z.B. in seinem Roman „Niemandsland“ über den Zustand in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: „Etwas nicht von dieser Welt hatte dreingeschlagen und diesen Ort zu einem wüsten Puzzle zersprengt, das wieder zu dem alten Bild zusammengesetzt werden sollte. Nur ließ sich nichts mehr zusammensetzen […]. Dies war die Stunde Null. Die Leute fingen ganz von vorne an und scharrten aus dem Nichts das Nötigste zusammen.“
Der Begriff „Niemandsland“ (terra nullius) bezeichnet ein Gebiet, das niemandem gehört, also staatsrechtlich herrenlos ist, von niemandem besiedelt und gepflegt oder bewirtschaftet wird, zwischen den Frontlinien eines Krieges liegt oder nutzungsoffene Stadtbrachen und dysfunktionale Freiräume. Im neuen Projekt der Volxperformance würden wir sehr gerne diesen Interimszustand, dieses Niemandsland oder diesen „Nullpunkt“ gemeinsam anhand von aktuellen Diskussionen, Fundstücken aus Kunst, Film und Theater, aber auch anhand von Literaturtexten u.a. Ikarien von Uwe Timm oder Machandel von Regina Scheer erkunden und offenlegen.
Das neue Projekt starten wir am Di, 21.01.2020 von 18-20 Uhr mit einer Volxtheaterwerkstatt zum thematischen Schnuppern. Der erste Probenblock findet dann von Do, 30.01. bis Sa, 01.02.2020 statt.
Unsere Performance wird dann wieder bei Gottesdiensten, Aktionstagen, Betheltagen, Festivals und Festen zu sehen sein.

Weitere Informationen findet ihr unter http://www.theaterwerkstatt-bethel.de/

Gesendet von JSchirmacher in Theater & Tanz
Tags: 2020

Filmsatire auf den Uni-Betrieb „Weitermachen Sanssouci“

Veröffentlicht am 18. Dezember 2019

Auf der letzten Berlinale hochgelobt, aber nur in wenigen Kinos zu sehen: Das Zentrum für Ästhetik der Universität Bielefeld zeigt exklusiv in Bielefeld "Weitermachen Sanssouci", den neuen Film von Max Linz, am Dienstag, d. 21. Januar um 20 Uhr im Hörsaal 13. In dieser hochkarätigen Satire auf den Uni-Betrieb spielt die umwerfende Sophie Rois eine der beiden Hauptrollen. Das Gieren nach Drittmitteln, der Zwang, sich permanent evaluieren zu lassen und nicht zuletzt die Zukunftsängste von Wissenschaftler*innen - so richtig lustig ist das alles nicht, aber in Linz' Film unglaublich komisch und traurig zugleich eingefangen.

Und darum geht's: Klimaforscherin Phoebe Phaidon kommt mit einem Lehrauftrag an das Institut für Kybernetik der Berliner Universität, um das Seminar zur „Einführung in die Simulationsforschung“ von Institutsleiterin Brenda Berger zu übernehmen. Diese muss sich ihrem Drittmittel-Projekt zur virtuellen Simulation des Klimawandels widmen, um das Institut vor der drohenden Einsparung durch die Hochschulleitung zu bewahren. Alles hängt von einer erfolgreichen Evaluation am Ende des Wintersemesters ab. Phoebe wird verpflichtet, an der Simulation mitzuarbeiten und eine Unternehmensberaterin wird als Motivations-Coach ans Institut geholt. Währenddessen zieht der neuberufene Stiftungsprofessor Alfons Abstract-Wege mit einem Projekt zu Ernährungskontrolle die Aufmerksamkeit auf sich, „Nudging“ wird zum Zauberwort. Phoebes Studierende, die dahinter einen Business-Plan vermuten, unterbrechen den Betrieb und besetzen die Bibliothek, während Phoebe mit ihrem Kollegen Julius Kelp zu einer Konferenz nach Gdansk reist und versucht, hinter das Geheimnis der Apokalypse zu kommen. Die Zeit läuft ab. Der jüngste Tag bricht an.

Max Linz wurde 1984 geboren. Er studierte Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin und an der Sorbonne Nouvelle Paris 3 sowie Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Seither lebt er als Filmemacher in Berlin. 2014 hatte er mit „Ich will mich nicht künstlich aufregen“, einer originellen Auseinandersetzung mit dem Kulturbetrieb, ein vielbeachtetes Debüt. 

Pressestimmen:

Max Linz führt mit „Weitermachen Sanssouci“ den Uni-Betrieb vor. [...] Die Wissensproduktion hat sich verselbstständigt, das System wird durch Eigenblutdoping gepusht. Neue Erkenntnisse erwartet niemand mehr, weil die Forschungsanträge bereits ihre Ergebnisse vorformulieren müssen, damit sie überhaupt Aussicht auf Förderung haben. Die Erde ähnelt nur unserer Vorstellung von der Erde, und die Universität ist die Simulation einer Bildungsinstitution. [...] Absolut essenziell für den Film ist Sophie Rois als das gute, das schlechte und das hässliche Gewissen der Universität. (Der Tagesspiegel, 15.2.2019, Andreas Busche)

Max Linz hat aus dem zwischen Drittmittelwahn und Evaluierungszwang gefangenen Universitätsbetrieb eine wahnsinnig komische, weil zutreffende (und deshalb bittere) Satire gemacht. [...] Virtual Reality ist hier nicht nur das spezifische Forschungsfeld der Protagonisten, sondern scheint als kritische Beschreibung von Academia mittlerweile um einiges passender als das Bild des Elfenbeinturms. (Spiegel.de, 16.2.2019, Till Kadritzke)

Der Eintritt ist frei! Im Anschluss an die Vorführung besteht Gelegenheit zur Diskussion über den Film.

 

Wann: Dienstag. 21.01.20 um 20 Uhr

Wo: Hörsaal 13

Eintritt: Frei

 

Kontakt:

Zentrum für Ästhetik der Universität Bielefeld

Tel.: 0521/106-3067

E-Mail: zentrumfueraesthetik@uni-bielefeld.de