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Praktiker*innen im Gespräch #15

Veröffentlicht am 11. Dezember 2020, 14:48 Uhr

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 15

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Christian Möller hat mit uns über seine Tätigkeit“ als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“ gesprochen.


Christian Möller (Erster von rechts) bei der „Parlamentsnacht“ des Landtags NRW im September 2019 © Sara-Marie Demiriz

Christian, Du hat 2018 an der BGHS promoviert und arbeitest jetzt für die Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie ist Dir der Einstieg gelungen?

Christian Möller: Also, ich hatte nach der Doktorarbeit eine Stelle, die einige Monate über den Zeitpunkt meiner Disputation hinausreichte. Ich habe mich dann nach der Disputation recht breit aufgestellt: Auf der einen Seite habe ich eine Skizze für ein Postdoc-Projekt entwickelt und nach Stipendien beziehungsweise Stellen an Graduiertenkollegs gesucht. Auf der anderen Seite war es so: Meine Frau und ich haben in der Zeit, in der ich an meiner Dissertation geschrieben habe, zwei Kinder bekommen. Und ich habe von vornherein gesagt: Jetzt nur auf die Karriere an der Uni zu setzen, wäre falsch. Deshalb habe ich auch zum Beispiel auf dem „Stellenmarkt NRW“ nach Anzeigen gesucht. Dort sind nicht nur Stellen an Universitäten, sondern im öffentlichen Dienst insgesamt ausgeschrieben. So bin ich auf eine Ausschreibung des Landtags aufmerksam geworden: Dort gab es eine Planungsgruppe „Geschichte, Politik und Demokratie Nordrhein-Westfalens“, die den Auftrag hatte, ein „Haus der Geschichte“ auf den Weg zu bringen. Das hat mich interessiert, weil die Stelle in meinem Arbeitsbereich liegt: Zeitgeschichte nach 1945. Dort habe ich mich beworben, bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden – und brauchte dann allerdings einen langen Atem. Ich habe mich kurz nach meiner Disputation im Juli 2018 beworben und habe im Juni 2019 angefangen, im Landtag zu arbeiten.

Wo arbeitest Du jetzt außerhalb der Uni?

Christian Möller: Ich habe zunächst im Landtag gearbeitet und arbeite jetzt für die Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“, die per Gesetz vom 19.12.2019 gegründet wurde und sich im Frühjahr 2020 konstituiert hat. Wir haben den Auftrag, zum einen für das kommende Jahr eine Jubiläumsausstellung zu gestalten, zum Thema: 75 Jahre Geschichte Nordrhein-Westfalen. Und dann, darüber hinaus, eine Dauerausstellung zu konzipieren und aufzubauen, mit einer Sammlung für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Vergleichbar mit dem „Haus der Geschichte“ in Bonn.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere in Deinem Beruf interessieren?

Christian Möller : Ich bin in die Museumsarbeit reingerutscht, ohne dieses Tätigkeitsfeld anzupeilen und ohne auf dem Weg dorthin ein Volontariat zu machen. Ich bin eine Ausnahme, und das hängt damit zusammen, dass das Haus der Geschichte NRW als Museum und Forschungsinstitut geplant ist. Wer das Ziel verfolgt, im Museum zu arbeiten, sollte aber ein Volontariat machen. Allgemein würde ich noch einen Tipp geben wollen, der durchaus im Widerspruch steht zum Ziel, ein Promotionsprojekt in drei Jahren abzuschließen: Auf der einen Seite macht es natürlich Sinn, im Verlaufe einer Dissertation das eigene Thema konsequent zu verfolgen und das Dissertationsprojekt zügig abzuschließen. Auf der anderen Seite können Nebentätigkeiten – auch Tätigkeiten, die mit dem eigenen Dissertationsthema nichts zu tun haben – Erfahrungen mit sich bringen, die sich später als hochrelevant herausstellen. Ich habe zum Beispiel freiberuflich die Vereinsgeschichte des Roten Kreuzes in Halle/Westfalen aufgearbeitet. Bei der Bewerbung um meine aktuelle Stelle war das ein wichtiges Detail, um zu zeigen, dass ich mich mit der Lokalgeschichte in Nordrhein-Westfalen beschäftigt habe. Bei einer Entscheidung, das eigene Dissertationsprojekt konsequent und zügig zu Ende zu bringen, oder eine Nebentätigkeit aufzunehmen, die mich „breiter aufstellt“, würde ich die Nebentätigkeit empfehlen.

Christian, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

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Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

Gesendet von NMartins in Allgemein
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