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Wort des Tages - It

Veröffentlicht am 21. Januar 2015, 09:57 Uhr

Italienisch

verosimile [veroˈsi:mile]

= oder ≠  wahr; wahrscheinlich

"Vero" heißt "wahr", "simile" bedeutet "ähnlich" oder "gleichartig".  "Verosimile" kann man mit Wahrheitsnähe, Wirklichkeitsnähe  bzw. den entsprechenden Adjektiven  oder manchmal auch mit "scheinbar" oder "scheinhaft" übersetzen.

Il "verosimile" ist der Wahrheit auf der Spur - oder täuscht eine falsche vor. Wie die in ihrer Art einmaligen Antichrist-Fenster der Marienkirche in Frankfurt (Oder). Auf den ersten Bick erzählen sie die Geschichte Jesu. Schaut man aber genauer hin, kann es einem mulmig werden. Etwas stimmt nicht an diesen Glasbildern aus dem 14. Jahrhundert. Obwohl schon aus der Entfernung die üblichen Szenen der Christusgeschichte zu sehen sind, rufen sie etwas Unheilvolles hervor, noch bevor Details sichtbar werden: ein Pferdefuß am vermeintlichen Christus, Fratzen, die aus Ecken grinsen. Eine Maria, der zusammenwachsende Brauen einen bösen Blick machen. Und schließlich dieses Bild der Beschneidung! Wer hat je so etwas gesehen?

Traut den falschen Propheten nicht, warnen die Bilder. "Uns und den Unsrigen ist das Märchen vom Jesus zum Segen geworden!" soll Papst Pius II. (1458-1464) geäußert haben. "Per noi e per i nostri, la favola di Gesù è divenuta una benedizione." Papa Pio II, 1405-1464.

Übrigens, wen Literaturgeschichte interessiert: Heinrich von Kleist ist in der kleinen Stadt mit dieser Kirche groß geworden. Von falschen Propheten wusste er ein Lied zu singen.

Susanne Hecht


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