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Interview zum Dissertationspreis

Veröffentlicht am 6. Februar 2019, 15:46 Uhr

Links: Clemens Eisenmann. Foto: Oliver Wiegner,
Rechts: Zoltán Boldizsár Simon. Foto: Thomas Abel

Herausragende Arbeiten: Die BGHS gratuliert zum Dissertationspreis

Am 24.01. zeichnete die Universitätsgesellschaft die besten Doktorarbeiten der Universität Bielefeld in 2018 aus. Unter den Preisträger*innen sind zwei Alumni der BGHS, Clemens Eisenmann (Fakultät für Soziologie) und Zoltán Boldizsár Simon (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie).

Wozu haben die beiden in ihren Projekten geforscht, wie war der Prozess dahinter und was bedeutet es, diese Auszeichnung zu bekommen? Wir haben Clemens und Zoltan zu ihren Dissertationen befragt:

Wie würdest du das Thema deiner Dissertation in einem Satz beschreiben?

CE: In meiner Dissertation habe ich Spiritualität im Yoga als eine soziale Praxis erforscht.

ZBS: Es geht um eine neuartige Weise, wie wir uns und die Welt heutzutage als historisch begreifen – dafür habe ich das Konzept des unprecedented change entwickelt.

Was bedeutet das genau?

CE: Spiritualität wird meist als etwas höchst Innerliches und Subjektives wahrgenommen. Dagegen fragt dieses Buch nach der sozialen Praxis von Spiritualität. Es bietet erstmals eine umfassende ethnographische Analyse der Yogapraxis und zeigt Innerlichkeit in Körperübungen, Yogaphilosophie und Ritualen als eine beobachtbare soziale Tätigkeit. Es ist ein Beitrag zur Religions- und Körpersoziologie, zur qualitativen Methodenentwicklung sowie zu grundlegenden Fragen der Sozialtheorie.

ZBS: Ich erforsche die Transformation unserer allumfassenden „historischen Sensibilität“, die fortlaufend seit der Mitte des letzten Jahrhunderts stattfindet. Dies ist der Fall seit westliche Gesellschaften sich selbst darin begreifen, bis dahin unvorstellbaren Veränderungen in technologischer und ökologischer Sphäre zu begegnen, die Produkt angestiegener menschlicher Handlungsfähigkeiten sind.

Wie ist es für dich, den Dissertationspreis bekommen zu haben?

CE: Ich habe mich riesig gefreut. Wenn man viele Jahre an einem Thema arbeitet sind Formen der Anerkennung manchmal eher spärlich gesät und umso größer dann die Freude, auch darüber, dass sich andere für dieses Forschungsthema interessieren.

ZBS: Auch für mich war es eine Freude. Jetzt blicke ich der Publikation meines Buches entgegen, das im Juni bei Bloomsbury erscheinen wird.

Wie war die Veranstaltung für dich?

CE: Die Preisverleihung mit den Interviews zu unterschiedlichsten Forschungsfeldern war für mich eine sehr inspirierende Veranstaltung und ganz im Sinne des "Zentrums für interdisziplinäre Forschung". Auch die musikalische Begleitung und Gespräche im Anschluss waren mir eine große Freude.

Wenn ja, wie hat dir die BGHS dabei geholfen, dein Dissertationsprojekt umzusetzen?

ZBS: Ich habe definitiv davon profitiert, Teil der BGHS zu sein. Als ich 2013 den Projektvorschlag für die BGHS zusammengeschrieben habe, plante ich noch, eher theoretische Fragen in Bezug auf Geschichte, verstanden als Geschichtsschreibung, zu fokussieren. Ich war mir dessen bewusst, dass die konzeptuelle Arbeit, die ich durchführen wollte, es erlauben würde, über Geschichte im Sinne eines historischen Prozesses zu sprechen, aber ich war mir nicht sicher, ob ich das Wagnis würde eingehen wollen. Die Strukturen der BGHS ermöglichten es mir, an zahlreichen Konferenzen teilzunehmen, bei denen ich die Kernideen meines Projekts in Form bringen konnte. Genauso gut, wie interne Diskussionen innerhalb der BGHS und der Fakultät dabei hilfreich waren.

Das Ergebnis war ein Buch, das – anders als der ursprüngliche Projektvorschlag – gleichermaßen Fragen eines historischen und historiographischen Wandels beachtet, indem ein umfassendes Konzept von veränderten historischen Bedingungen westlicher Gesellschaft erarbeitet wurde.

CE: Die interdisziplinäre BGHS hat mir einen idealen Rahmen für meine Forschung geboten. Es war, wie auch während meiner Tätigkeit an der Fakultät für Soziologie, eine stets offene und herzliche Atmosphäre, welche überaus spannenden Austausch mit Kolleg*Innen und Studierenden auch aus anderen Fachbereichen ermöglicht hat. Neben diesem Austausch und der finanziellen Unterstützung, waren es oft die "Kleinigkeiten", wie der technische Support, ein freundliches Wort oder die überaus hilfsbereite Unterstützung bei Verwaltungsangelegenheiten, die mir sehr geholfen haben das Projekt erfolgreich umzusetzen.

Kannst du anderen Promovierenden retrospektiv einen Tipp für ihre Arbeit geben?

CE: Das finde ich eine schwierige Frage. Jedes empirische Phänomen bedarf einer anderen Perspektivierung und vielleicht auch unterschiedlichen Forschungshaltungen und Forschungspersönlichkeiten. Dabei gibt es natürlich auch eine Reihe von Sackgassen, aber um manche „De-Tour“ bin ich letztlich nicht traurig, da diese zum Prozess wohl auch dazu gehören. Vielleicht ist ein guter Tipp, dass man sich hin- und wieder daran erinnert, dass auch ich niemanden kenne, dem die Dissertation leicht gefallen ist. Insbesondere in diesem Zusammenhang bin ich für die großartige Betreuung durch Bettina Heintz und Jörg Bergmann sehr dankbar.

Weitere Informationen:

Der offizielle Bericht der Uni Bielefeld:
Ausgezeichnet: Die besten Doktorarbeiten aus 2018

Buch von Zoltán Boldizsár Simon:
History in Times of Unprecedented Change

Das Buch von Clemens Eisenmann erscheint 2019 in der Reihe
"Qualitative Soziologie" bei De Gruyter:
"Alles ist Yoga!" Die spirituelle Konstruktion von Wirklichkeit

Beitrag über den BGHS-Preisträger Marius Meinhof:
Dissertationspreis für Marius Meinhof

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein
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