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BLOG Zentrum für Ästhetik

Samische Kultur hautnah

Veröffentlicht am 20. September 2018

Das Joiken kennen lernen

Arktischer Folk und samische Lyrik mit dem Duo Niillas Holmberg & Roope Mäenpää an der Uni Bielefeld

Niilas Holmberg und Roope Mäenpää (Foto: Eetu Niiminen)

Am Sonntag, d. 7. Oktober um 19 Uhr im Hörsaal 6 lädt die Universität Bielefeld in Kooperation mit der Deutsch-Finnischen Gesellschaft zu einer ungewöhnlichen Kulturveranstaltung ein: Zu Gast ist das samische Künstler-Duo Niillas Holmberg & Roope Mäenpää, das seine Musik als „arktischen Folk“ bezeichnet. Beide sind junge Repräsentanten der außerordentlich lebendigen Kultur der indigenen samischen Bevölkerung, deren Lebensraum sich von den nördlichen Gebieten Norwegens, Schwedens und Finnlands bis hinein nach Russland erstreckt. Nicht zuletzt stellen sie das Joiken vor – den typisch samischen Stil des Gesangs. Die Universität Bielefeld bietet seit 2013 regelmäßig Kurse zur samischen Kultur, Literatur und deren Übersetzung an.


Niillas Holmberg, geboren 1990 in Utsjoki, ist zugleich samischer Dichter, Musiker, Schauspieler und Aktivist. In dieser Reihenfolge beschreibt er sich selbst. Bisher hat er drei Lyrikbände veröffentlicht. Sein Werk ist in zehn Sprachen übersetzt worden. In Bielefeld stellt er in Vertonungen und Rezitationen seine Gedichte vor, spielt Gitarre zu samischen Liedern und „joikt“, und begibt sich damit in die älteste und immer noch lebendige europäische Gesangstradition. Ungewöhnlich, archaisch und zugleich sehr fesselnd klingt das für mitteleuropäische Ohren. Das Spektrum der Musik erstreckt sich damit von den Ursprüngen der samischen Kultur bis zur unmittelbaren Gegenwart. Seine Vielseitigkeit stellt Niillas Holmberg aktuell gleich in vier Musikgruppen unterschiedlichen Charakters unter Beweis.
Holmberg wurde 2016 in Helsinki für sein Engagement für samische Literatur, Musik und Sprache und für die Rechte der Samen als Same des Jahres ausgezeichnet. Für seine literarischen Arbeiten erhielt er ebenfalls bereits diverse Preise. Die Gruppe Bie, Studierende an der Universität Bielefeld unter Leitung von Johanna Domokos, die sich mit samischer Kultur und Literatur befasst, hat maßgeblich an der Herausgabe des ersten Buches mit Übersetzungen seiner Lyrik ins Deutsche mitgewirkt.

Holmbergs Partner Roope Mäenpää aus Tampere ist Komponist und Multiinstrumentalist. In den Duo-Produktionen mit Niillas Holmberg spielt Mäenpää Cello, Klavier und Keyboards. Dabei sind auch zwei CDs entstanden. Neben dem Duo sind beide auch in einem Quartett mit rockiger Musik unterwegs.

Das Konzert am 7. Oktober ist eine Kooperation zwischen der Deutsch-Finnischen Gesellschaft e.V. und dem Zentrum für Ästhetik der Universität Bielefeld. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Gesendet von WSchüer in Musik
Tags: 2018

Das HfM-Orchester gastiert in der Uni

Veröffentlicht am 19. September 2018

Das Orchester der Hochschule für Musik Detmold zusammen mit der Geigerin Maria-Elisabeth Lott

Werke von Korngold, Schostakowitsch und Beethoven 

Schon zum dritten Mal gastiert das Orchester der Hochschule für Musik Detmold unter Leitung von Florian Ludwig am Montag, d. 26.11. um 20.00 Uhr im Audimax der Universität Bielefeld. Als Solistin ist diesmal Maria-Elisabeth Lott, international bekannte Geigerin und Professorin in Detmold, mit Erich-Wolfgang Korngolds Violinkonzert dabei. Auf dem Programm stehen auch Dimitri Schostakowitschs 5. Symphonie und die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 von Ludwig van Beethoven.

Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) galt seinerzeit als Wunderkind, das schon mit elf Jahren ernsthaft an Kompositionen arbeitete. Seine Jugendwerke wurden von den berühmtesten Dirigenten seiner Zeit aufgeführt. Zwischen den Weltkriegen war er, vor allem mit „Die tote Stadt“ (1920), einer der meistgespielten deutschsprachigen Opernkomponisten. Während der NS-Zeit emigrierte er in die USA und wurde dort zu einem der erfolgreichsten, u.a. mit zwei Oscars ausgezeichneten Filmkomponisten Hollywoods. Für sein 1947 uraufgeführtes Violinkonzert D-Dur op. 35 griff  er weitgehend auf Themen aus seinen Filmmusiken zurück. Dabei begegnen sich spätromantische Klangpracht, melodiöser Erfindungsreichtum und extreme technische Schwierigkeiten für die Solistin. Wegen Korngolds konservativer kompositorischer Grundhaltung konnte sich sein Violinkonzert lange nicht durchsetzen. Inzwischen gilt es aber als eines der großen Werke seiner Gattung. 

In der Geschichte von Schostakowitschs 5. Symphonie spiegeln sich die komplizierten und tragischen Begleitumstände, mit denen der Komponist bei seiner Arbeit lange Zeit konfrontiert war. Nach Kritik in der „Prawda“, die damals ohne Billigung Stalins nicht denkbar war, hatte er 1936 seine 4. Symphonie zurückgezogen. Mit der 5., entstanden auf dem Höhepunkt des stalinistischen Terrors und 1937 in Leningrad erfolgreich uraufgeführt, bewies er seine Rückkehr zu den Vorgaben einer linientreuen Kulturpolitik. So interpretierte es jedenfalls die zeitgenössische Kritik, während er selbst später den abschließenden, vermeintlich das Regime verherrlichenden Triumphmarsch als Todesmarsch bezeichnet haben soll.