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Zum Tod von Prof. Dr. Jochen Hoock

Veröffentlicht am 15. Oktober 2019, 20:57 Uhr

Die Fakultät trauert um Prof. Dr. Jochen Hoock (1939-2019), Mitglied der Fakultät 1976 bis 1986. Ein Nachruf von Neithard Bulst:

 

Am 21. Mai ist Jochen Hoock im Alter von 80 Jahren in Kerguévarec (Bretagne) gestorben. Beruflich und familiär war er „ein Wanderer zwischen zwei Welten“. In seiner Todesanzeige heißt es: „Als überzeugter Europäer hat er sich sein Leben lang für die deutsch-französischen Beziehungen eingesetzt“. Dieses Engagement führte ihn auch nach Bielefeld. In der Anfangsphase der Reformuniversität hat er hier prägende Jahre erlebt.

Nach einem juristischen Staatsexamen in Münster studierte Hoock am Institut d’Études politiques in Paris (Sciences Po) und promovierte dort. Auf Assistentenzeiten in Bochum und Heidelberg folgte schließlich 1976 Bielefeld. Schon 1969 war er im Gefolge Reinhart Kosellecks als Vertreter der Assistenten Mitglied der „Kommission Geschichtswissenschaften des Gründungsausschusses der Universität Bielefeld“ (bis 1973) geworden. Bielefeld war auch der Ausgangspunkt seiner lebenslangen sehr erfolgreichen Bemühungen einen disziplinären und interdisziplinären Dialog zwischen deutschen und französischen Kollegen, aber keineswegs auf sie beschränkt, zu initiieren und zu verstetigen. Eine Reihe von publizierten internationalen und interdisziplinären Tagungen am Bielefelder ZiF und in Paris ist ihr sichtbares Ergebnis. Hinter dem Kooperationsabkommen, das ab 1979 die Bielefelder Fakultät für Geschichtswissenschaft mit dem Centre de Recherches historiques der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) verbindet, war er die treibende Kraft. Dieser Kooperation schloss sich zuerst die Fakultät für Soziologie an, bevor 1988 ein Vertrag zwischen der Universität und der EHESS abgeschlossen wurde.

Auf Bielefeld folgte ein Ruf nach Paderborn auf den Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit (1986) und 1992 ein Ruf nach Paris VII, eine Neugründung mit einem zu Bielefeld vergleichbaren interdisziplinären Reformanspruch, wo er bis zu seiner Emeritierung 2007 lehrte. Als Prorektor für Forschung (1998–2002) setzte er sich auch hier für ein Kooperationsabkommen zwischen ‚seinen‘ Universitäten ein, das 2001 in Bielefeld anlässlich einer vom ihm mitinitiierten Aufsehen erregenden ZiF-Tagung „Welt und Wissen. Über die Konstruktion wissenschaftlicher Erkenntnisse“ von den beiden Rektoren unterzeichnet wurde. Mit seinem Bielefelder Kollegen Neithard Bulst gründete er als begeisterter und begeisternder Lehrender 1998 das „Deutsch-Französische Studienprogramm Geschichte – Bielefeld-Paris VII“. Dessen Fortgang hat er auch nach seiner Emeritierung mit großem Interesse verfolgt. Er ließ es sich daher nicht nehmen, 2018 die weite Reise nach Bielefeld anzutreten, um an der Feier zum 20-jährigen Jubiläum des Studienprogramms teilzunehmen.

Hoocks wissenschaftliches Œuvre ist thematisch und chronologisch weit gestreut. Es reicht von der Rechtssoziologie und Rechtsphilosophie zur lippischen Regionalgeschichte, von der Kaufmannschaft Rouens im 17. und 18. Jahrhundert zur Staatsreform der französischen Dritten Republik und von der historischen Statistik zur bundesrepublikanischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Mit Sicherheit bleibend und für die Wirtschaftsgeschichte in Zukunft unverzichtbar ist die von ihm und seinem Pariser Kollegen Pierre Jeannin konzipierte und herausgegebene analytische Bibliographie „Ars Mercatoria. Handbücher und Traktate für den Gebrauch des Kaufmanns 1470-1820“. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, den Druck der im Manuskript vorliegenden zwei Teilbände des 4. Bandes zum 18. Jahrhundert mit seiner abschließenden Analyse zu erleben.

 

 

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