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Diskussion der Agenda Pflegeforschung

Veröffentlicht am 7. November 2012, 10:28 Uhr

Agenda Pflegeforschung: kontinuierliche Drittmittel-Förderung für pflegewissenschaftliche Forschung in Deutschland

In der Berliner Dependance der Robert Bosch Stiftung wurde am 12. November die Umsetzung der Agenda Pflegeforschung für Deutschland (www.agenda-pflegeforschung.de) mit Forschungsförderern erörtert. In der Agenda sind von 1700 Pflegewissenschaftlern/innen und Pflegeexperten/innen prioritäre Themen festgehalten worden, die in den nächsten Jahren erforscht werden müssen, soll Deutschland den demographischen Wandel mit seinen weitreichenden Konsequenzen für die Pflege in kommenden Jahrzehnten bewältigen können. Frau Ministerin Barbara Steffens (NRW) bestätigte, wenn nicht „Klarheit über die Defizite“ erarbeitet würde, sei absehbar, dass das ganze Pflegesystem „vor die Wand“ führe. Mängel würden zwar in den Medien skandalisiert, aber immer nur als Einzelfälle persönlichen Versagens, führte Professor Stefan Görres (Universität Bremen) aus. Sie würden nicht in ihren systemischen Bedingungen analysiert, was auf strukturelle Gründe zurückzuführen ist.

Während allerdings in den angelsächsischen und skandinavischen Ländern öffentliche Budgets für die kontinuierliche und gezielte Förderung eigenständiger Pflegeforschung eine Selbstverständlichkeit sind, fehlen diese in Deutschland, wie Prof. Doris Schaeffer (Universität Bielefeld) zusammenfasste. Das unterscheidet die deutsche Pflegeforschung sogar von der deutschen ingenieurwissenschaftlichen und medizinischen Forschung: Medizin und Ingenieurwissenschaften können auch in Deutschland fest damit rechnen, dass die öffentlichen Forschungsförderer, vor allem BMBF und DFG, ihre Forschung jedes Jahr in wechselnden Schwerpunkten fördern. Die vier Pflegeforschungsverbünde, die das BMBF seit 2004 sechs Jahre lang insgesamt mit 1,6 Millionen € pro Jahr finanziell unterstützt wurden, fanden dagegen bisher keine unmittelbaren Nachfolgeförderung für Pflegeforschung. Ohne Absehbarkeit und Kontinuität von Forschungsmitteln ist der Aufbau adäquater Forschungsstrukturen in den Hochschulen jedoch schwerlich möglich. Diese Lücke können Stiftungen, wie Frau Dr. Almut Satrapa-Schill von der Robert Bosch-Stiftung betonte, die sich jahrelang verdienstvoll um den Aufbau von Pflegeforschung in Deutschland bemüht hat, nicht auf Dauer schließen. „Pflegewissenschaftliche Forschung ist eine öffentliche Aufgabe“, sagte sie. Dr. Volker Meyer-Guckel vom Verband der Stiftungen und Vorstandsvorsitzender Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband unterstützten Frau Dr. Almut Satrapa-Schill in dieser Aussage. Dr. Frank Wissing hob als Vertreter der Deutschen Forschungsgemeinschaf t (DFG) hervor, die DFG habe zwar bereits pflegewissenschaftliche Projekte der Grundlagenforschung als Einzelprojekte und in Sonderforschungsbereichen gefördert, doch sei das auszubauen, was freilich auch mehr Anträge bedinge. Zum Verhältnis von Projektförderung und Infrastrukturförderung verwies Prof. Johann Behrens (Universität Halle-Wittenberg) darauf, in den letzten Jahren habe die öffentliche Drittmittelforschung einen so großen Anteil an den Forschungsmitteln der Hochschulen erreicht, dass Hochschulen ohne Aussicht auf kontinuierliche, ununterbrochene Drittmittel nicht die nötigen Forschungsinfrastrukturen schüfen. Den Projektförderern sei dadurch nolens volens faktisch eine große Verantwortung für die Strukturförderung zugewachsen. Auch zur „interdisziplinären“ Forschung, wie sie allseits für wünschenswert erachtet wird, ist ohne hinreichende strukturelle Forschungsbedingungen kein substanzieller Beitrag der Pflegewissenschaft möglich. „Interdisziplinäre Forschung setzt schon vom Wort her starke Disziplinen voraus“, so Behrens. Prof. Michael Teuscher unterstrich dies für die Hochschulrektorenkonferenz.

Eine Zwischenbilanz, eine Art Kassensturz, wieweit die Argumente aller Teilnehmenden für eine kontinuierliche Förderung eigenständiger pflegewissenschaftlicher Forschung bis dahin einer Umsetzung zugeführt werden konnten, ist in 2013 vorgesehen.

 

Weitere Informationen zum Tagungsprogramm und -ort finden Sie im Flyer zur Tagung.

Einen Text zur Agenda Pflegeforschung für Deutschland von Prof. Schaeffer finden Sie hier.

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