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BGHS.AKTUELL - Kategorie Allgemein

Let's talk! Praktiker*innen im Gespräch #1

Veröffentlicht am 16. Oktober 2019

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 1

Wir starten in das Wintersemester mit neuen Perspektiven von Praktiker*innen, die ebenfalls aus der Geschichtswissenschaft oder Soziologie sind. Die Spannweite ist dabei groß - von Verlagsarbeit über Kommunikationsdesign hin zu europäischer Gewerkschaftstätigkeit. Jeden Monat veröffentlichen wir ein neues Interview.

Unsere letzte Reihe, in der BGHS-Mitglieder davon berichten, in welchen Bereichen sie außerhalb der Uni tätig sind, könnt ihr hier nachlesen:

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Viel Spaß beim Lesen!

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Peter Scherrer hat mit uns über seine Tätigkeit als stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes gesprochen.

Herr Scherrer, Sie waren bis Mai 2019 stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB). Was waren die vielleicht drei wichtigsten Aufgaben für Sie?

Peter Scherrer: Die wichtigste Aufgabe ist es, die Position der Gewerkschaften in die europäische Gesetzgebung einzubringen. Das ist ganz zentral: Gerade vor der Europawahl im Sommer hat die Kommission noch einige Gesetzesinitiativen ergriffen, die sie unbedingt umsetzen wollte, bevor das Parlament auseinander ging. Da gab es mehrere Gesetzesinitiativen, die im Zusammenhang mit der sogenannten Europäischen Säule sozialer Rechte stehen. Die zweite Aufgabe ist, Positionen zu erarbeiten, die von allen EGB-Mitgliedsorganisationen getragen werden: European Trade Unions speak with one voice. Das ist nicht automatisch der Fall. Da gibt es große Meinungsunterschiede, was etwa Handelsfragen angeht: TTIP ist nicht nur auf Ablehnung gestoßen, zum Beispiel. Oder Unterschiede bei der Energiepolitik: Polnische Bergarbeiter sehen den Kohleverzicht anders als Beamte in Luxemburg.

Alle sind aber Mitglieder des EGB. Die drittwichtigste Aufgabe besteht darin, unsere Gewerkschaften zu unterstützen. Insbesondere die Mitgliedsverbände aus den Ländern, in denen es zum Beispiel keinen funktionierenden Sozialdialog gibt und die Gewerkschaften schwach sind. Im „Brüssel Speak“ heißt das capacity building: mitzuhelfen, dass Gewerkschaften und je nachdem auch Arbeitgeberverbände stark sind. Wir wollen auch Arbeitgeberverbände, die durchsetzungsfähig sind. Und wir haben Mitgliedsorganisationen auch außerhalb der EU, in den sogenannten Kandidatenländern, wie zum Beispiel in Serbien: Da gilt es, Gewerkschaften zu stärken, die zum Teil von den jeweiligen Regierungen nicht ernst genommen werden. Dort wird Wirtschafts- und Sozialpolitik an den Gewerkschaften vorbei gemacht.


Peter Scherrer bei einer Gewerkschaftsdemonstration.

Welches Wissen und welche Kompetenzen bringen Sie als Geschichtswissenschaftler bei dieser Arbeit ein?

Peter Scherrer: Da würde ich sagen: eine gute Allgemeinbildung. Aber, ich glaube, für die Arbeit, die ich da getan habe, hätte ich auch Politologe oder Soziologe sein können. Was einfach wichtig ist, ist das Handwerkszeug wissenschaftlichen Arbeitens: Dinge zu analysieren, zusammenfassen oder wiederzugeben. Ich hab in meinem Beruf immer relativ viel geschrieben und jetzt zum Beispiel ein Bändchen mit dem Titel „Jetzt für ein besseres Europa!“ mitherausgegeben, das beim europäischen Gewerkschaftsinstitut (EGI) erschienen ist. Ich muss sagen: Für mich selbst war das Studium der Geschichtswissenschaft immer ganz wichtig. Jetzt, wo ich aus dem unmittelbaren Büroalltag raus bin, stapeln sich auch schon wieder Bücher, die ich unbedingt lesen muss. Dazu hab ich Zeit, weil ich die Sommerpause dazu nutzen werde, um zu gucken, wie es beruflich weitergehen wird.

Welche Tipps haben Sie für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die in eine Karriere in Ihrem Beruf einsteigen?

Peter Scherrer:Zunächst: viel zu schreiben und auf sich aufmerksam zu machen. Also, wenn jemand zum Beispiel eine Abschlussarbeit zur Geschichte der Landwirtschaft schreibt: Landwirtschaft ist immer noch der größte Haushaltsposten in Brüssel und es gibt ganz viele Themen, die mit Landwirtschaft in Verbindung stehen. Da würde ich mir als Absolvent die Verbände und ihre Veröffentlichungen dazu angucken; ich würde recherchieren, was dazu im Parlament auf der Tagesordnung steht. Und dann würde ich gucken, wo frei zugängliche Veranstaltungen sind, mir eine vernünftige Visitenkarte machen, mit Leuten reden und mich auch initiativ bewerben. Wenn dann jemand bei einer Bewerbung sagen kann: Hier hab ich meine Schwerpunkte, dann finde ich das überzeugender, als jedes Detail zur Lebenserfahrung aufzupumpen.

Wenn sich jemand mit 26 Jahren, einem Masterabschluss und einer Riesenlatte an Erfahrung bewirbt, dann denke ich immer: Mein Gott, Du kannst doch einfach zugeben, dass das jetzt Deine erste Berufserfahrung ist. Aber dass Dir das Thema wichtig ist und dass Du Dich damit schon lange beschäftigt hast: Sowas überzeugt mich. Und dann hab ich noch den Tipp – ich hätte vor 35 Jahren auch nicht gedacht, dass ich sowas mal sagen würde: Gute Manieren werden immer gewürdigt!

Der Punkt ist notiert. Herr Scherrer, vielen Dank für das Gespräch.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

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Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Welcome Day WiSe 19/20

Veröffentlicht am 14. Oktober 2019

Welcome Day 19/20

:: 22 neue Doktorand*innen in der BGHS ::

Am Mittwoch, den 9. Oktober, fand an der BGHS der Welcome Day im Wintersemester 2019/20 statt. Ursula Mense-Petermann, Direktorin der BGHS, begrüßte die neuen Promovierenden. Anschließend informierten Sabine Schäfer, akademische Geschäftsführerin der BGHS und Bettina Brandt (Wissenschaftliche Geschäftsführung der Schule für Historische Forschung) über die BGHS, die Fakultät für Soziologie und die Abteilung Geschichtswissenschaft. Darüber hinaus stellten sich die Doctoral Representatives und der Koordinator des Projekts "Außeruniversitäre Karriere für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen" Ulf Ortmann vor. Beim anschließenden Coffee Break in der BGHS-Lounge konnten alle Teilnehmenden miteinander ins Gespräch kommen und sich kennenlernen.

Drei Beiträge gaben den Promovierenden nach der Pause als Starthilfe Wissen an die Hand für kommende Herausforderungen: Welche Möglichkeiten gibt es für Stipendien während der Promotion? Wie kann ich meinen Schreibprozess strukturieren? Und wie kann ich Auslandsaufenthalte in meine Arbeit integrieren?

Dafür bedanken wir uns bei dem Service Center for Young Researcher, dem Writing Centre und dem International Office für den wertvollen Input.

Links oben: Bettina Brandt; Mitte: Stefanie Haacke; rechts oben: Antonia Langhof. Photos: Hannah Grüneberg

Links: Sabine Schäfer; rechts: Karin Kruse. Photos: Hannah Grüneberg

Die neuen Promovierenden an der BGHS

22 neue Promovierende haben zum Wintersemester 2019/2020 an der BGHS mit ihren Dissertationsprojekten begonnen: Vier Historiker*innen und 18 Soziolog*innen.

Photos: Hannah Grüneberg

Neue BGHS Promovierende und ihre Forschungsprojekte:

  • Lorena Albornoz Garrido (Geschichte): Developing a strategy to recover the parliaments ethnopolitical negotiations
  • Wojciech Wientzek (Geschichte : „Schweigen aber kannst du nicht!“ Peter Weiss, Heiner Müller und Luigi Nono als „Political Broker“ und intellektuelle Grenzgänger im kalten Krieg, 1960-
  • Simon Groß (Geschichte): Helmut Schelsky und das soziologische Feld der Bundesrepublik
  • Nicole Schwabe (Geschichte): Das Eigene im Fremden? Diachrone Diskursanalyse zu geschichtsdidaktischen Weltentwürfen im 20. Jahrhundert
  • Verena Stern (Soziologie): „Wir sind keine Nazis.“ Zur Kooperation ‚besorgter Bürger‘ mit Rechtsextremen in Protesten gegen Asyl-Unterkünfte in Deutschland
  • Valentina Francisca Rivera Toloza (Soziologie): Female employment in Chile and Germany during 1990-2015: How public policies and cultural changes shape or un-shape gender equality?
  • Malin Houben (Soziologie): Die gynäkologische Praxis. Eine ethnographische Untersuchung
  • Felix Maximilian Bathon (Soziologie): Kommunikation in Kleingruppen — Studien über Kleingruppen als soziales System
  • Lisa De Vries (Soziologie): Die Arbeitsmarktsituation von Homosexuellen: Benachteiligung und Diskriminierung im Erwerbsverlauf
  • Özgür Salmanog (Soziologie):Analyzing Nietzsche’s and Foucault’s Concept of Power from the Perspective of the Political
  • Emre Cakirdiken (Soziologie): Political trends in transformation: the rise of populism and future of democracy
  • Cansu Erdogan (Soziologie): ´Harmony´ between Actors in Long-Term Care Provision: Different Welfare Cultures Giving Rise to Different Modes of Regulation?
  • Nele Weiher (Soziologie): Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Zur Identitätsherstellung von Trans* im Rahmen von Flucht.
  • Kristina Willjes (Soziologie): Doing digitalization – Die Einführung der elektronischen Aktenführung in einem kommunalen Jobcenter
  • Elisa Gensler (Soziologie): Die Gestaltung und Bewertung digitalisierter Regulierung in Arbeitsorganisationen und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsautonomie von Beschäftigten
  • Stefan Wilbers (Soziologie): „Historische Soziologie der Hochschulrankings. Institutionalisierung einer modernen Vergleichspraxis, 1900‐1980“
  • Dorian Tsolak (Soziologie): Explaining Female Migrants' Labour Force. Participation by Family and Cultural Heritage
  • Thi Dieu Hien Nguyen (Soziologie): Social welfare for workers in Phu Bai industrial park, Huong Thuy district, Thua Thien Hue province, Vietnam: Actual situation, roles and challenges
  • Tipu Sultan (Soziologie): Gender role and work life balance among dual earner couples
  • Janes Odongo (Soziologie): Factoring Disaster Management into Regional Development Planning: A Study of Devolved Governance in Kenya
  • Md. Moynul Haque (Soziologie): Civil resistance in Bangladesh: A study on student dimension of protest movements
  • Yueran Tian (Soziologie): Restructuring Welfare and Care: An Ethnographic Study of Vocational Training and Migrant Factory Workers in Post-Socialist China
  • Abel Yonas Zekarias (Soziologie): Migrants' remittances and rural livelihood: concomitant considerately? Evidences from the rural Ethiopia.
Weitere Informationen zu den neuen Promovierenden an der BGHS und ihren Forschungsprojekten sowie zu allen Promovierenden unter:
http://www.uni-bielefeld.de/bghs/Personen/Promovierende/
Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Veranstaltungshinweis: 8.10. Stipendien/Mentoring

Veröffentlicht am 30. September 2019

:: Infoveranstaltung 8.10.2019 ::

Stipendien und Mentoring zu außeruniversitärer Karriere

Die BGHS hat im Rahmen des Projekts "Außeruniversitäre Karriere" zwei neue Fördermöglichkeiten installiert: Stipendien und Mentoring für Promovierende. Was das genau ist, in welchen Bereichen ihr Praxisprojekte durchführen könnt, wer Mentor*in sein kann und wann es losgeht - das erfahrt ihr am 8.10. bei der Infoveranstaltung in der BGHS-Lounge um 14:15 Uhr (X-B2-109).

Die Ausschreibungen zu Stipendien für Praxisprojekte findet Ihr hier (Link) und die Ausschreibung zum Mentoring hier (Link). Informationen zu Praxisprojekten und Mentoring findet Ihr auch unter:

uni-bielefeld.de/bghs/Ausseruniversitaere_Karriere

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

#Teil 4 :: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Veröffentlicht am 24. September 2019

Außeruniversitäre Karrieren #Teil 4

:: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Promovierenden, die bereits während ihrer Arbeit an der Dissertation Berufserfahrungen außerhalb der Universität sammeln. Filiz Kutluer hat mit uns über ihre Tätigkeit für die von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bethel gesprochen.


Filiz Kutluer und Ulf Ortmann im Gespräch. Foto: Hannah Grüneberg

Filiz, Du arbeitest in einer „Fachstelle“ der von Bodelschwinghschen Stiftungen. Wo arbeitest Du genau?

Filiz Kutluer: Die „Fachstelle für Migration und Behinderung“ ist an die Regionalleitung angebunden und hat eine Brückenfunktion zwischen Basismitarbeitenden und den Klient*innen. Das heißt, ich bin erstens dafür zuständig, zu beraten und zu vermitteln. Dabei kommt es zum einen darauf an, zu erfassen: Welche Probleme haben die Menschen mit Behinderung aus Zuwandererfamilien? Welche Schwierigkeiten haben ihre Angehörigen? Haben sie Zugang zum Hilfesystem? Wenn nicht, woran liegt das? Und wenn sie im System drin sind: Welche Probleme haben sie dort? Zum anderen erfasse ich die Perspektive der Beschäftigten: Welche Erfahrungen haben die Mitarbeiter*innen mit dieser Zielgruppe? Von welchen Problemen berichten die Beschäftigten in diesem Zusammenhang? Zweitens arbeite ich an der Entwicklung passender Konzepte für meine Organisation: Wir haben eine Zielgruppe, die schwer zu erreichen ist und die Schwierigkeiten im Hilfesystem hat – was können wir dafür tun, um diese Schwierigkeiten zu lösen bzw. damit umzugehen?

Wie sieht Deine Arbeit konkret aus?

Filiz Kutluer: Die Arbeit ist vielfältig. Ich bin ja erstens dafür zuständig, zu erheben, wie die Mitarbeiter*innen, Klient*innen und Angehörige miteinander arbeiten und welche Bedarfe sie haben. Zweitens vernetze ich mich und versuche auf dem Laufenden zu bleiben: Wie gehen andere Organisationen und Träger, wie die AWO oder die Caritas etc. mit diesem Thema um? Was wird dazu in anderen Städten in Deutschland oder im Ausland gemacht? Drittens verfasse ich Konzepte zur interkulturellen Öffnung von Einrichtungen und begleite ihre Umsetzung in Bethel. Dazu gehören auch Mitarbeiterfortbildungen zu interkulturellen Kompetenzen. Und viertens übernehme ich die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema, und halte dazu Vorträge oder schreibe Artikel für Fachzeitschriften. Also, es kann sein, dass ich an einem Tag erst mit einer/einem Klient*in beschäftigt bin, dann mit einer/einem Mitarbeiter*in, dann mit der Regionalleitung und zum Ende des Tages mit einem Bericht.

Was sind die beiden wichtigsten Aufgaben, die Du erledigst?

Filiz Kutluer: Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin: Wenn es in einer Einrichtung zwischen Mitarbeitenden, Klient*innen mit Migrationshintergrund und ihren Angehörigen Schwierigkeiten gibt, mit denen die Mitarbeitenden nicht klar kommen, dann werde ich gerufen. Also, als Beispiel: Angehörige kommen in die Einrichtung, ohne sich vorher anzukündigen. Dann versuche ich, zunächst das Problem zu erfassen: Wie verstehen die Angehörigen die Arbeit, die in der Einrichtung läuft? Kennen sie die Regelungen zu Essenszeiten oder Abholzeiten? Wissen sie, dass sie sich als Angehörige anmelden müssen, bevor sie die Einrichtung besuchen? Und dann ist es meine Aufgabe, den Angehörigen die Arbeitsweise in der Einrichtung auch zu erklären. Etwa: „Ihre Tochter hat hier eine Tagesstruktur; und wenn Sie hier unangemeldet hinkommen, geht diese Struktur verloren.“

Die Erfahrung, die ich bei solcher fallbezogenen Arbeit mache, bereite ich schließlich auf und entwickle passende Konzepte sowie Empfehlungen, die ich meinem Dienstvorgesetzten vorlege. In diesem Zusammenhang geht es darum, interkulturelle Kompetenzen zu stärken. Und diese Konzepte setzen genau daran an: Zum Beispiel bei Verständigungsproblemen, wie ich sie gerade geschildert habe, bringt es nichts, alleine Wörter zu übersetzen. Vielmehr müssen Sprachmittler*innen die Einrichtung und das Hilfesystem kennen, bevor sie dolmetschen können. Zum Beispiel: Warum ist es für ein Förderkind wichtig, ein Dreirad zu benutzen? Aus der Perspektive von Angehörigen kann das Dreirad unwichtig sein; aber aus der Perspektive von Erzieher*innen ist das entwicklungsfördernd und daher sehr wichtig.

Welches Wissen und welche Kompetenzen bringst Du als Sozialwissenschaftlerin bei Deiner Arbeit ein?

Filiz Kutluer: Zum einen geht es bei meiner Arbeit sehr viel darum, zu strukturieren. Denn mir werden Probleme aus verschiedenen Perspektiven geschildert und meine Aufgabe ist es, diese Perspektiven miteinander in Beziehung zu setzen – und das dann an die Beteiligten weiterzugeben: Ich versuche sozusagen, die von den beiden Seiten (Erzieher*innen und Angehörigen) geschilderten Problembereiche zu sortieren und zum besseren Verständnis eine Struktur zu geben – das habe ich im Studium gelernt und das mache ich heute noch gerne.

Zum anderen ist zum Beispiel Arbeitsteilung ein großes Thema, wenn ich zwischen Mitarbeiter*innen und Angehörigen vermittle. Denn Arbeitsteilung ist in Deutschland das A und O; in der Türkei beispielsweise weiß jeder über alles Bescheid. Für die einen ist Arbeitsteilung selbstverständlich: „Das ist jetzt meine Aufgabe; und wenn Sie dieses oder jenes brauchen, dann gehen Sie zu jemand anderem, und zwar dort hin!“ Für die anderen stellt sich Arbeitsteilung als Dschungel dar, in dem sie verloren gehen: „Ich kann nicht rechts und links gucken und bin nur für diesen Bereich hier zuständig; wenn Sie jenes brauchen, dann gehen Sie woanders hin!“ Und meine Aufgabe ist es, dass die Beteiligten trotzdem miteinander ins Gespräch kommen. Denn ohne diesen Dialog besteht die Gefahr, dass Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund keinen Zugang zum Hilfesystem finden.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen, die in Deiner Branche einen Einstieg suchen?

Filiz Kutluer: Es macht, denke ich, Sinn, zu fragen: Was machen diejenigen, die in Organisationen wie den von Bodelschwinghschen Stiftungen arbeiten? Welche verschiedenen Tätigkeiten bzw. Berufsfelder gibt es dort? Und welche dieser Tätigkeiten sind was für mich? Da gibt es zum Beispiel einen „Infotag für Studieninteressierte“ in der Fachhochschule der Diakonie in Bethel, und in diesem Rahmen werden die verschiedenen Berufs- und Arbeitsfelder, die es in Bethel gibt, vorgestellt. Auch die zentrale Öffentlichkeitsarbeit in Bethel steht für Information zu Verfügung. Da findet man immer Gesprächspartner*innen.

Filiz, vielen Dank für das Gespräch.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

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Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Ausschreibung: Außeruniversitäre Karriere

Veröffentlicht am 20. September 2019

Die BGHS stärkt promovierende Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen bei der je eigenen Karriereplanung und vergibt zum 1. Januar 2020 bis zu sechs Stipendien für Praxisprojekte sowie fünf Plätze in ihrem Mentoringprogramm zur außeruniversitären Karriere. Die Stipendien für Praxisprojekte haben eine Laufzeit von drei Monaten; das Mentoring läuft von Januar bis September 2020. Bewerbungsschluss für Stipendien und für die Teilnahme am Mentoring ist der 31. Oktober 2019.

Stipendien für Praxisprojekte und Mentoringprogramm richten sich an Promovierende der BGHS und bieten verschiedene Gelegenheiten, den je eigenen beruflichen Werdegang im Austausch mit Kolleg*innen zu diskutieren und zu planen – im Austausch sowohl mit Kolleg*innen aus der Universität als auch mit Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen, die einen Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben.

Die Ausschreibungen zu Stipendien für Praxisprojekte findet Ihr hier (Link) und die Ausschreibung zum Mentoring hier (Link). Am 8. Oktober findet eine Infoveranstaltung zu den beiden Ausschreibungen in der BGHS-Lounge statt: um 14:15 Uhr in X-B2-109. Informationen zu Praxisprojekten und Mentoring findet Ihr auch unter: uni-bielefeld.de/bghs/Ausseruniversitaere_Karriere

Gesendet von MChrist in Allgemein

Die Tigerstreifen Kubas - Ein Workshoptagebuch

Veröffentlicht am 16. September 2019

„Jetzt haben wir hier einen lateinamerikanischen Gipfel in Bielefeld versammelt“

:: Gastbeitrag ::

von Lasse Bjoern Lassen


Gruppenbild des Workshops. Foto: BGHS

Im Juli fand in der BGHS der Workshop: “From Bolívar to UNASUR - 200 Years of Latin American Political Integration” statt. Wir nutzen die Sommerpause, um nochmal einen Blick darauf zu werfen. Lasse Bjoern Lassen organisierte die Veranstaltung und hat die Erlebnisse in einem spannenden Tagebuch-Format festgehalten. Besonders im Fokus steht dabei Santiago Pérez, kubanischer Geschichtswissenschaftler und stellvertretender Direktor des Center for International Policy Research in Havanna.


Eindrücke des Workshops Foto: BGHS

Was Tigerstreifen mit Kuba zu tun haben und ob die Linke Lateinamerikas wirklich dahinsiecht – lest es nach in dem unterhaltsamen Bericht zum Workshop!


Angeregte Diskussionen im Workshop Foto: BGHS

Tagebuch eines Workshops:
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Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Abschlussbericht Linie 4

Veröffentlicht am 2. September 2019
Abschlussbericht 2019 der Linie 4

:: Gastbeitrag ::

von Daniele Toro


Vom 19. März bis zum 25. Juni 2019 fand die Vortragsreihe Linie 4 unter dem Titel „Vom Umgang mit Diskriminierung“ statt, welche die Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) mit der Volkshochschule Bielefeld (VHS) gemeinsam veranstaltete. In den VHS-Räumen der Ravensberger Spinnerei stellten sechs Promotionsstudent*innen der BGHS die eigene Forschung dem Bielefelder Publikum vor.

Die Vorträge nahmen aus unterschiedlichen Disziplinen heraus in den Blick, wie Individuen, Gruppen und Institutionen Diskriminierung bekämpfen oder gegen sie Widerstand leisten können.

 


Impressionen der Vorträge. Mit Zeynep Demir, Hannah Grüneberg; Malika Mansouri; Carla Thiele und Daniele Toro Fotos: BGHS

 

Durch eine Vielfalt von Themen und Ansätzen wurden sowohl die Rahmenbedingungen und Ursachen von Diskriminierungserscheinungen als auch der Umgang damit behandelt: Von der UN-Antirassismuskonvention bis zur Trikontinentalen Konferenz 1966, von den Jeziden bis zu den Gesundheitspolitiken für Geflüchtete, von dem Engagement bosnischer Völkermordhinterbliebener bis zur intellektuellen Exiltätigkeit Erika Manns in den 1920er und 1930er Jahren - das Publikum diskutierte die unterschiedlichen Vorträge aus der Geschichte, der Soziologie, der Rechtswissenschaft und der Psychologie immer sehr aktiv.

 


Die Vortragenden und Organisator*innen der Linie 4 Veranstaltungsreihe 2019 von links nach rechts: Lasse Bjoern Lassen, Malika Mansouri, Carla Thiele, Anja Henkel, Daniele Toro(fehlt: Johanna Paul) Foto: Hannah Grüneberg

Dass Publikum und Referent*innen vom gegenseitigen Austausch zu profitieren haben, verstand sich von Beginn an als das Ziel der Vortragsreihe Linie 4. Besonders interessant wurden dieses Jahr die intensiven Diskussionen, weil das Publikum die eigenen Erfahrungen und Kenntnissen regelmäßig zur Verfügung gestellt hat. Als extrem produktiv erwies sich dieses für die Referent*innen: Alle beteiligten Promovierenden berichteten in der Tat von den spannenden und nützlichen Impulsen, anregende Fragen und Kommentare. Die zahlreichen Besucher*innen zeigten so mit ihrer aktiven, kommunikativen Beteiligung, dass der Schwerpunkt der Vortragsreihe auf ein reges öffentliches Interesse gestoßen ist.


Ein besonders spannender, interdisziplinärer Beitrag war die Kunstinstallation, die Johanna Pauls Vortrag begleitete:

Von links nach rechts: Künstlerin Anita Zečić und Moderator Daniele Toro, die Kunstaustellung von Außen und Innen, sowie Vortragende Johanna Paul

 

Danke an alle Vortragenden und Gäste der Linie 4!

Weitere Infos zur Linie 4:

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Zur Zukunft der Graduiertenschulen: Sabine Schäfer im Interview

Veröffentlicht am 1. September 2019

„Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchs ist eine Daueraufgabe!“

Für den Deutschlandfunk hat Dr. Sabine Schäfer ein Interview gegeben, in dem es um die Zukunft von Graduiertenkollegs geht.

Was bedeutet es, wenn diese Form der Nachwuchsförderung aus den Programmen der Exzellenzinitiativen gestrichen wird? Welche Möglichkeiten gibt es außerhalb von staatlicher Spitzenförderung? Und was ist eigentlich der Mehrwert von Graduiertenschulen?

Hier findet ihr Sabine Schäfers Antworten dazu: Link Interview

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Bericht - Annual Seminar 2019

Veröffentlicht am 27. August 2019

 Annual Seminar 2019: „The Making of Mankind: Tracing Race & Racism“

:: Gastbeitrag ::

von Lena Gumpert und Malin Wilckens


Gruppenbild am zweiten Tag des Annual Seminar 2019. Foto: Simon Grunert

Einige Zeit nach dem Ende des diesjährigen Annual Seminars möchten wir hier unsere Eindrücke mit euch teilen. Als Mitglieder des Organisationsteams haben wir die Konferenz einerseits mit Freude, aber auch mit Anspannung erwartet. Im Nachhinein können wir sagen, dass gerade eine freundliche Atmosphäre und eine tiefgehende Diskussion das Annual Seminar ausgezeichnet hat. Für uns hat sich die viele Arbeit im Vorfeld ausgezahlt.


Programmflyer und Teilnehmer*innenliste – die Konferenz beginnt. Foto: Rebecca Moltmann

Nikita Dhawan eröffnete mit einer eindrucksvollen Keynote und uns war sofort klar: Das war der richtige Auftakt für die Konferenz. Ihre kritische Auseinandersetzung sowohl mit der deutschen Aufklärung als auch mit dem deutschen Universitätssystem hat für eine feurige Diskussion gesorgt. Direkt im ersten Panel wurde das Thema der Wissensproduktion in der Aufklärung aufgegriffen und mit einer Perspektive auf das moderne Brasilien erweitert. Es wurde sich außerdem mit der naturwissenschaftlichen Konstruktion von ‚race‘ beschäftigt.

Den Abend rundete Demetrius Eudell mit einem Vergleich ab: Wie verhalten sich ‚caste‘ und ‚race‘ zueinander? Durch seinen kenntnisreichen Vortrag konnte er die Konferenz um eine weitere Perspektive erweitern. Wir zitieren hier gerne Mark B. Brown, Politikwissenschaftler an der California State University, Sacramento: „This was a very rich talk.“ (Gedächtnisprotokoll)

Die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen und die leeren Mägen zu füllen, bot das Konferenzdinner am späten Abend. Die Teilnehmer*innen konnten sich und ihre Projekte in einer ungezwungenen Atmosphäre besser kennenlernen und tauschten sich auch abseits von konferenzbezogenen Themen rege miteinander aus.

Nikita Dhawan während ihrer Keynote; Angeregte Diskussion bereits vor dem Vortrag: Demetrius Eudell mit Eleonora Roland und Ulrike Davy; Manuela Boatcă während ihrer Keynote (v.links nach rechts)Fotos: Rebecca Moltmann

Den nächsten Tag eröffnete Manuela Boatcă mit ihrem Beitrag zu einer aktuellen Forschungsdiskussion. Sie stellte die Frage, welche wechselseitigen Einflüsse die weltweite Verteilung von Reichtum sowie der Verkauf von Staatsbürgerschaften und ‚race‘ haben. Für viele von uns war das eine neue Perspektive.

Die beiden folgenden Panel zeigten die Nähe zum mitveranstaltenden SFB: Es ging um den Zusammenhang von ‚race‘ und Vergleichspraktiken. Hier wurde im wahrsten Sinne interdisziplinär diskutiert — von Anthropologie, über Soziologie und Rechtswissenschaft bis hin zur Literaturwissenschaft.

Anschließend wurde die Aktualität unseres Konferenzthemas anhand von Bildungsinstitutionen nochmals deutlich hervorgehoben. Im Fokus stand dabei zum einen, wie in der (deutschen) Schule über Rassismus gesprochen werden sollte, und zum anderen, welche Rassismuserfahrungen Studierende an deutschen Hochschulen erleben.

Ein persönliches Highlight der beiden Autorinnen dieses Beitrags war die Abendveranstaltung im Bunker Ulmenwall. Wir wollten das gesellschaftlich relevante Thema der Konferenz in die städtische Öffentlichkeit tragen und um eine künstlerische Perspektive erweitern, um die Vielfältigkeit der Auseinandersetzung mit ‚race‘ und Rassismus zu repräsentieren. Wir hatten das große Glück, die Sichtweisen des Performancekünstlers Taiwo Jacob Ojudun und von der grafischen Künstlerin Diana Ejaita zu erfahren.

Die Moderatorin des Abends Ouassima Laabich vor einem Ausschnitt der Videoinstallation von Taiwo Jacob Ojudun. Taiwo Jacob Ojudun während der Performance. Fotos: Corinna Mehl

Taiwo Jacob Ojudun hat in seiner Performance und Videoinstallation mit dem Titel WHAT IF? besonders die rohe Gewalt der kolonialen Aufteilung Afrikas durch die Berliner Konferenz (1884-85) und ihrer Nachwirkungen präsentiert.

Diana Ejaita (Bild 2) gab persönlich eine Einführung zu ihrem Werk. Fotos: Corinna Mehl

Diana Ejaita hat mit ihren Drucken, in denen sie sich mit May Ayims "blues in Schwarzweiß" auseinandersetzt, auf eine spezifisch europäische Rassimuserfahrung hingewiesen. Die Reihe trägt den Titel "To May Ayim".

Angeregte Diskussion beim letzten Panel. Foto: Rebecca Moltmann

Im letzten Panel wurde die Verbindung von space und ‚race‘ entlang verschiedenster Disziplinen diskutiert. Ein gelungenes Ende fand das Annual Seminar mit einer anregenden Reflexion über die vergangen Tage in der von Sabine Schäfer moderierten Abschlussdiskussion.

Unser Fazit: Hohes Niveau, inhaltliche Breite und emotionale Erfahrungen. Die viele Arbeit hat sich gelohnt.

Schön war es auch zu erleben, wie produktiv die Arbeit in einem Team sein kann. Wir beide schreiben zwar gerade diesen Beitrag, aber die Organisation und Planung war eine Gemeinschaftsaufgabe. Deswegen möchten wir auch die Namen aller Teammitglieder aufführen: Lisa Baßenhoff, Andreas Becker, Ina Kiel, Julian Gärtner, Lena Gumpert, Malika Mansouri und Malin Sonja Wilckens.

Eine kritische Diskussion fand nicht nur vorher in unserem Team und während der Konferenz statt, sondern dauert an. Nicht nur aus diesem Grund planen wir eine Veröffentlichung, die diese kritischen Gedanken transparent macht. Dazu gehört auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Titel „The Making of Mankind“. In der Zwischenzeit ist uns selbst immer klarer geworden, dass der Titel eine problematische Perspektive eröffnet und sind darauf dankenswerterweise auch mehrmals angesprochen worden. Einerseits scheint der Titel sich nur auf Männer zu beziehen und andererseits verweist er möglicherweise auch auf eine ganz bestimmte Zeitspanne: Die Entstehung des wissenschaftlichen Rassismus im Zuge der Aufklärung. Dabei wollten wir explizit über die historische Verortung hinausgehen und auf keinen Fall rassistische oder geschlechterdiskriminierende Annahmen reproduzieren. All dies spiegelt der Titel so nicht wider. Wir nehmen diese Kritik gerne an und werden an einem überarbeiteten Titel für die Veröffentlichung arbeiten. Es bleibt also produktiv spannend!

Vielen Dank für das Feedback!

Lena Gumpert & Malin Wilckens

 

Mehr Infos zu den Referent*innen und Orten:

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#Teil 3 :: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Veröffentlicht am 29. Juli 2019

Außeruniversitäre Karrieren #Teil 3

:: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Promovierenden, die bereits während ihrer Arbeit an der Dissertation Berufserfahrungen außerhalb der Universität sammeln. Tabea Koepp hat mit uns über ihre Tätigkeit für die Organisationsberatung „Metaplan“ gesprochen.


Eindrücke vom Arbeitsplatz Foto: Tabea Koepp

Tabea, Du arbeitest für Metaplan. Wo arbeitest Du genau?

Tabea Koepp: Metaplan ist eine Beratungsagentur, die zum einen Structure & Strategy Consulting anbietet und insbesondere Führungskräfte von Unternehmen berät. Zum anderen gibt es die Leadership & Organization Academy mit einem breiten Seminar- und Trainingsangebot für Führungskräfte, Managerinnen und Berater. Ich habe in beiden Bereichen schon gearbeitet, bin aber zurzeit stärker in der Academy beschäftigt. Denn das lässt sich besser vereinbaren mit einer Promotion nebenher.

In der Struktur- und Strategieberatung muss man relativ spontan und auch viel verfügbar sein. Das ist im Rahmen einer kleinen Stelle, wie ich sie jetzt hab, nicht zu leisten. In der Academy kann ich auch mit einem kleineren Stellenanteil arbeiten. Dort ist es beispielsweise mein Job, neue Seminarinhalte mit zu entwickeln: etwa ein Modul zu „Organisationskultur“. Bei dieser Arbeit geht es darum, soziologische Konzepte zu entwickeln, die intuitiv anwendbar sind für Praktiker*innen.

Wie sieht Deine Arbeit konkret aus?

Tabea Koepp: Bei der Entwicklung von Seminarinhalten zum Beispiel überlege ich gemeinsam mit meinen Kolleg*innen zunächst, welche Inhalte wichtig sind. Danach recherchiere und entwickle ich die Inhalte und bereite die Postersätze vor. Metaplan arbeitet immer mit einer Posterpräsentationsmethode, die sie erfunden haben: die Metaplan-Methode. Gelegentlich bin ich auch Referentin für diese Module.


Auf dem Bild zu sehen ist ein Seminaraufbau mit der Metaplan-Methode. Typisch dafür ist die Visualisierung mittels großformatiger Poster. Rechts im Bild sind die dazugehörigen Stellwände und Materialien zu erkennen. Foto: Tabea Koepp

Was sind die wesentlichen Aufgaben, die Du bei der Arbeit hast?

Tabea Koepp: Zurzeit habe ich vor allem zwei Aufgaben. Zum einen betreue ich redaktionell das Kundenmagazin von Metaplan: die „Versus“. Die Consultants veröffentlichen dort Texte, die soziologisch informiert und gleichzeitig praxisrelevant sind. Ich redigiere diese Texte und kümmere mich mit einem Grafiker zusammen um das Layout. Kürzere Texte schreibe ich auch selbst. Zum anderen betreue ich das Projektmanagement eines kleinen englischsprachigen Self Publishing Verlags, den ich für Metaplan gegründet habe: „Organizational Dialogue Press“. Ein Teil unserer Consultants schreibt Bücher, auf Deutsch. Ich koordiniere alle Schritte auf dem Weg vom deutschen Manuskript zum fertigen englischen Buch, also z. B. die Übersetzung, Lektorat, Satz oder die Entwicklung eines neuen Buchcovers. Das sind Aufgaben, die ich jetzt neben meiner Promotion und neben meiner Stelle hier an der Uni für Metaplan übernehme.

Welches Wissen und welche Kompetenzen bringst Du als Soziologin bei Deiner Arbeit ein?

Tabea Koepp: Dadurch, dass Metaplan eine dezidiert soziologisch arbeitende Beratung ist, ist mein Fachwissen eine Kernkompetenz. Das Qualifizierungsprogramm der Academy ist zu einem guten Teil im Prinzip eine anwendungsorientierte Einführung in Organisationssoziologie für Praktiker*innen – dort geht es um zentrale soziologische Konzepte wie etwa die „Entscheidungsprämissen“ nach Niklas Luhmann. In den Beratungsprojekten sprechen wir vielleicht nicht von „Entscheidungsprämissen“, sondern übersetzen das in die Sprache der Welt, in der wir uns jeweils bewegen. Wir sagen dann zum Beispiel „robuste Regeln“ – nutzen aber unser analytisches Know How über die Funktionsweise organisationaler Strukturen, um den Anliegen unserer Kund*innen auf die Spur zu kommen.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen, die in Deiner Branche einen Einstieg suchen?

Tabea Koepp: Auf jeden Fall: ein Praktikum machen. Wer von der Uni kommt und keine Berufserfahrung außerhalb der Wissenschaft hat, hat im Prinzip keine andere Option für den Berufseinstieg. Die Praktikant*innen bei Metaplan sind teilweise schon promoviert. Und natürlich ist es so oder so extrem nützlich, Berufserfahrung außerhalb der Uni zu sammeln und in einer Organisation – egal, welcher Art – zu arbeiten. Selbst wenn man nur kleinere Aushilfstätigkeiten übernommen hat: Man weiß dann zum Beispiel, wie Meetings ablaufen, und verfügt über praktische Arbeitserfahrung in Organisationen. Wenn man bei Metaplan nicht als Praktikant*in, sondern gleich als Consultant anfangen möchte, muss man allerdings Führungserfahrungen in wenigstens einem Konzern vorweisen und auf mindestens zwei Sprachen arbeitsfähig sein.

Tabea, vielen Dank für das Gespräch.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Türöffner - Das ABC der BGHS

Veröffentlicht am 17. Juli 2019


Thomas Abel (l.) hat die Ausstellung „Das ABC der Geschichte und Soziologie“ konzipiert. Vorgestellt werden die Forschungsprojekte der BGHS – zum Beispiel von Aanor Roland (m.) oder Marcus Carrier (r.). Foto: Universität Bielefeld

 Das ABC der BGHS - Türöffner in die Welt der Soziologie und Geschichte

Auffällige Buchstaben zwischen den Gebäuden der Universität Bielefeld lösten in den letzten Wochen ein großes Rätselraten aus: Was haben sie zu bedeuten, wer steckt dahinter und was haben restaurierte Türen mit der BGHS zu tun?

Nun lüftet die Uni das Geheimnis um das Projekt, das von Thomas Abel entwickelt wurde, um Einblicke in die Welten der Soziologie und Geschichte zu schaffen. Jeder Buchstabe steht für ein Promotionsprojekt von Promovierenden der BGHS. Aanor Roland steht mit ihrem Buchstaben "N" beispielsweise für den Begriff der "Not", Marcus Carrier bekam das "Z" wie "Zeuge".

Was sich genau dahinter verbirgt, erklären Thomas, Aanor und Marcus hier:

Blogbeitrag der Uni Bielefeld


Aanor Roland (l.) und Marcus Carrier(r.). Foto: Universität Bielefeld


26 Skulpturen - 26 Promotionsprojekte. Foto: Universität Bielefeld

Viel Spaß beim Entdecken!

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

#Teil 2 :: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Veröffentlicht am 4. Juli 2019

Außeruniversitäre Karrieren #Teil 2

:: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Promovierenden, die bereits während ihrer Zeit an der BGHS Berufserfahrungen außerhalb der Universität sammeln. Stefanie Haupt hat mit uns über ihre Tätigkeit für die Edition „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945“ gesprochen.


Im Gespräch: Ulf Ortmann (Projektkoordinator) und Stefanie Haupt Foto: BGHS

Stefanie, Du arbeitest für die Edition „Judenverfolgung 1933 – 1945“. Wo arbeitest Du genau?

Stefanie Haupt: Das ist ein Projekt, das eine 16-bändige Quellenedition zum Holocaust herausgibt. Dieses Langzeitprojekt wird seit 2005 von der DFG finanziert und ist angesiedelt an der Universität Freiburg und am Institut für Zeitgeschichte. Das Institut hat seinen Hauptsitz in München und hat zwei Abteilungen in Berlin. Ich arbeite in einer dieser Abteilungen, in Lichterfelde im Projektbüro der Edition. Das ist eine Quellensammlung, die anhand von zeitgenössischen Dokumenten die europaweite Dimension des Holocaust aufzeigt: Über 200 Archive sind mit Dokumenten in der Edition vertreten.

Für die unterschiedlichen geografischen und zeitlichen Schwerpunkte gibt es Bandbearbeiter*innen – größtenteils freiberufliche Historiker*innen – die in den verschiedenen Archiven nach Quellen suchen und diese kommentieren. Darüber hinaus gibt es Übersetzer*innen, die über ganz Europa verteilt sind, wissenschaftliche Lektor*innen, ein Übersetzungslektorat und Korrektorat und Grafiker*innen. Diese verschiedenen Beteiligten werden vom Projektbüro aus koordiniert

Wie sieht Deine Arbeit – Stand: jetzt – aus?

Stefanie Haupt: Naja, ich habe schon als studentische Hilfskraft für die Edition gearbeitet. Und jetzt als wissenschaftliche Projektassistentin mache ich eigentlich weniger Forschungsarbeit als ich es damals als studentische Hilfskraft gemacht habe: Damals habe ich mich auf einen einzelnen Band konzentriert und zum Beispiel in Archiven Dokumente recherchiert oder an Fußnotenkommentierungen gearbeitet. Jetzt als wissenschaftliche Projektassistentin koordiniere ich zusammen mit meiner Kollegin die Arbeit am Gesamtprojekt: Wir vernetzen zum Beispiel die Übersetzer*innen mit den Übersetzungslektor*innen und den Bandbearbeiter*innen. Oder wir kümmern uns um die Verträge der studentischen Hilfskräfte und um die Finanzen. Ich mache jetzt viel mehr administrative Arbeit.

Was sind die wesentlichen Aufgaben, die Du bei der Arbeit hast?

Stefanie Haupt: Es geht darum, das Projekt zu koordinieren: dass Projektplanungen eingehalten werden; dass Texte von A nach B gehen; dass Rechnungen der Freiberuflichen bezahlt werden; oder dass Verträge mit den Übersetzer*innen geschlossen werden. Wir organisieren auch Buchpräsentationen: Für jeden Band der Edition gibt es nach seinem Erscheinen mindestens eine Veranstaltung, in der das Buch öffentlich präsentiert wird. Zwölf von 16 Bänden sind jetzt erschienen – und vier Bände müssen wir noch erscheinen lassen bis zum Projektende im April 2020.


Eindrücke vom Arbeitsplatz Foto: Stefanie Haupt

Welches Wissen und welche Kompetenzen bringst Du als Geschichtswissenschaftlerin bei Deiner Arbeit ein?

Stefanie Haupt: Zum einen sind das alles zeitgenössische Quellen, die durch die Edition aufbereitet, kommentiert und einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Das ist die Kernkompetenz als Historikerin: Dass man mit historischen Quellen kritisch arbeiten und sie einordnen kann. Zum anderen kenne ich durch mein Studium und meine studienbegleitenden Tätigkeiten das Thema „Nationalsozialismus“ und die Archivlandschaft dazu.

Wenn mir ein Dokumentenfaksimile durch die Hand geht und da steht „NARA“ auf dem Rücken, und keiner weiß: Wo kommt das denn jetzt her? Dann kann ich sagen: Das ist das National Archives and Records Administration, das US-amerikanische Bundesarchiv. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen: Wir erstellen die Register zur Edition, und das Institutionenregister zum Beispiel ist sehr komplex. Da hilft es, wenn ich weiß, was ein Vernichtungslager und was ein Konzentrationslager ist. Also, was der Unterschied ist; welche Lager ich in welche Kategorien einordne; und wie das Register dann aufgebaut wird.

Was mir allerdings für meine Tätigkeit fehlt: Ich hab nicht gelernt, Ablagen zu machen. Das ist schon eine Herausforderung, wenn sich so viel Schrift ansammelt: Wie ich die so ablege und strukturiere, dass ich die Information auch nach zwei Jahren noch wiederfinde. Das bringe ich nicht mit als Historikerin, und das ist learning by doing.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen, die in Deiner Branche einen Einstieg suchen?

Stefanie Haupt: Also, zum einen sind praktische Erfahrungen bei der Archivarbeit nützlich. Ich arbeite ja an einem außeruniversitären Forschungsinstitut, in dem ich schon im Studium als Hilfskraft gearbeitet habe. Und damals war ich zum Beispiel mit Archivrecherche oder Bestandsverzeichnung betraut. Als ich dann meine Stelle angetreten habe, brauchte ich keine lange Einarbeitungszeit: weder im Archiv noch im Institut noch im Editionsprojekt. Für diejenigen, die sich für die Arbeit an außeruniversitären Forschungseinrichtungen interessieren, empfehle ich, auch auf die Stellenportale der Dachorganisationen, wie der Leibniz-Gemeinschaft, zu schauen. Da sind immer wieder Jobangebote zu finden.

Stefanie, vielen Dank für das Gespräch!

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Bericht: Lund-York Konferenz

Veröffentlicht am 2. Juli 2019


Die Teilnehmer*innen der Konferenz. Foto: Greta Darkow

 Konferenz Lund York - Stimmen zur Konferenz

An der BGHS gibt es vielfältige Möglichkeiten des transnationelen Arbeitens. Ein Beispiel dafür ist die Konferenz Bielefeld-Lund-York, die dieses Jahr vom 11.-13. Juni stattfand. Worum es dabei geht und wie Teilnehmende die Konferenz erlebt haben, könnt ihr hier nachlesen.

Seit 2016 kooperieren das Department of History und die BGHS mit der National Graduate School of History an der Lund University, Schweden, und dem PhD Program in History an der University of York, Großbritannien, in der Doktorandenausbildung. Jedes Jahr findet eine gemeinsame Doktorandenkonferenz statt, die wiederum von den Partnerinstitutionen ausgerichtet wird.

Mit der Konferenz wollen die Partner Doktorand*innen beim Aufbau und Erhalt grenzüberschreitender Netzwerke unterstützen und die Kommunikation zwischen jungen Forschern in Europa fördern. Ziel der Konferenz ist es, die kurze und präzise mündliche Präsentation von Projekten auf Englisch zu üben.

Mehran Haji Mohammadian erzählt uns, wie er die Konferenz in Erinnerung hat:

"The conference was great! Absolutely! As a student of sociology, I was really excited by the numerous details that historians discussed. The doctoral projects that for at least three years focus on Medals, Intarsia or under the microscope in the seventeenth century! Research about sleep! Or Social Networks in an Early Modern Town. All of them! Before the conference, I had thought historians and sociologists do the same research. But not actually! We normally do not go into this level of details. Many thanks historians."

Auch Maja-Lisa Müller berichtet von positiven Eindrücken:

"The PhD-Conference Lund/York/Bielefeld has been an overall great experience. As a PhD student in the newly established study programme "Image Science and Art History" it was exciting to connect with other doctoral students in the field and learn about differences and similarities in academic culture. I have profited a lot from the exchange of ideas among the students as well as the valuable advice given by the professors and I'm looking forward to future projects with our partner universities Lund and York."

Und Anastasia Zaplatina ergänzt:

"The conference exceeded all my expectations. I have learned a lot from each panel and received a lot of inspiration from each presentation. In particular, I want to notice the workshop prepared by Dr. Chris Renwick which was dedicated to the interdisciplinary approach in social sciences. During the workshop we discussed the ongoing process of changing of borders between disciplines, the impact of interdisciplinary approach on publishing and searching for funding. I am very grateful to all the organizers and participants for the amazing experience."

Weitere Information:

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Annual Seminar 2019

Veröffentlicht am 1. Juli 2019
Annual Seminar der BGHS: 4-6 Juli 2019

Programm als PDF

In Zusammenarbeit zwischen der BGHS und dem SFB 1288 werden auf der dreitägigen Konferenz Forscher*innen des wissenschaftlichen Nachwuchses ihre Beiträge in einem interdisziplinären Umfeld vorstellen. Dabei geht es um die Konstruktionsweisen von "Race" und Rassismus im Zusammenhang mit der Entstehung wissenschaftlicher Disziplinen als auch mit komplexen Sets von Praktiken, Akteuren, Institutionen und Strukturen. In all dem versucht das diesjährige Annual Seminar, Praktiken des Vergleichens als Schwerpunkt von Rassenkonstruktion und Rassismus hervorzuheben.

Die Keynotes werden gegeben von Nikita Dhawan (Universität Gießen), Manuela Boatcă (Universität Freiburg) und Demetrius L. Eudell (Wesleyan University).

Ein weiterer Höhepunkt ist der vom SFB geförderte kulturelle Abend im Bunker Ulmenwall am Freitag um 19:30 Uhr: Diana Ejaita und Taiwo Jacob Ojudun nähern sich dem Thema der Tagung auf künstlerisch-kritische Weisen in Drucken, einer Performance und Video-Collage.

Keynotes:

Downloads:

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Lecture and debate: Daniel Graff

Veröffentlicht am 18. Juni 2019

 


Am 24. Juni 2019 um 18 Uhr c.t. findet im BGHS-Seminarraum (X-B2-103) eine "Public lecture and debate" mit Prof. Daniel Graff von der University of Notre Dame und Thomas Welskopp von der Universität Bielefeld statt. Das Thema der Veranstaltung lautet: "The Situation of Labor in the United States".

Daniel Graff ist Professor für Geschichtswissenschaft an der University of Notre Dame und forscht vor allem zur Geschichte der Arbeit, der Rasse und "citizenship". Dabei ist ihm die Vermittlung geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse an eine breite Öffentlichkeit ein besonderes Anliegen, das er mit Lunchtime Labor RAPS, Blogs und ähnlichen populären Formaten verfolgt.

Wir laden herzlich zur "Public lecture and debate" mit Daniel Graff und Thomas Welskopp und dem anschliessenden Umtrunk ein.

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