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BGHS.AKTUELL

Praktiker*innen im Gespräch #6

Veröffentlicht am 23. Juni 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 6

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Jette Prochnow-Furrer hat mit uns über ihre Tätigkeit im „Forum Migration“ gesprochen.


Jette als Doctoral Representative bei der Eröffnungsfeier der BGHS.

Jette, Du hast 2013 an der BGHS promoviert und arbeitest jetzt als DAF-Lehrerin in Visp. Im wunderschönen Kanton Wallis. Wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Jette Prochnow-Furrer: Den habe ich durch das Ehrenamt gefunden. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, wie sie damals genannt wurde, habe ich noch an der Uni gearbeitet. 2015 wurden auch hier in der Schweiz händeringend Leute gesucht, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten. Ganz besonders für den Bereich der Analphabet*innen. Weil man da in Kleingruppen arbeiten muss. Und ich habe ungelernt auf diesem Gebiet angefangen. Es wurde eine Freiwillige gesucht, die einer Lehrerin in einer Alphabetisierungsklasse assistieren sollte. So bin ich da reingerutscht. Für uns als Ehrenamtliche wurden dann Weiterbildungen angeboten. Und über diese Weiterbildungen habe ich mich immer mehr in diesem Bereich qualifiziert. Obwohl ich da erstmal nur ehrenamtlich tätig war. Aber ich habe daran immer mehr Freude gefunden und bin dann irgendwann hauptamtlich eingestiegen.

Wo arbeitest Du jetzt außerhalb der Universität?

Jette Prochnow-Furrer: Die Institution heißt „Forum Migration“. Das ist ein relativ kleiner Verein, der sich um die Anliegen von Migrant*innen kümmert: sowohl von Arbeitsmigrant*innen als auch von Flüchtlingen. Das Forum Migration bietet unterschiedliche Dienstleistungen an: eine Rechtsberatung, Hilfe bei der Wohnungsvermittlung, Hilfe bei der Arbeitssuche, Gesprächsgruppen und eben auch Sprachkurse. Das Forum Migration hat vom Kanton das Mandat für die Durchführung von Sprach- und Integrationskursen.


Jette im Gespräch mit Sprachkursteilnehmer*innen in Visp

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere in Deinem Beruf interessieren?

Jette Prochnow-Furrer: Wenn man sich dafür interessiert, nach der Promotion die Wissenschaft zu verlassen, würde ich generell zum einen empfehlen: Dass man damit anfängt, Weiterbildungen zu machen. Ich habe noch in der Uni gearbeitet, als ich ehrenamtlich angefangen habe, als Sprachlehrerin zu arbeiten. Und habe außerhalb der Uni einen Kurs zur Erwachsenenbildung absolviert. Das war inhaltlich gar nicht so verschieden von Hochschuldidaktikkursen in der Uni. Aber ich habe in diesem Kurs Leute von meinem späteren Arbeitgeber kennengelernt. Und ich habe mein Erscheinungsbild ein bisschen erweitert: Damit konnte ich zeigen, dass mein Leben nicht nur im Elfenbeinturm verlaufen ist. In der Schweiz ist es nämlich ganz egal, ob Du Yoga in der Volkshochschule oder Wirtschaftsdeutsch in der Sprachschule unterrichtest: Du musst den „Erwachsenenbildner“ haben. Mein zweiter Tipp ist, beim Ausstieg aus der Wissenschaft nicht darüber nachzudenken: Dafür hab ich jetzt doch nicht meinen Doktor gemacht! Ich würde eher sagen: Je früher man die Initiative ergreift, aus der Wissenschaft rauszukommen, desto kleiner ist das Risiko, zum arbeitslosen fünfzigjährigen Akademiker zu werden. Ich habe während meiner Dissertation wahnsinnig Spaß an der Wissenschaft gehabt. Da hätte ich überhaupt nichts anderes machen wollen. Aber es gibt immer noch andere Sachen, die einem genauso viel Spaß machen können. So talentfrei sind wir Promovierten ja auch wieder nicht.

Jette, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

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Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

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Welcome Day Sommersemester 2020

Veröffentlicht am 22. Juni 2020

Welcome Day Sommersemester 2020

:: 6 neue Doktorand*innen an der BGHS ::

Am Freitag, den 19. Juni, fand an der BGHS der Welcome Day im Sommersemester 2020 statt. Aufgrund Corona konnte die Veranstaltung dieses Semester leider nicht im Seminarraum mit anschließender Kaffeepause in der Lounge stattfinden. Die sechs neuen Promovierenden, ausschließlich Historiker*innen, wurden von BGHS-Geschäftsführerin Dr. Sabine Schäfer per Videokonferenz begrüßt. Trotz der ungewöhnlichen Umstände wünschen wir allen einen schönen Anfang der Promotion an der BGHS.

Die Präsentation des Welcome Days ist hier zu finden:

Komplettversion als PDF

 

Neue BGHS Promovierende und ihre Forschungsprojekte:

  • Olga Sabelfeld: Semantiken des Vergleichens in Parlamenten: Sozialpolitik als Stabilitätsbestreben und Veränderungsproduktion
  • Lukas Schmidt: Geschichten über Deutschland. Wechselwirkungen zwischen Nationskonzeption, Narration und Identitätskonstruktion in Deutschlanderzählungen
  • Catharina Wessing: Kolonial-landwirtschaftlicher Wissenstransfer in der Weimarer Republik
  • Maximilian Kucknat: Im Bann des 'fremden' Blickes. Ein Vergleich der Fremd-, Feind- und Selbstbildkonstruktionen in den ost- und westdeutschen Wochenschauen während der 50er und 60er Jahre
  • Ioannis Stavroulias: Localizing the Anthropocene: A History of Skouries and Attica through Residues from 1950 to the Present
  • Itxaso García Chapinal: Other Knowledges: A Decolonial Analysis of the Wixárika environmental Knowledge and its Shift through the Public Primary School since 1980
Weitere Informationen zu den neuen Promovierenden an der BGHS und ihren Forschungsprojekten sowie zu allen Promovierenden unter:
http://www.uni-bielefeld.de/bghs/Personen/Promovierende/
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BGHS Working Paper Series 6/2020

Veröffentlicht am 8. Juni 2020

Miriam Kanne, ehemaliges Mitglieder der BGHS Geschäftsstelle, hat in der BGHS Working Paper Series den Artikel "Von der Internationalisierung zur Internationalität? Über das Spannungsverhältnis zwischen Hochschulstrategie, Alltagsrealität und den Erwartungshorizonten internationaler Nachwuchswissenschaftler*innen: Start-up scholars an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS)" veröffentlicht.

Im Zuge der Internationalisierungsbemühungen deutscher Hochschulen und des kritischen Diskurses, der um dieses Thema geführt wird, gewinnt die Frage an Bedeutung, wie die strategischen Planungen von ‚Internationalisierung‘ im akademischen Alltag all derer aufgehen, die maßgeblicher Gegenstand der ‚Internationalität‘ sind: Wie und wo finden Incomings ihren Platz an deutschen Universitäten – zumal, wenn sie den Schritt vom Master-Studium zur Promotion tun wollen? Die Einschätzungen, die im Folgenden ob dieser Fragen getroffen werden, basieren auf den Bewertungen internationaler Master-Absolvent*innen der Soziologie und Geschichtswissenschaften, die im Rahmen des Stipendien-Programms „Start-up scholarships“ vier Monate lang an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) der Universität Bielefeld zu Gast waren, um hier den Übergang in die Promotion zu gestalten. (Abstract des Artikels)

Weitere Informationen über die BGHS Working Paper Series: (Link)
Direkter Zugriff auf den Artikel: (Link)

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Meinungsfreiheit und Wissenschaft

Veröffentlicht am 8. Juni 2020

In einem Interview auf der Webseite der Universität Bielefeld, sprechen Prof. Dr. Detlef Sack und Prof. Dr. Ursula Mense-Petermann über die Frage, wie mit Studierenden, bzw. Promovierenden, umgegangen werden soll/kann, die gegebenenfalls menschenfeindliche Äußerungen öffentlicht propagieren.

An der Universität Bielefeld studieren und promovieren einzelne Personen, die Verschwörungstheorien nahe stehen, oder sich in rechtsextremen Parteien engagieren, welche völkische und rassistische Positionen propagieren. Das ist auch aktuell an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld der Fall: Dort wird eine Debatte geführt über einen eingeschriebenen Promovenden, der sich in einer rechtsextremen Partei politisch exponiert. Für einige Diskutant*innen steht dabei die Frage im Raum: Darf er an der Universität Bielefeld ohne weiteres weiter studieren und promovieren, oder sollte man ihn aus dem hochschulinternen Wissenschaftsbetrieb ausgrenzen? Wie reagieren die Fakultät für Soziologie und die Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS), in der der entsprechende Promovend sein strukturiertes Promotionsstudium durchläuft, auf diese Frage? Ein Interview mit Professor Dr. Detlef Sack, Dekan der Fakultät für Soziologie (FfS), und Professorin Dr. Ursula Mense-Petermann, Direktorin der BGHS.

Zum kompletten Interview geht es hier: (Link).
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