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Rom-Exkursion

Veröffentlicht am 8. März 2015, 13:28 Uhr

Vom 1.-6.3.2015 waren 20 Studierende, die am Fachsprachenzentrum Latein- oder Griechischkurse besuchen oder bereits absolviert haben, mit ihrem Dozenten Peter Prestel unterwegs auf einer Exkursion in die so geschichtsmächtige „ewige Stadt“ Rom. Die Reise war reich und randvoll mit Eindrücken, Erlebnissen, Begegnungen. Selbstverständlich standen im Zentrum Themen und Touren durch die Antike – unterstützt durch das Vorlesen von Texten von Tacitus, Cicero, Livius, Ovid und Sueton an passenden Orten; allerdings konnte es auch geschehen, dass durch eine offensichtlich virtuose Darbietung einer Musikgruppe vor dem Pantheon (Stairway to Heaven!) von dem einen oder anderen der Besuch des Pantheon schlicht vergessen wurde!  Lebendige Ewigkeit und ewige Lebendigkeit.

 

Mit Fragen der Ewigkeit und Vergänglichkeit bekamen wir es noch auf andere und den einen oder anderen durchaus verstörende Weise zu tun: In der Kapuzinergruft der römischen Kirche S. Maria Immacolata findet sich ein Beinhaus mit nicht nur gesammelten, sondern kunstvoll als Wand- und Deckendekoration angeordneten Gebeinen – und einigen mumifizierten Mönchen. So enthält die cripta dei bacini Wandschmuck aus Beckenknochen, in der cripta dei teschi sind Totenköpfe zu einem gewaltigen Portal angeordnet, aus Wirbeln gefertigte Lampen hängen knapp über den Köpfen der Besucher. Die Botschaft ist zweierlei: quello che voi siete noi eravamo; quello che noi siamo voi sarete: „Was ihr seid, waren wir, und was wir sind, werdet ihr sein“. Die zweite Botschaft in der Sortierung der Knochen nicht nach Personen, sondern Funktionen lautet etwa: Mit dem Tod ist individuelle Persönlichkeit aufgehoben. Es ist egal, zu wem die Knochen zu Lebzeiten gehörten. Die gegenteilige Erfahrung bot am gleichen Tag die Begegnung mit dem Reliquienkult, der sich ja in der katholischen Welt zumindest historisch stark ausgeprägt hat und in dem die Zuordnung der materiellen Überreste zu einem Heiligen gesucht und zur bereitwilligen Verehrung angeboten wird. Noch heute scheint es wichtig, dass die 140 Knochenteile, die man unter St. Peter gefunden hat, diejenigen eines bestimmten Individuums, nämlich des Petrus sind, und deswegen mehr verehrt werden müssen als andere Knochen, und in einen Sarkophag mit den vermeintlichen Knochen des Apostels Paulus unter St. Paul vor den Mauern führte man vor einigen Jahren eine Sonde für eine C14-Altersbestimmung der Gebeine ein, mit dem Ergebnis: Es sind die Knochen eines etwa 70 jährigen Mannes um 100 n.Chr. mit Arthrose. Würde der Kapuziner nicht sagen: So what? Knochen eben... Diese Erlebnisse gaben viel zu denken und zu besprechen.

Und schließlich ergab sich die Begegnung mit einer fast 80-jährigen Nonne, die uns eigentlich nur den schönen Kreuzgang ihres Klosters in  SS. Quattro Coronati erklären wollte, dann sich aber durch die Frage nach dem Tun und dem Lebensinhalt einer Augustiner-Nonne zu einer längeren Performance motivieren ließ, die in ihrer unglaublichen Lebendigkeit und der rhetorischen Kraft und Schönheit der italienischen Sprache hinreißend, in der Gewissheit des eigenen Lebenswegs und des Konzeptes von Weiblichkeit aber auch – speziell bei Studentinnen – provozierend wirkte.

Eine intensive Woche, bei der gerade auch das Miteinander in der Reisegruppe nicht zu kurz kam. Und für manche gab es auch noch den Besuch des Fußballspiels zwischen Lazio Rom und Neapel im Olympiastadion. Und, ach ja, der neue James Bond wurde auch gerade gedreht, tolle Autos waren da zu sehen...

 Peter Prestel

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