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Fachsprachenzentrum BLOG NEU - Kategorie Porträts

Porträt Matthew Salter

Veröffentlicht am 26. März 2019
Nach einem Interview-Leitfaden von Miriam Goupille

Lieber Matthew, woher kommst du genau?Matthew

In meinen ersten Lebensjahren bin ich in Preston, in Nordwest-England, aufgewachsen. Dann sind wir nach Coventry gezogen, nach Mittelengland. Mein Vater war Ingenieur, und wir mussten öfter umziehen. In Coventry habe ich meine ganze Schulzeit verbracht. Nach dem Abitur bin ich wieder zurück nach Preston zum Studium gegangen. Ich habe BWL studiert.

Wie bist du nach Bielefeld gekommen?

Nach dem Studium bin ich zur britischen Militärpolizei gegangen und habe als Kriminalermittler gearbeitet. Was war dabei? Alle möglichen Formen von Totschlag, sexuellem Missbrauch, Folter... Auch in Afghanistan und Irak, wo ich sieben Monate stationiert war. Ich habe seit 2005 an sieben oder acht verschiedenen Einsatzorten gearbeitet. In Deutschland war ich zweimal stationiert. 2005-2009 in Osnabrück, 2012-15 in Bielefeld, Gütersloh, Paderborn. Während eines Rugby-Turniers habe ich 2006 in Herford, wo mein Regiment sein Hauptquartier hatte, meine heutige Frau kennengelernt. Heute leben wir zusammen in Herford, und wir haben einen kleinen Sohn, David.

Gibt es etwas aus deiner Gegend/deinem Land, was du hier vermisst? Und/oder etwas, was du hier in Bielefeld schön findest?

Wegen des Brexit vermisse ich im Moment eher nichts und bin froh, in Deutschland zu sein. Aber Curry und Pubs, die fehlen mir schon. Hier in Ostwestfalen gefällt mir mein Leben. Ich finde die Leute freundlich. Es ist immer was los. Das Leben ist für mich spannend hier. Interessant. Mein Kind sehe ich zweisprachig aufwachsen. Das ist schön. In zwei Wochen habe ich meinen Einbürgerungstest. Das heißt aber nicht, dass ich England den Rücken kehre. Im April nehme ich in London an einem Marathon teil.

Hast du immer unterrichtet? Wenn nicht, was hast du vorher gemacht?

Ende 2015, mehr oder weniger mit meinem Austritt aus der Army, habe ich mit Teaching English to Speakers of other Languages in Großbritannien angefangen. Darauf war ich gut vorbereitet, denn von 2011 bis 2016 habe ich ein linguistisches Fernstudium (Englisch und Deutsch) absolviert. Seit September 2016 bin ich hier in Deutschland ausschließlich als Sprachdozent für Englisch an verschiedenen Einrichtungen tätig. Außerdem studiere ich Französisch und Englisch auf Lehramt an der Uni Bielefeld.

Kannst du uns eine Anekdote über deine (ehemaligen) Studis erzählen? Es kann etwas Lustiges oder leicht Peinliches sein, das jedem von uns passieren kann.

Wenn ich in den Seminaren an der Uni sitze, denken manche, ich sei der Dozent, weil ich so alt bin. Entsprechend verhalten sie sich. Seit vielleicht zwei Jahren unterrichte ich eine Gruppe in Bad Salzufflen, die quasi gar kein Englisch konnte, als sie anfing. Die meisten Teilnehmenden sind etwas älter, im Ruhestand, so zwischen sechzig und siebzig. Die machen aus dem Dozenten gern den Schüler und bringen mir mit großem Eifer Deutsch bei. Eine nette Gruppe!
Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Harun Kocatas

Veröffentlicht am 4. Mai 2018
Nach einem Interview-Leitfaden von Miriam Goupille

Lieber Harun, woher kommst du genau?

Ich komme aus der Türkei, aus Van in der Osttürkei. Die Stadt liegt an der Grenze zum Iran. Bis zur Gymnasialzeit habe ich in Van gelebt. Danach bin ich mit meiner Familie nach Istanbul umgezogen. Da habe ich mein Abitur gemacht und auch den Bachelor. Es sind jetzt 11 Jahre, die wir in Istanbul leben. Istanbul bietet sehr viel mehr Arbeitsmöglichkeiten und kulturelle Angebote als Van. Van ist eine Millionenstadt, antik und sehr schön. Van ist die Hauptstadt des altorientalischen Urartu-Reiches gewesen. Auch viele armenische Spuren gibt es wie die Insel Akdamar im Van-See. Es gibt diesen riesigen See (wir nennen ihn Meer) mit einem Ungehheuer wie Loch Ness und die weiße Van-Katze, die ein grünes und ein blaues Auge hat. Istanbul mag schön sein, aber Van ist für mich die attraktivere Stadt. Schade, dass das Existieren dort so schwer fällt.

Wie bist du nach Bielefeld gekommen?

In der Türkei habe ich Lehramt für Türkisch an der Marmara-Universität in Istanbul studiert. 2013 und 14 war ich als Erasmus-Student in Essen. Da habe ich angefangen, Deutsch zu lernen. Als ich in Essen war, habe ich beschlossen, meinen Master in Deutschland zu machen. Ich habe noch ein Jahr als Türkischlehrer in der Türkei gearbeitet und nebenbei mein Deutsch verbessert. Danach habe ich mich an deutschen Universitäten beworben und mache nun einen Master hier in Bielefeld in Linguistik: Kommunikation, Kognition und Sprachtechnologie. Die Stadt kannte ich vor meiner Bewerbung nicht, wusste aber, dass es eine kleine Stadt ist. Aus der Hektik, der Anstrengung, die man in einer Weltstadt täglich lebt, wollte ich weg.

Gibt es etwas aus deiner Gegend/deinem Land, was du hier vermisst? Und/oder etwas, was du hier in Bielefeld schön findest?

Das Meer vermisse ich sehr. Meine Familie und Istanbul mit seinem Wetter, seinem Essen.

Bielefeld ist eine Unistadt, eine kleine Stadt - und trotzdem hat man viele Möglichkeiten in allen Lebensbereichen. Ob Kultur, Freizeit, Uni, Natur ... überall gibt es viele Angebote. Das Verkehrsnetz ist phantastisch ausgebaut, man kommt auf viele Arten und Weisen schnell überall hin. Und an der Uni erlebe ich, wie interessant interdisziplinäre Begegnungen sind.

Hast du immer unterrichtet? Wenn nicht, was hast du vorher gemacht?

Ich unterrichte seit 2015 Türkisch. Davor habe ich Praktika gemacht. Zum Beispiel am Junus Emre-Institut. Das ist das türkische Äquivalent zum Goethe-Institut.

Kannst du uns eine Anekdote über deine (ehemaligen) Studenten erzählen? Es kann etwas Lustiges oder leicht Peinliches sein, das jedem von uns passieren kann.

Das Türkische besitzt zum Beispiel viele arabische Lehnwörter. Als ich Flüchtlinge in der Türkei unterrichtet habe, benutzte ich Lehnwörter aus dem Arabischen im Türkischen, die aber einen Bedeutungswandel erfahren haben. Das hat zu lustigen Missverständnissen geführt. Das Wort medrese, zum Beispiel, hatte ich als Bezeichnung für die Universität benutzt. Im Arabischen heißt das aber heute einfach nur Schule. Für die Uni gibt es ein anderes Wort. Anstatt also zu fragen: "Willst du später an die Uni gehen?", ist das bei den Teilnehmern angekommen als: "Willst du mal zur Schule gehen?"
Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Eliana Mastrantuono

Veröffentlicht am 3. Mai 2018
Nach einem Interview-Leitfaden von Miriam Goupille

Liebe Eliana, woher kommst du genau?

Ich komme aus Mailand. Wirklich mitten aus Mailand. Das von Mal zu Mal schöner wird, wann immer ich hinreise. Wir hatten vor einigen Jahren die Expo da, und man hat viel Geld in die Stadt investiert. Milano ist grün, es gibt viele Parks, trotz allem, was so geredet wird. Auch wenn es eine große Stadt ist, ist man schnell in der Natur.

Wie bist du nach Bielefeld gekommen?

Am  Anfang, es war vor zwei Jahren, war ich während meiner Doktorarbeit zu einem Besuch am CITEC. Ich habe in Spanien promoviert: Über Sprache und Perzeption von gehörlosen Jugendlichen. Bei diesem ersten Besuch in Bielefeld hatte ich eine schicksalhafte Begegnung. Ich habe nämlich meinen jetzigen Partner kennengelernt. Einen Italiener, der in Bielefeld lebt.

Gibt es etwas aus deiner Gegend/deinem Land, was du hier vermisst? Und/oder etwas, was du hier in Bielefeld schön findest?

Mir fehlt vieles aus Italien. Seit mehr als sechs Jahren lebe ich nicht mehr dort, und vor allem fehlt mir die Art und Weise, wie man dort zusammen mit Freunden lebt. Vielleicht liegt es nur an der gemeinsamen Muttersprache. Vielleicht aber auch nicht. Es scheint mir dort viel einfacher zu sein, mit anderen Menschen in einen vertrauten Kontakt zu kommen. Außer in Italien und Deutschland habe ich länger in England und Spanien gelebt. In Spanien ist man sofort sehr informell, aber es kommt nach meiner Erfahrung nicht zu intensiven, wirklich vertrauten Kontakten. In England war es das Gegenteil. Sehr formal alles am Anfang, aber dann entstehen tiefe Freundschaften. Mit den Deutschen habe ich noch nicht so viele Erfahrungen gemacht. Es ist ein gutes Jahr, dass ich hier lebe, und ich habe mich zuerst in meine neue Beziehung finden müssen, die beruflichen Angelegenheiten regeln, die Sprache lernen. Ich brauche noch Zeit und habe noch kein rechtes Bild von den Deutschen.

In Bielefeld gefällt mir, dass es so eingetaucht ins Grüne ist. Außerdem scheint mir hier alles in geordneten Bahnen zu verlaufen. Aber, wie gesagt, noch habe ich wenige Erfahrungen gesammelt.

Hast du immer unterrichtet? Wenn nicht, was hast du vorher gemacht?

In den letzten Jahren habe ich mich mehr der Forschung gewidmet. Davor aber habe ich Gehörlose unterrichtet, Italienischunterricht gegeben und auch Philosophie gelehrt. In der Philosophie habe ich mich mit Sprachphilosophie beschäftigt und mich auf Gebärdensprache spezialisiert.

Kannst du uns eine Anekdote über deine (ehemaligen) Studenten erzählen? Es kann etwas Lustiges oder leicht Peinliches sein, das jedem von uns passieren kann.

Mit fällt gerade der Unterricht mit den Gehörlosen ein, und was mir in den Sinn kommt, ist gar nicht anekdotisch. Es sind doch oft sehr schwere Situationen. Ich denke an einen Jungen, der 15 war, als ich anfing, ihn für zwei Jahre zu unterrichten. Als Kind hörender Eltern hatte er gar keine Sprache gelernt, auch keine Gebärdensprache. Es fiel ihm so schwer, Gesten zu erinnern, und die Sprachlosigkeit brachte ihn in eine so traurige Isolation... Ich muss wirklich  nach etwas Komischem in meiner Erinnerung kramen.

Da fällt mir ein lustiger "Kulturschock" ein. Mit chinesischsprachigen Studenten hatten wir nach dem Unterricht einen chinesischen Restaurantbesuch geplant und davor einen italienischen Aperitiv. Die Studenten hatten das beste chinesische Lokal ausgesucht, ich die beste Mailänder Enothek. Nachdem wir einige erlesene und sündhaft teure Weine gekostet hatten, führten die Studenten mich in das Restaurant und wählten für mich aus, was an lukullischen Highlights auf keinen Fall zu verpassen war. Es startete mit dem Getränk. Ein ganz exquisiter Soja-Drink!

Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Marie Farge

Veröffentlicht am 5. April 2018

Nach einem Interview-Leitfaden von Myriam Goupille

Liebe Marie, woher kommst du genau?
Geboren bin ich an der Elfenbeinküste. Aber eigentlich komme ich aus Frankreich, denn ich war etwa eineinhalb, als ich die Elfenbeinküste verließ. Meine Eltern leben in einer kleinen Stadt mit Namen Chateauroux, in der ich aufgewachsen bin bis zum Abitur. Mit 17 bin ich dann zum Studium nach Limoges, wo ich zwei Jahre lang Wirtschaft studiert habe. Die nächste Station mit 19 war Spanien  Ein Jahr lang habe ich als Erasmus-Studentin in Valencia gelebt. Nach der wundervollen Erasmus-Erfahrung bin ich zum weiteren Studium nach Orleans, wo ich meine Licence in Wirtschaft und Sprachen (Englisch und Spanisch) bekommen habe. Die Licence ist der französische Name für den Bachelor.

Wie bist du nach Bielefeld gekommen?
Durch meinen Mann. Eine Bielefelder Firma hatte ihn angeworben. Er hat mich gefragt: Würdest du mitkommen? Ich habe 'Ja' gesagt. Ohne jede Deutschkenntnis. 2011 sind wir hier angekommen, und ich habe erst einmal Deutsch gelernt. Sowohl in einer Sprachschule als auch als Kellnerin in einem Café. Das kann ich jedem nur empfehlen, der eine Sprache lernen will. Geh ins Land, mach einen Sprachkurs und such dir parallel eine Arbeit mit Kollegen- und Publikumskontakt! Wenn es irgend geht.

Gibt es etwas aus deiner Gegend/deinem Land, was du hier vermisst? Und/oder etwas, was du hier in Bielefeld schön findest?
Oh ja. Gastronomisch zum Beispiel vermisse ich die wunderbaren pâtes aus Frankreich, die saucisson, eine getrocknete französische Salami, die ich so lecker finde. Ich bin der herzhafte Typ, und man sieht, das Essen steht an erster Stelle…
Durch die neuen Technologien vermisse ich Frankreich ansonsten nicht so sehr. Der einfache Zugang zu den audiovisuellen Medien erlaubt mir eine tägliche Verbindung mit dem Land. Manchmal vermisse ich allerdigs ein bisschen Chaos. Es ist doch alles sehr reglementiert und geordnet in Deutschland. Chaos entsteht durch Spontaneität, und das bedeutet, dass jederzeit etwas Überraschendes passieren kann. Hier in Bielefeld läuft alles gleichmäßig und vorhersehbar ab. Das beruhigt, und man fühlt sich vor bösen Überraschungen geschützt. Allerdings gibt es auch die schönen nicht oder sehr selten.
In Bielefeld schätze ich das Praktische. Auch die Sicherheit der Stadt, insbesondere für mich als Frau. In Frankreich liegt mehr Verführung in der Luft, die zuweilen in Aggression oder Belästigung übergeht. Hier in Bielefeld fühle ich mich freier als Frau. Ich muss nicht ständig eine Hab-Acht-Haltung haben. Ich glaube auch, dass die Leute einen anderen Blick auf den Körper haben. Nacktheit zum Beispiel ist etwas Selbstverständliches. Nackte Kinder im Freibad etwa oder im Park hielte ich in Frankreich für undenkbar. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Franzosen ständig andere Leute beurteilen. Der ist so und die so. Und wie sieht das denn aus! Und das kann man doch nicht tun oder tragen und dies. Auch ich war ein bisschen so. Jetzt finde ich das nicht mehr relevant. Ein Beispiel: In Frankreich fragen mich Leute häufig, ob sie meine Haare anfassen dürfen. Das passiert in Bielefeld wirklich selten.

Hast du immer unterrichtet? Wenn nicht, was hast du vorher gemacht?
In Frankreich habe ich etwa zwei Jahre lang Immobilien verwaltet. Danach war ich in Bielefeld und habe nach dem erwähnten Spracherwerb eine Ausbildung als Visagistin in Berlin gemacht. Bin ein bisschen hier und dort gewesen mit meiner Arbeit. Dann kam meine Tochter, und ich brauchte eine Tätigkeit mit Planungssicherheit. Damit fing meine Arbeit als Sprachlehrerin an. Zunächst mit Privatschülern. Dann weitete sich das aus auf alle möglichen Sektoren des Sprachunterrichts.

Kannst du uns eine Anekdote über deine (ehemaligen) Studenten erzählen? Es kann etwas Lustiges oder leicht Peinliches sein, das jedem von uns passieren kann.
Mir fällt eine Nettigkeit aus einer Gruppe an der Volkshochschule ein. Unser Thema war La Vallée de la Loire. Wir haben über die dortige Spezialität der Tarte Tatin, einen Apfelkuchen, gesprochen. Zwei Schwestern hatten einmal ein Restaurant - in Lamotte-Beuvron, glaube ich. Eine war in der Küche, die andere im Service. Eines Tages war es so voll und stressig, dass die Köchin den Teig vergessen hat beim Apfelkuchen. Sie holte die Tarte aus dem Backofen - sieht mit Schrecken, dass der Teig noch draußen steht, legt ihn auf die gebratenen Äpfel und schiebt alles noch einmal in den Ofen. So entstand ein neues Rezept, das zur lokalen Spezialität geworden ist.
Die Überraschung: In der nächsten Woche brachte eine Studentin eine selbst gebackene Tarte Tatin mit. Das hat mich sehr berührt und gefreut. Der Unterricht ist ins Leben übergegangen.

Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Matteo Tasso

Veröffentlicht am 5. Februar 2018

Nach einem Interview-Leitfaden von Myriam Goupille

Lieber Matteo, woher kommst du genau?Matteo Tasso
Ich komme aus Asti, einer piemontesischen Stadt in der Nähe von Turin. Die Stadt, die jeder kennt. Denn jeder kennt Asti Spumante. Und viele kennen auch Paolo Conte. Der kommt auch aus Asti. Noch genauer gesagt komme ich aus Cocconato, einem Dorf mit 1.500 Einwohnern, das etwa 30 km von Asti entfernt liegt. Für meine Mutter war es immer schwierig, uns drei Jungs zu unterschiedlichen Uhrzeiten zum Gymnasium nach Asti und zurück zu bringen. Am Nachmittag dann jeden zu seinen Sportveranstaltungen. Als ich sechzehn war, sind wir deshalb nach Asti gezogen. Und seit sechs Jahren gibt’s zu den drei Jungs auch noch ein Mädchen.

Wie bist du nach Bielefeld gekommen?
Zum ersten Mal bin ich 2015 in Bielefeld gewesen. Im September. Im Rahmen eines universitären Projektes zwischen Bielefeld und Turin. Damals war ich für einen Monat Gast in einer Bielefelder Familie, zu der ich immer noch den allerbesten Kontakt pflege. Die Universität und die Leute in Bielefeld haben mir so gut gefallen, dass ich ein Jahr später als Erasmusstudent zurückgekommen bin. In diesem Jahr habe ich meine Lebenspläne geändert. Meinen italienischen Masterstudiengang in Übersetzungswissenschaft mit den Fremdsprachen Deutsch und Englisch habe ich nicht beendet und bin auf Deutsch als Fremdsprache umgesattelt.

Gibt es etwas aus deiner Gegend/deinem Land, was du hier vermisst? Und/Oder etwas, was du hier in Bielefeld schön findest?
Das erste, was mir fehlt, sind die Menschen. Meine Familie, meine Freunde in Italien. Alte Freunde, die ich kenne, solange ich lebe, und andere, mit denen ich meine Jugendzeit verbracht habe. Ich will diese Kontakte nicht verlieren.
Das zweite, das mir fehlt, ist definitiv das Essen. Die Qualität der italienischen Produkte, unsere Mozzarella, unsere Schinken, Tomaten, frisches  Gemüse. Hier in Deutschland muss ich auf vieles verzichten, vor allem auf Qualität. Der Unterschied ist schon sehr deutlich. Anfangs war das ziemlich frustrierend. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden und erwarte nichts mehr. Ich passe mich den Gegebenheiten halt an.
Das nächste ist das Wetter. Der Sonnenmangel deprimiert mich spürbar, und ich muss Vitamin-D zu mir nehmen, sonst werde ich hier zum Trauerkloß.
Was mir dagegen in Bielefeld gefällt ist, dass es eine Universitätsstadt und gleichzeitig klein ist und eine gute verkehrstechnische Infrastruktur hat. Die Wege sind so kurz, mein Leben wird dadurch länger! Ich habe hier einfach mehr Lebenszeit. Außerdem komme ich, wie schon gesagt, sehr gut mit den Menschen hier klar. Ich finde sie hilfsbereit und vertrauenswürdig. Hier gilt ein Wort, nicht nur das von Freunden. Ich kann mich auf die Menschen hier verlassen. Das bedeutet mir sehr viel. Im Mai bin ich etwa vom Rad gefallen und habe mir einen Arm gebrochen. Ich musste operiert werden. Eine unglückliche Situation allein im Ausland. Ich war auf Hilfe jeder Art angewiesen: Behördenkommunikation, Hilfe im Alltag. Da habe ich gesehen, dass ich den Leuten hier nicht gleichgültig bin und in der Not auf sie zählen kann. So viele haben mir geholfen…

Hast du immer unterrichtet? Wenn nicht, was hast du vorher gemacht?
Vor etwa einem Jahr habe ich angefangen, als Deutschlehrer zu arbeiten und DAF zu studieren. Davor habe ich, wie schon gesagt, Übersetzungswissenschaft studiert. Sprachen haben mir immer sehr gut gefallen. Hier in Bielefeld gibt es jedoch keine Übersetzungswissenschaft, und ich wollte hier bleiben. Außerdem erscheint mir eine didaktische Ausbildung mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Deshalb die Entscheidung für einen Masterstudiengang in DaF. Ich erkenne in meiner Lehrpraxis immer wieder, wie sehr ich von dieser Ausbildung profitiere. Der Sprachunterricht ist eine Profession mit sehr komplexen Anforderungen. Und man kann jede Menge falsch machen. Mit dem eigenen Unterrichten habe ich zum ersten Mal erlebt, wie ich Studieninhalte unmittelbar umsetzen kann – und wie sehr das Studium mich für die Lehraufgabe qualifiziert. Gerade fällt mir ein, welche Einsichten mir ein Seminar über Fehlerkorrektur vermittelt hat. Wie radikal ich meinen Unterricht daraufhin umgestellt habe. Mit sichtbarem Erfolg!

Kannst du uns eine Anekdote über deine (ehemaligen) Studenten erzählen? Es kann etwas Lustiges oder leicht Peinliches sein, das jedem von uns passieren kann.
Eine lustige Geschichte fällt mir ein, als ich an einer Sprachschule unterrichtete und wir die Datumsangaben übten. Ein reiferes Ehepaar war dabei, und er sollte das Datum ihrer Hochzeit nennen. Es kam einfach nicht aus ihm heraus, und ich dachte schon, oh weh, das wird schwierig mit ihm. Ist ja auch schon etwas älter… Dann stellte sich aber heraus, dass er schlicht und einfach das Datum vergessen hatte. Ihre Reaktion kannst du dir vorstellen! Ich möchte nicht wissen, was am Abend zu Hause bei den beiden losgewesen ist…

Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt James Watson

Veröffentlicht am 29. Januar 2018
Wer ist eigentlich - James Watson? - Ein Lehrerporträt[Weiterlesen]
Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt - Nilgün Yüce

Veröffentlicht am 29. November 2016
Porträt einer Koordinatorin des Fachsprachenzentrum[Weiterlesen]
Gesendet von FNasry in Porträts

Porträt Lukas Gawor

Veröffentlicht am 26. Oktober 2016

Nach einem Interviewleitfaden von Miriam Goupille

Lieber Lukas, woher kommst du genau?

Dies ist ein wenig kompliziert. Ich bin Spätaussiedler aus Polen und wurde in Beuthen (Bytom) geboren. Dort habe ich bis 1989 gelebt und zog dann mit meiner Familie nach Deutschland. Aufgewachsen bin ich in Herford, und nach meinem Abitur ging ich für 10 Jahre nach Bonn. Zunächst habe ich an der Universität Bonn die Fächer Regionalwissenschaft Japan und Soziologie studiert und anschließend dort in verschiedenen Kontexten, sowohl wissenschaftlich als auch nicht-wissenschaftlich, gearbeitet. In diesem Zeitraum war ich auch zweimal für längere Zeit in Japan.

Wie kamst du nach Bielefeld?

Im Anschluss an einen Forschungsaufenthalt an der Tsukuba Universität habe ich nach einer neuen Arbeit gesucht und mich auf eine Stelle im Career Service der Universität Bielefeld beworben. Nach sehr langer Zeit und vielen Reisen bin ich also wieder zurück nach OWL gekommen.

Gibt es etwas aus deiner Gegend/deinem Land, was du hier vermisst? Und/Oder etwas, was du hier in Bielefeld schön findest?

Es ist wirklich schwierig zu sagen, was „mein Land“ eigentlich ist. Da ich drei unterschiedliche Kulturkreise kennen gelernt habe (Polen, Deutschland, Japan), bin ich jedes Mal wieder „neu angekommen“. Wenn ich beschreiben müsste, was ich vermisse, so ist dies vielleicht die enorme Sicherheit im japanischen Alltag. Was mir in Deutschland sehr gut gefällt, ist, dass man auf ein unglaublich großes Angebot an Fortbildungsmöglichkeiten zurückgreifen kann. Es ist einfach bemerkenswert, welche Förderprogramme und Institutionen existieren, die einen auf dem Weg der Weiterqualifizierung unterstützen. An der Universität Bielefeld gefällt mir besonders gut, dass sich so viele unterschiedliche Ansichten, Religionen und politische Strömungen in einem friedlichen Dialog austauschen können und dies enorm von der Hochschulleitung unterstützt wird.

Hast du immer unterrichtet? Wenn nicht, was hast du vorher gemacht?

Ich habe stets in irgendeiner Form unterrichtet: Sei es als Nachhilfelehrer für Schüler/-innen oder als Karatetrainer in meinem alten Verein. Die Liste der anderen Jobs würde hier sehr lang werden.

Kannst du uns eine Anekdote über deine (ehemaligen) Studenten erzählen? Es kann etwas Lustiges oder leicht Peinliches sein, das jedem von uns passieren kann.

Ein Student hatte eine Phrase aus einem japanischen Zeichentrickfilm (Anime) aufgegriffen und wollte sie unbedingt in sein normales Sprachrepertoire einbauen. Ich musste ihm dann erklären, dass Japanerinnen und Japaner sich in der Alltagssprache so nicht unterhalten. Außer sie hätten Superkräfte, wie Zeichentrickhelden.

Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Heye Voss

Veröffentlicht am 13. Oktober 2016

Nach einem Interviewleitfaden von Miriam Goupille

Woher kommst Du genau?

Ich komme aus dem kleinen Hafen-Städtchen Emden, aus Ost-Friesland.

Wie kamst Du nach Bielefeld?

Ich habe nicht direkt in Bielefeld angefangen zu studieren, aber es wurde mir mehrfach empfohlen, dass ich, wenn ich hier Erziehungswissenschaft studieren könne, diese Chance ergreifen solle. Und in der Tat habe ich meine Entscheidung nie bereut.

Gibt es etwas aus Deiner Gegend, das Du hier vermisst und etwas, das Du hier in Bielefeld schön findest?

Ehrlich gesagt, vermisse ich nichts so wirklich, da ich hier viele neue Menschen und Möglichkeiten kennengelernt habe. Kultur und Internationalität wird hier insgesamt doch etwas größer geschrieben als in kleineren Städten Deutschlands.

Wie lange arbeitest du für das FSZ und was sind deine Aufgaben?

Ich arbeite jetzt seit Anfang 2015 im FSZ. Zusammen mit meinem IT-Kollegen Fazel kümmere ich mich um die Instandhaltung und Konfiguration aller technischen Geräte wie Computer, Drucker, Tablets, etc. Hinzu kommen u.a. noch Aufgaben wie Webdesign und Account-Management.

Kannst du uns eine Anekdote oder eine lustige Erinnerung/ein besonderes Ereignis aus dem FSZ erzählen?

Ich habe zurzeit leider keine lustigen Anekdoten zu erzählen, aber ich bin insgesamt sehr froh, hier im FSZ sehr nette und kompetente KollegInnen aus aller Welt gefunden zu haben. Dadurch ergibt sich ein ebenso freundliches wie produktives Arbeitsklima, was mir hier besonders gut gefällt.

Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Lukas Gawor

Veröffentlicht am 19. Juli 2016

Porträt  Lukas Gawor

Lieber Lukas, woher kommst du genau?

Dies ist ein wenig kompliziert. Ich bin Spätaussiedler aus Polen und wurde in Beuthen (Bytom) geboren. Dort habe ich bis 1989 gelebt und zog dann mit meiner Familie nach Deutschland. Aufgewachsen bin ich in Herford, und nach meinem Abitur ging ich für 10 Jahre nach Bonn. Zunächst habe ich an der Universität Bonn die Fächer Regionalwissenschaft Japan und Soziologie studiert und anschließend dort in verschiedenen Kontexten, sowohl wissenschaftlich als auch nicht-wissenschaftlich, gearbeitet. In diesem Zeitraum war ich auch zweimal für längere Zeit in Japan.

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Gesendet von FNasry in Porträts

Porträt Hélene Rabita

Veröffentlicht am 24. Juni 2016
Porträt einer Lehrkraft des Fachsprachenzentrums[Weiterlesen]
Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Alain Houdus

Veröffentlicht am 7. Juli 2015
Wer ist eigentlich Alain Houdus?[Weiterlesen]
Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt Agata Kotowska

Veröffentlicht am 5. Februar 2015
Interview mit Agata Kotowsk, Polnischlehrerin.[Weiterlesen]
Gesendet von SHecht in Porträts

Porträt - Julien Verrière

Veröffentlicht am 16. Dezember 2014
Porträt von Julien Verrière[Weiterlesen]
Gesendet von FNasry in Porträts

Porträt Georgina Willms

Veröffentlicht am 22. Oktober 2014
Die Mitarbeiterin Georgina Willms stellt sich dem Interview von Nora Krömer nach einem Leitfaden von Miriam Goupille.[Weiterlesen]
Gesendet von FNasry in Porträts

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