Hintergrundbild

BGHS.AKTUELL - Kategorie Allgemein

Dominik Hofmann: Mit DAAD-Stipendium in Mexiko

Veröffentlicht am 29. Juli 2020

Gerade jährt sich zum ersten Mal der Tag, an dem ich Bescheid bekam, das DAAD-Stipendium erhalten zu haben, auf das ich mich beworben hatte, um im Zuge der Arbeit an meiner Dissertation ein halbes Jahr in an der Universidad Iberoamericana in Mexiko-Stadt zu verbringen. Man teilte mir mit, das Gustav-Schübeck-Stipendium (Link) zugesprochen bekommen zu haben, das von der an den DAAD e.V. angeschlossen, mit ihm aber nicht identischen, DAAD-Stiftung vergeben wird.
Die, den Lebenshaltungskosten des Ziellands angepasste, Fördersumme war großzügig bemessen und ermöglichte mir u.a. Reisen in verschiedene Teile des Landes, die mir bei meiner Arbeit enorm weitergeholfen haben. Ich war sehr frei in der Organisation. Flug, Unterbringung, Kontakt mit der Gastuniversität und Lebens- und Projektplanung vor Ort waren mir überlassen, wurden aber vom Stipendium bzw. von entsprechenden Zusatzpauschalen gedeckt. Ich fand es sehr angenehm, diesen Freiraum zu haben, zumal ich bei Nachfragen und Zweifeln immer prompt und kompetent beraten wurde.
Der Moment, in dem ich die Bestätigungsmail erhielt, scheint mir – durch den Pandemieausbruch und meine Erlebnisse in Mexiko von der Gegenwart getrennt – gerade sehr lange vergangen, ist mir aber trotzdem noch deutlich erinnerlich, weil es ein Moment starker Erleichterung – mehr noch als der Freude – für mich war.
Soweit ich weiß, werden die exakten Statistiken über angenommene und abgelehnte Bewerber*innen nicht veröffentlicht, die Quote der akzeptierten Anträge liegt aber dem Hörensagen und der Meinung aller Personen nach, die mich beraten haben, sehr viel höher als bei anderen Förderungseinrichtungen. Meine Erleichterung verdankte sich aber über die Auflösung der allgemeinen Ungewissheit des Bewerbungserfolgs hinaus noch dem Abfallen einiger weiterer Unsicherheiten. Ich hatte relativ viel Zeit und Mühe in meine – das Erwartbare (Motivationsschreiben, Arbeitsplan, Zeugnisse, Nachweise über Sprachkenntnisse, zwei Gutachten) umfassende – Bewerbung fließen lassen, es gab einige Komplikationen mit der Zustellung eines der Gutachten, die ausschließlich über das Online-Forum, in dem auch die Bewerbung verwaltet wurde, mögliche Kommunikation mit dem DAAD verlief nur recht zäh und während des gesamten Frühjahres hatte ich nicht für das zweite Halbjahr 2019 planen können, von dem ich nicht wusste, ob ich es in Deutschland und in Mexiko verbringen würde. Auf den Bescheid, den ich jetzt erhielt, hatte ich einige Monate länger gewartet als ursprünglich angekündigt.
Entsprechend schlug die Erleichterung auch fast augenblicklich in gebotene Betriebsamkeit um, denn bis zur Ausreise blieb mir nur ein Monat. Es gibt beim DAAD zwei Varianten länderspezifischer Doktorandenstipendien: für 1-6 Monate und für 7-12 Monate. Bei einer Bewerbung wählt man die geeignet erscheinende Zeitspanne für die Bewerbung fest aus uns legt einen Ausreisezeitpunkt fest, der innerhalb des Zeitraums bis zum Beginn der nächsten Bewerbungsphase liegen muss. In meinem Fall hatte ich mir, dem mexikanischen Semesterbeginn entsprechend, einen eher frühen Zeitpunkt ausgesucht, sodass es in der knappen Zeit Vieles zu organisieren galt. Beispielsweise wäre es in der Zeit nicht mehr möglich gewesen, noch ein Studentenvisum zu beantragen (glücklicherweise bekommt man Touristenvisa für Mexiko ohne vorherige Beantragung und für 180 Tage bei der Einreise ausgestellt).

Meine Wahrnehmung von Alltag, Gastuniversität, einigen Erlebnissen auf Forschungsexkursionen und meinen eigenen Privilegien habe ich in diesem ausführlichen Bericht (Link) als eine Art Erzählung beschrieben, deren, notwendigerweise äußerst selektive, vom DAAD gekürzte, Version die folgende ist:

Ich beginne, was eher eine Erzählung ist, an meinem ersten Tag an der Universidad Iberoamericana – in Mexiko sowie im folgenden Text ausschließlich „die Ibero“ genannt. Ich habe mich verfahren und muss, um zum Universitätsgelände zu finden, zwei vierspurige Straßen und eine Überführungsbrücke überqueren, was sich letztendlich als Fußweg von einer knappen Stunde herausstellt. Vorausblickend habe ich anderthalb Stunden für entsprechende Eventualitäten eingeplant, da mir klar war, wie gering meine Chancen ausfallen würden, nicht nur in einen der Kleinbusse mit dem korrekten Ziel ein-, sondern vor allem auch an der richtigen Stelle wieder aus ihm auszusteigen. Verkehr gehört zu den beherrschenden Themen der Gespräche, die ich in Mexiko-Stadt führe. Wo das Wetter sich nie ändert, dient die Thematisierung der Zeit, die man dieses Mal gebraucht hat, gängigerweise als unverfänglicher Gegenstand von Smalltalk (ein Äquivalent übrigens zum in den weniger urbanen Regionen Mexikos gängigen Sprechen darüber, was man gegessen hat).
Eine Zeitlang trage ich mich mit dem Gedanken, mir ein Fahrrad zu besorgen, verwerfe ihn jedoch immer wieder, unter anderem, weil ich mich dem Einatmen der Schadstoffe nicht aussetzen möchte. Ich fahre also weiter in Bussen, welche die Schadstoffe ausstoßen, denen ich auszuweichen versuche, indem ich die Busse benutze. Verkehr erzeugt die Notwendigkeit von mehr Verkehr.
Im Schatten der eindrucksvollen Bauruine eines nie fertiggestellten Schnellzug-Hochträgers werde ich von Professor Javier Torres Nafarrate, auf dessen Einladung ich nach Mexiko kommen konnte, an der Eingangsschranke zur Universität abgeholt. Alle Zugänge zum Campus sind streng bewacht, ohne Chipkarte ist der Zugang unmöglich. Es handelt sich bei der Ibero um eine private Universität, gegründet und getragen vom Jesuitenorden, zwar grundsätzlich dessen Idealen verschrieben, in der Lehre aber unabhängig. Innerhalb eines enorm stark stratifizierten Hochschulsystems gilt sie als Eliteuniversität. In der Bibliothek finde ich, wie durch die vor der Reise durchgeführte Recherche vorhergesagt, eine große Menge an (v.a. natürlich spanischsprachigen) Büchern, zu denen ich in Deutschland keinen Zugang hatte. Einzig der Rechner am mir zur Verfügung gestellten Arbeitsplatz in Professor Torres Büro ist unbedienbar langsam, so dass ich stets an meinem Laptop arbeite.
Meine „Privilegierung“ ist hier eher eine strukturelle als eine situationelle: Ich ziehe keinen unmittelbaren Profit aus ihr. Genau dies verhält sich aber anders im akademischen Kontext meines Aufenthalts. Ich nutze nicht nur, wie ja im Wissenschaftsbetrieb üblich, die Kontaktnetzwerke meiner Professoren, sondern bin mir darüber hinaus recht sicher, dass mir die Erwähnung meines Herkunftslands Deutschland allgemein und meiner Heimatuniversität Bielefeld im Speziellen bei Anfragen, die ich stelle, um für die Dissertation Interviews und Gespräche mit Wissenschaftlern, Journalisten, Anwälten und Menschenrechtsaktivisten zu führen, zu Terminen mit Personen verhilft, die mexikanische Studierende einer öffentlichen Provinzuniversität wahrscheinlich nicht empfangen hätten. Ich entscheide mich dennoch für die entsprechenden Erwähnungen, da der hauptsächliche Zweck meines Aufenthalts nun einmal im Führen dieser Interviews und Diskussionen besteht.

Mein Forschungsprojekt hat ein Phänomen zum Thema, das sich in Mexiko besonders verbreitet, in meiner Heimat jedoch kaum findet. Es ist mit dem „Impunitätsdiskurs“ befasst, mit der gesellschaftlichen Thematisierung der Tatsache also, dass in vielen Weltregionen die große Mehrheit aller Verbrechen ungestraft bleibt, und mich interessieren besonders die Formen, in denen der Diskurs darüber geführt wird, sowie die gesellschaftlichen Reaktionen auf die entsprechende Thematisierung. Ich befinde mich in Lateinamerika, weil dort der Impunitätsdiskurs (wohlgemerkt: der Diskurs, nicht unbedingt das Phänomen, auf das er sich bezieht) weltweit am ausgeprägtesten ist.
Zeugnis davon legt die Konferenz am Colegio de México (Colmex) ab, das als Gipfel der akademischen Hierarchie Mexikos gelten kann. Die Möglichkeit, mein Forschungsprojekt dort vorzustellen, stellt für mich einen der absoluten Höhepunkte meines Aufenthalts dar. Zudem stoße ich bei derselben Gelegenheit zum ersten Mal auf die Bibliothek des Instituts, deren phänomenales Inventar beinahe alle Literatur umfasst, die ich in deutschen Bibliotheken gepaart mit derjenigen der Ibero zuvor gesucht, nicht aber gefunden habe. Das umfasst besonders auch die digitale Bibliothek, zu der auf dem gesamten Gelände Zugang besteht, weshalb es mich in der Folge häufig zum Arbeiten ans Colmex zieht.
Ich selbst versuche, ein „mexikanisches Leben“ – was auch immer das sein mag – zu führen, wobei mir sicherlich mein gutes – durch mehrere längere Aufenthalte in spanischsprachigen Ländern verfeinertes – Spanisch hilft. So kommt es wohl auch, dass ich an der Ibero um verschiedene Übersetzungsarbeit für ein Journal gebeten werde. Im Laufe des halben Jahres übersetze ich immer wieder einmal kleinere Artikel und vereinbare zuletzt weitere zukünftige Zusammenarbeit in diesem Bereich. Teil des Versuchs, mich in den mexikanischen Alltag einzuleben, ist es auch, dass ich in einem Haus mit Mexikanern zusammenlebe.

Zum Zeitpunkt meiner Bewerbung um das Stipendium hatte ich drei grundsätzliche fachliche Vorhaben für den Aufenthalt: Mein Dissertationsprojekt in demjenigen soziokulturellen und geographischen Kontext zu präsentieren und zu diskutieren, auf den es sich inhaltlich in großen Teilen bezieht; Experteninterviews zu führen und Material für eine Diskursanalyse zu sammeln; und auf einer allgemeineren Ebene in akademischen Austausch kommen. Hinsichtlich aller drei Punkte wurden meine Hoffnungen erfüllt oder übertroffen.
Auch bin ich ehrlich davon überzeugt, im halben Jahr meines Aufenthalts entscheidend mit meiner Arbeit vorangekommen zu sein. Das trifft nicht nur auf den fachlichen Bereich zu, sondern auch auf den persönlichen. Dank einer Vielzahl an Begegnungen habe ich auch über die Gefilde einer Promotion hinaus Unzählbares und Unschätzbares gelernt. Ich bin der DAAD-Stiftung zutiefst dankbar dafür, mir diese Erfahrungen ermöglicht zu haben.

Gesendet von MChrist in Allgemein

Neue BGHS-Koordinatorin für Internationalisierung

Veröffentlicht am 29. Juli 2020

Clara Buitrago ist die neue Koordinatorin für Internationalisierung in der BGHS-Geschäftsstelle. Für Clara ist es eine Rückkehr an die BGHS, denn sie hat selbst an der BGHS promoviert. Sabine Schäfer hat sie gefragt, wie es ist, wieder Teil der BGHS zu sein, was sie wichtig für internationale Promovierende findet und worauf sie sich am meisten freut. Das Interview ist hier zu hören:

Weitere Informationen zur BGHS-Geschäftstelle gibt es hier: Webseite.

Gesendet von MChrist in Allgemein

Praktiker*innen im Gespräch #8

Veröffentlicht am 20. Juli 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 8

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Götz Frommholz hat mit uns über seine Tätigkeit für die "Open Society Foundations" gesprochen.


Götz Frommholz (Zweiter von links) auf dem "Internet Governance Forum" der Vereinten Nationen.

Götz, wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Götz Frommholz: Den Einstieg habe ich während meiner Promotion gefunden. Ich bin nach meinem Diplom in Bielefeld nach Edinburgh gegangen und habe einen PhD gemacht in Soziologie. Dazu muss ich sagen: Ich war schon vor meinem Berufseinstieg politisch tätig, bin aus der aktiven Politik ausgeschieden, war aber immer noch politisch interessiert. Und ich habe damals in Edinburgh zusammen mit anderen Promovierenden überlegt: Wo gibt es in Deutschland eine Nische für Leute, die politisch interessiert sind und evidenzbasiert Politik beraten möchten? Wir haben gesehen, dass es damals einen großen Mangel gab an Organisationen, die sich außeruniversitär an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft im Bereich der politischen Partizipation engagiert haben. So haben wir 2012 einen Think Tank gegründet: dpart. Während meiner Promotion wurde mir dann immer klarer: Ich gehe zurück nach Deutschland. Aber wenn ich nach Deutschland gehe, gehe ich auf gar keinen Fall in die Wissenschaft, weil eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland einfach nicht planbar ist. Ich hab mich dann entschlossen, unseren Think Tank in Deutschland aufzubauen, ein europäisches Netzwerk von Promovierenden zu koordinieren und in diesem Rahmen Forschungsprojekte durchzuführen. Wir haben zum Beispiel zusammen mit der University of Edinburgh zum schottischen Unabhängigkeitsreferendum geforscht, und ein briefing, das wir erstellt haben, ist tatsächlich auch die Grundlage gewesen für das schottische Parlament, das Wahlalter von 18 auf 16 runterzusetzen. Also, wir haben schon coole Sachen gemacht, und dpart gibt es immer noch. Aber ich hatte 2016 die Nase voll davon, Klinken zu putzen und immer wieder Förderung zu besorgen, und bin dann an die Humboldt Universität gegangen. Dort habe ich an der Humboldt Graduate School das Monitoring des wissenschaftlichen Nachwuchses gemacht. Das hat mich nochmal bestärkt, als ich dann die Zahlen gesehen habe: Wie unwahrscheinlich es ist, sich auf eine Professur zu bewerben und dann tatsächlich auch noch erfolgreich zu sein. Das habe ich zweieinhalb Jahre gemacht. Während der Zeit haben wir mit dpart ein weiteres Forschungsprojekt angefangen, und zwar in Kooperation mit den Open Society Foundations (OSF). Die Stiftung ist im Sommer 2018 aus Ungarn geflüchtet, wegen Orban und den Anti-Soros-Gesetzen, und nach Deutschland gezogen. Und dann haben mich Leute aus der Stiftung gefragt, ob ich mich nicht bewerben will auf eine Stelle als Policy Analyst hier in Berlin, für das neue Office. Ich hatte gerade meinen dritten Einjahresvertrag an der HU unterschrieben und habe mir gedacht: Okay, richtig dankbar ist der Laden auch nicht, ich probierʼs mal. Und ich habe den Job gekriegt. So bin ich da reingerutscht.

Du arbeitest für die "Open Society Foundations". Wo arbeitest Du genau?

Götz Frommholz: Offiziell arbeite ich für das Brüsseler Büro unseres Stiftungsnetzwerks: für das Open Society European Policy Institute. Für OSF bin ich aber hier in Berlin und bin der Analyst insbesondere für EU-Politik in Deutschland. Die Open Society Foundations: Das sind viele unabhängige Stiftungen und Programme, die gegründet worden sind von dem amerikanischen Philanthropen und Milliardär George Soros. Wir sind weltweit die größte private Stiftung, die Demokratie und Menschenrechte fördert. Es sind über 120 Länder, in denen wir aktiv sind und uns für Zivilgesellschaft, Menschenrechte und Demokratieförderung einsetzen.


Ein von Götz Frommholz moderiertes Webinar mit Michael Roth, Staatsminister für Europa, und Selmin Caliskan, OSF Direktorin für institutionelle Beziehungen OSF Berlin

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie und Geschichte, die sich für einen Einstieg in Dein Tätigkeitsfeld interessieren?

Götz Frommholz: Also, ich denke: Wenn ich nicht den Willen gehabt hätte, in diesem Bereich zu arbeiten, dann wär ich dort nicht gelandet. Denn es ist eine lange Durststrecke gewesen, gerade auch als wir unseren eigenen Think Tank aufgebaut haben. Das bedeutete, viele, viele Klinken zu putzen. Ich war tatsächlich sieben Tage die Woche unterwegs und habe auf allen Hochzeiten getanzt, um Leute kennenzulernen. Zum anderen ist politische Kommunikation ja ein riesiges Feld: Man kann für NGOs, für Gewerkschaften oder etwa für den Industrie- und Handelskammertag arbeiten. Und deshalb ist es wichtig, sich genau zu überlegen und bewusst zu entscheiden, für wen man arbeiten möchte.

Götz, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

Gesendet von MChrist in Allgemein

Praktiker*innen im Gespräch #7

Veröffentlicht am 6. Juli 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 7

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Marie-Christine Heinze hat mit uns über ihre Tätigkeit für das „Center for Applied Research in Partnership with the Orient“ (CARPO) gesprochen.


Podiumsdiskussion bei CARPO zum Thema „Der Jemen-Konflikt im Kontext regionaler Rivalitäten“ am 8. März 2018. Auf dem Podium von links: Marie-Christine Heinze, Sebastian Sons (CARPO Associate Fellow), Gudrun Harrer (Moderation; Der Standard), Adnan Tabatabai (CARPO CEO)

Marie, wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Marie-Christine Heinze: Ich habe über den Jemen promoviert. Und über einen Bekannten von der Uni Bonn – dort habe ich studiert – hatte ich einen Kontakt zu einem jemenitischen Forschungsinstitut, das hauptsächlich quantitative Sozialforschung macht. Als ich für die Feldforschung zu meiner Doktorarbeit in den Jemen gegangen bin, war das der einzige Kontakt, den ich dort hatte: das Yemen Polling Center (YPC). Mit dem YPC habe ich Kontakt aufgenommen, und die haben mir dann sehr viel geholfen bei der Herstellung von Kontakten für meine Doktorarbeit. Ich habe im Gegenzug denen geholfen und angefangen, für das Institut Projektanträge zu schreiben. Der erste Antrag, den ich fürs Institut geschrieben habe, war ein EU-Projektantrag, von dem ich einfach mal gedacht habe: Och, das werde ich schon hinkriegen. Mich selbst habe ich im Antrag als Consultant erwähnt. Der Projektantrag wurde angenommen, und mit dem YPC arbeite ich immer noch zusammen.

Wie sieht Deine Arbeit jetzt aus?

Marie-Christine Heinze: Um ein Beispiel zu geben: Wir haben bei CARPO ein Projekt, bei dem es darum geht, jemenitische Experten aus Wirtschaft und Entwicklung zusammenzubringen. Das setzen wir mit zwei jemenitischen Partnerinstitutionen um. Dazu organisieren wir viele Meetings: zwischen diesen Experten, aber auch zwischen den Experten und der internationalen Gemeinschaft. Und wir erarbeiten Publikationen: sowohl um Fakten zur Verfügung zu stellen, als auch um policy recommendations zu geben für die internationale Gemeinschaft, für die jemenitische Regierung aber auch für andere Akteure, die die Lage im Jemen verbessern können.


Gruppenbild bei einem von CARPOs halbjährlichen Development Champions Forums, im Rahmen derer CARPO seit 2017 mit seinen Projektpartnern jemenitische Expert*Innen aus Wirtschaft und Entwicklung zur Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für nationale und internationale Akteure zusammenbringt

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere in Deinem Tätigkeitsfeld interessieren?

Marie-Christine Heinze: Also, ich denke, dass es erstens hilft, durch irgendeine Form von Zusammenarbeit mit Institutionen, durch Praktika oder durch kurze Residenzen sich ein Wissen über die Akteure im Feld zu erarbeiten. Zweitens ist ein gutes, inhaltliches Wissen von großem Vorteil. Also, in meinem Fall war das mein Wissen über den Jemen: Darüber habe ich promoviert, und ich habe viel mit jemenitischen Forschungsinstitutionen und auch mit anderen Akteuren aus dem Jemen zusammengearbeitet. Ich glaube, das ist der wichtigste Tipp, den ich geben kann: sich etwas zu suchen, was man wirklich spannend findet – darin wird man dann auch gut. Was vielleicht auch interessant ist: Ich habe Partner zum Beispiel beim YPC lange Zeit ohne finanzielle Gegenleistung unterstützt und mir dadurch die Netzwerke erarbeitet, mit denen ich jetzt arbeite.

Hattest Du das schon während der Dissertation das Ziel, einen eigenen Think Tank zu gründen?

Marie-Christine Heinze: Nein, nein. Ich wusste nicht, was ich danach machen würde. Es hat sich einfach während der Dissphase herauskristallisiert, dass ich viel Consultancy und Beratung gemacht habe. Vor Ende der Dissertation habe ich mir ein Forschungsprojekt an der Uni Bonn eingeworben: ein VW-Projekt, das ich mit dem YPC umgesetzt habe. Und eigentlich bin ich damals davon ausgegangen, dass ich mir solche Projekte an der Uni einwerben werde, weil ich das gut kann. Ein eigenes Forschungsinstitut zum Jemen: Das war ein Nebengedanke, kein konkreter Plan.

Marie, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

Gesendet von MChrist in Allgemein

Praktiker*innen im Gespräch #6

Veröffentlicht am 23. Juni 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 6

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Jette Prochnow-Furrer hat mit uns über ihre Tätigkeit im „Forum Migration“ gesprochen.


Jette als Doctoral Representative bei der Eröffnungsfeier der BGHS.

Jette, Du hast 2013 an der BGHS promoviert und arbeitest jetzt als DAF-Lehrerin in Visp. Im wunderschönen Kanton Wallis. Wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Jette Prochnow-Furrer: Den habe ich durch das Ehrenamt gefunden. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, wie sie damals genannt wurde, habe ich noch an der Uni gearbeitet. 2015 wurden auch hier in der Schweiz händeringend Leute gesucht, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten. Ganz besonders für den Bereich der Analphabet*innen. Weil man da in Kleingruppen arbeiten muss. Und ich habe ungelernt auf diesem Gebiet angefangen. Es wurde eine Freiwillige gesucht, die einer Lehrerin in einer Alphabetisierungsklasse assistieren sollte. So bin ich da reingerutscht. Für uns als Ehrenamtliche wurden dann Weiterbildungen angeboten. Und über diese Weiterbildungen habe ich mich immer mehr in diesem Bereich qualifiziert. Obwohl ich da erstmal nur ehrenamtlich tätig war. Aber ich habe daran immer mehr Freude gefunden und bin dann irgendwann hauptamtlich eingestiegen.

Wo arbeitest Du jetzt außerhalb der Universität?

Jette Prochnow-Furrer: Die Institution heißt „Forum Migration“. Das ist ein relativ kleiner Verein, der sich um die Anliegen von Migrant*innen kümmert: sowohl von Arbeitsmigrant*innen als auch von Flüchtlingen. Das Forum Migration bietet unterschiedliche Dienstleistungen an: eine Rechtsberatung, Hilfe bei der Wohnungsvermittlung, Hilfe bei der Arbeitssuche, Gesprächsgruppen und eben auch Sprachkurse. Das Forum Migration hat vom Kanton das Mandat für die Durchführung von Sprach- und Integrationskursen.


Jette im Gespräch mit Sprachkursteilnehmer*innen in Visp

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere in Deinem Beruf interessieren?

Jette Prochnow-Furrer: Wenn man sich dafür interessiert, nach der Promotion die Wissenschaft zu verlassen, würde ich generell zum einen empfehlen: Dass man damit anfängt, Weiterbildungen zu machen. Ich habe noch in der Uni gearbeitet, als ich ehrenamtlich angefangen habe, als Sprachlehrerin zu arbeiten. Und habe außerhalb der Uni einen Kurs zur Erwachsenenbildung absolviert. Das war inhaltlich gar nicht so verschieden von Hochschuldidaktikkursen in der Uni. Aber ich habe in diesem Kurs Leute von meinem späteren Arbeitgeber kennengelernt. Und ich habe mein Erscheinungsbild ein bisschen erweitert: Damit konnte ich zeigen, dass mein Leben nicht nur im Elfenbeinturm verlaufen ist. In der Schweiz ist es nämlich ganz egal, ob Du Yoga in der Volkshochschule oder Wirtschaftsdeutsch in der Sprachschule unterrichtest: Du musst den „Erwachsenenbildner“ haben. Mein zweiter Tipp ist, beim Ausstieg aus der Wissenschaft nicht darüber nachzudenken: Dafür hab ich jetzt doch nicht meinen Doktor gemacht! Ich würde eher sagen: Je früher man die Initiative ergreift, aus der Wissenschaft rauszukommen, desto kleiner ist das Risiko, zum arbeitslosen fünfzigjährigen Akademiker zu werden. Ich habe während meiner Dissertation wahnsinnig Spaß an der Wissenschaft gehabt. Da hätte ich überhaupt nichts anderes machen wollen. Aber es gibt immer noch andere Sachen, die einem genauso viel Spaß machen können. So talentfrei sind wir Promovierten ja auch wieder nicht.

Jette, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

Gesendet von MChrist in Allgemein

Welcome Day Sommersemester 2020

Veröffentlicht am 22. Juni 2020

Welcome Day Sommersemester 2020

:: 6 neue Doktorand*innen an der BGHS ::

Am Freitag, den 19. Juni, fand an der BGHS der Welcome Day im Sommersemester 2020 statt. Aufgrund Corona konnte die Veranstaltung dieses Semester leider nicht im Seminarraum mit anschließender Kaffeepause in der Lounge stattfinden. Die sechs neuen Promovierenden, ausschließlich Historiker*innen, wurden von BGHS-Geschäftsführerin Dr. Sabine Schäfer per Videokonferenz begrüßt. Trotz der ungewöhnlichen Umstände wünschen wir allen einen schönen Anfang der Promotion an der BGHS.

Die Präsentation des Welcome Days ist hier zu finden:

Komplettversion als PDF

 

Neue BGHS Promovierende und ihre Forschungsprojekte:

  • Olga Sabelfeld: Semantiken des Vergleichens in Parlamenten: Sozialpolitik als Stabilitätsbestreben und Veränderungsproduktion
  • Lukas Schmidt: Geschichten über Deutschland. Wechselwirkungen zwischen Nationskonzeption, Narration und Identitätskonstruktion in Deutschlanderzählungen
  • Catharina Wessing: Kolonial-landwirtschaftlicher Wissenstransfer in der Weimarer Republik
  • Maximilian Kucknat: Im Bann des 'fremden' Blickes. Ein Vergleich der Fremd-, Feind- und Selbstbildkonstruktionen in den ost- und westdeutschen Wochenschauen während der 50er und 60er Jahre
  • Ioannis Stavroulias: Localizing the Anthropocene: A History of Skouries and Attica through Residues from 1950 to the Present
  • Itxaso García Chapinal: Other Knowledges: A Decolonial Analysis of the Wixárika environmental Knowledge and its Shift through the Public Primary School since 1980
Weitere Informationen zu den neuen Promovierenden an der BGHS und ihren Forschungsprojekten sowie zu allen Promovierenden unter:
http://www.uni-bielefeld.de/bghs/Personen/Promovierende/
Gesendet von MChrist in Allgemein

BGHS Working Paper Series 6/2020

Veröffentlicht am 8. Juni 2020

Miriam Kanne, ehemaliges Mitglieder der BGHS Geschäftsstelle, hat in der BGHS Working Paper Series den Artikel "Von der Internationalisierung zur Internationalität? Über das Spannungsverhältnis zwischen Hochschulstrategie, Alltagsrealität und den Erwartungshorizonten internationaler Nachwuchswissenschaftler*innen: Start-up scholars an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS)" veröffentlicht.

Im Zuge der Internationalisierungsbemühungen deutscher Hochschulen und des kritischen Diskurses, der um dieses Thema geführt wird, gewinnt die Frage an Bedeutung, wie die strategischen Planungen von ‚Internationalisierung‘ im akademischen Alltag all derer aufgehen, die maßgeblicher Gegenstand der ‚Internationalität‘ sind: Wie und wo finden Incomings ihren Platz an deutschen Universitäten – zumal, wenn sie den Schritt vom Master-Studium zur Promotion tun wollen? Die Einschätzungen, die im Folgenden ob dieser Fragen getroffen werden, basieren auf den Bewertungen internationaler Master-Absolvent*innen der Soziologie und Geschichtswissenschaften, die im Rahmen des Stipendien-Programms „Start-up scholarships“ vier Monate lang an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) der Universität Bielefeld zu Gast waren, um hier den Übergang in die Promotion zu gestalten. (Abstract des Artikels)

Weitere Informationen über die BGHS Working Paper Series: (Link)
Direkter Zugriff auf den Artikel: (Link)

Gesendet von MChrist in Allgemein

Meinungsfreiheit und Wissenschaft

Veröffentlicht am 8. Juni 2020

In einem Interview auf der Webseite der Universität Bielefeld, sprechen Prof. Dr. Detlef Sack und Prof. Dr. Ursula Mense-Petermann über die Frage, wie mit Studierenden, bzw. Promovierenden, umgegangen werden soll/kann, die gegebenenfalls menschenfeindliche Äußerungen öffentlicht propagieren.

An der Universität Bielefeld studieren und promovieren einzelne Personen, die Verschwörungstheorien nahe stehen, oder sich in rechtsextremen Parteien engagieren, welche völkische und rassistische Positionen propagieren. Das ist auch aktuell an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld der Fall: Dort wird eine Debatte geführt über einen eingeschriebenen Promovenden, der sich in einer rechtsextremen Partei politisch exponiert. Für einige Diskutant*innen steht dabei die Frage im Raum: Darf er an der Universität Bielefeld ohne weiteres weiter studieren und promovieren, oder sollte man ihn aus dem hochschulinternen Wissenschaftsbetrieb ausgrenzen? Wie reagieren die Fakultät für Soziologie und die Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS), in der der entsprechende Promovend sein strukturiertes Promotionsstudium durchläuft, auf diese Frage? Ein Interview mit Professor Dr. Detlef Sack, Dekan der Fakultät für Soziologie (FfS), und Professorin Dr. Ursula Mense-Petermann, Direktorin der BGHS.

Zum kompletten Interview geht es hier: (Link).
Gesendet von MChrist in Allgemein

BGHS Working Paper Series 5/2020

Veröffentlicht am 27. Mai 2020

Melanie Eulitz, ehemaliges Mitglieder der BGHS Geschäftsstelle, hat in der BGHS Working Paper Series den Artikel "Übergang zur Promotion. Das Shortcuts-Programm der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) als Instrument zur Karriereplanung" veröffentlicht.

Der Übergang vom Studium zur Promotion lässt sich zugleich als Übergang von Studierenden zu Wissenschaftler*innen verstehen. Das Paper geht der Frage nach, wie dieser Übergang in Hochschulen gestaltet werden kann und welche Maßnahmen dabei für die angehenden Promovierenden hilfreich sind. Anhand des Shortcuts-Programms der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) wird die Verzahnung von finanzieller und inhaltlicher Unterstützung reflektiert. Dabei wird die Entscheidung zur Promotion als Prozess verstanden, der sowohl Information als auch Reflexion benötigt. Maßgeblich ist zudem der Austausch in der Gruppe, was anhand des Programmbausteins des Peer-Coachings diskutiert wird. (Abstract des Artikels)

Weitere Informationen über die BGHS Working Paper Series: (Link)
Direkter Zugriff auf den Artikel: (Link)

Gesendet von MChrist in Allgemein

Berichte aus der Praxis #1

Veröffentlicht am 27. Mai 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Berichte aus der Praxis #Teil 1


„Berichte aus der Praxis“ werden von Promovierenden geschrieben, die in Kooperation mit einer außeruniversitären Organisation ein Praxisprojekt konzipiert und durchgeführt haben. Die BGHS fördert diese Vorhaben seit 2020 mit Stipendien. Im ersten Teil der Reihe, spricht Yannick Schöpper über seine Studie zur Windenergie an Land.


Akzeptanz in der Fläche, Protest im Lokalen?
Studie zur Windenergie an Land von Yannick Schöpper

Das im Rahmen eines BGHS-Praxisstipendiums realisierte Projekt von Yannick Schöpper befasst sich mit einem aktuell kontrovers diskutierten Thema: der lokalen Akzeptanz von Windenergieanlagen an Land. Keine Debatte über Erneuerbare Energien scheint momentan ohne das Schlagwort der Akzeptanz auszukommen. Dies schlägt sich auch in diversen regulatorischen Justierungen seitens Bundes- und Landesgesetzgebern nieder, die explizit mit der Absicht verknüpft wurden, das lokale Akzeptanzniveau der Windenergie an Land zu erhöhen. Viel Beachtung fand in dieser Hinsicht das im Jahr 2016 verabschiedete „Bürger- und Gemeindebeteiligungsgesetz“ des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Das Beteiligungsgesetz verpflichtet Vorhabenträger zur finanziellen Beteiligung von Standortgemeinden und ortsansässigen Bürger*innen am Windenergieanlagenbetrieb – zum damaligen Zeitpunkt ein echtes Novum. Wie steht es heute, nach vier Jahren, um die Rezeption des Landesgesetzes? Dieser und anderer Fragen ist Yannick im Rahmen des Praxisstipendiums nachgegangen.


Das Projekt wurde in Kooperation mit der Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (AEE) durchgeführt. Die AEE leistet Überzeugungsarbeit für die Energiewende, wirbt für eine nachhaltige Energieversorgung und informiert über den Status quo der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Die Organisation finanziert sich durch Jahresbeiträge unterschiedlicher Verbände und Unternehmen der Erneuerbaren-Branche sowie durch projektbezogene Fördergelder. Darüber hinaus bietet sie verschiedene Dienstleistungen im Bereich des Veranstaltungsmanagements, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und des Grafikdesigns an. Die AEE verfolgt keine politische Agenda, sie agiert überparteilich und generationenübergreifend.

Hier geht es zur Studie: (Link).

Weitere Informationen über das Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind auf der BGHS Webseite zu finden: (Link).

Gesendet von MChrist in Allgemein

Neue Stipendien für Praxisprojekte

Veröffentlicht am 25. März 2020

Die BGHS stärkt promovierende Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen bei der je eigenen Karriereplanung und vergibt zum 1. September 2020 bis zu zwei Stipendien für Praxisprojekte. Die Stipendien für Praxisprojekte haben eine Laufzeit von drei Monaten. Bewerbungsschluss für Stipendien ist der 31. Mai 2020.

Stipendien für Praxisprojekte richten sich an Promovierende der BGHS und bieten die Gelegenheit, den je eigenen beruflichen Werdegang im Austausch mit Kolleg*innen zu diskutieren und zu planen – im Austausch sowohl mit Kolleg*innen aus der Universität als auch mit Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen, die einen Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben.

Die Ausschreibung zu Stipendien für Praxisprojekte ist hier zu finden (Link). Am 5. Mai um 14:15 Uhr findet in der BGHS-Lounge (X-B2-109) eine Infoveranstaltung statt. Weitere Informationen zu Praxisprojekten sind hier zu finden (Link).

Gesendet von MChrist in Allgemein

Let's talk! Praktiker*innen-Gespräch #5

Veröffentlicht am 13. Februar 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 2

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Karin Werner hat mit uns über ihre Tätigkeit als Verlegerin des Transcript Verlags gesprochen.


Karin Werner an ihrem Arbeitsplatz.

Karin, wenn Du Dich an die Anfänge von Transcript erinnerst: Wie ist die Idee entstanden, einen Verlag zu gründen?

Karin Werner: Also, die Idee lag schon lange in der Luft. Und Transcript war auch nicht das erste Unternehmen, das wir gegründet haben. Wir haben uns 1984 im Rechenzentrum der Uni kennengelernt: Roswitha Gost, Oliver Schönebäumer und ich. Roswitha und ich haben dort damals unsere Interviews transkribiert – damals hatte man noch keine PCs. Oliver hat Mathe studiert. Im Rechenzentrum waren die Plätze knapp und er wollte immer unsere Plätze haben. So haben wir uns kennengelernt. Es war so, dass wir alle unser Studium selbst finanzieren mussten; und Oliver war gerade dabei, zusammen mit einem Kommilitonen eine GmbH zu gründen. Ich brauchte Geld und habe gefragt, ob ich mitmachen kann. So fing das an, dass wir in dieser Firma unter anderem auch Buchsatz gemacht haben. Also, wir hatten Kontakt zu publizierenden Wissenschaftler*innen, und haben denen die Bücher gesetzt.

Zwischen 1990 und 1999 war ich dann zunächst mit einem Promotionsstipendium, später mit einem Habilitationsstipendium nochmal zehn Jahre an der Uni. Die GmbH und eine zweite Firma, die wir inzwischen gegründet hatten, liefen weiter. Nebenberuflich habe ich auch noch Musik produziert. 1999 gab es für mich eine Entscheidung: entweder eine Professur anzustreben oder die freelancer-Sachen intensiver zu betreiben. Ich habe mich entschieden, mit Roswitha und Oliver alle Eier in den Transcript-Korb zu legen. Und den Verlag, den wir 1997 als nunmehr dritte Firma und weitere Einnahmequelle gegründet hatten, zu professionalisieren. Also, wir hatten nie viel Geld – es reichte für uns – aber wir hatten sehr viel Know-how angesammelt. Auch wenn wirklich nicht alles von Erfolg gekrönt war.

Das ist die lange Vorgeschichte, von ein paar Youngsters, die 24 Jahre alt sind und ihre erste GmbH gründen. Ziemlich naiv. Die da aber auch lernen: Was heißt es, Kunden zu bedienen? Du musst Produkte entwickeln. Du musst eine Buchhaltung aufbauen. Du musst eine Firma als Finanzkonstrukt kennenlernen. Mit allen steuerlichen und rechtlichen Aspekten. Das war ab 1984 möglich – oder notwendig. 2000 haben wir dann aufgehört, auf vielen Töpfen zu kochen, und einen Cut gemacht: Wir haben Vertreter*innen akquiriert und eine professionelle Vertriebsstruktur aufgebaut; wir haben unsere ersten Praktikant*innen und unsere erste Vertrieblerin gewonnen. Und dann waren wir relativ schnell auf 50 oder 100 Neuerscheinungen im Jahr. Das ging dann relativ schnell.


Ein Blick auf die Webseite des Verlags.

Was haben der Transcript Verlag von vor 20 Jahren und der Transcript Verlag von heute gemeinsam?

Karin Werner: Transcript ist immer noch einer der ganz wenigen Verlage, die von Lektor*innen geleitet werden. Bei größeren Verlagen sitzen heute Betriebswirt*innen oder Kaufleute an der Spitze, und die Lektor*innen sind eher in der Position von Produktmanagern. Das heißt: Wir nehmen auch eine mäßige Kalkulation hin, wenn wir einen Titel unbedingt haben wollen und wenn wir meinen, dass der Titel für unser Programm und die wissenschaftliche Rezeptionsökologie gut ist. Das ist ein Zugang zum Publizieren, den es früher häufiger gab und der sehr selten geworden ist. Ich würde schätzen, dass 75 Prozent der Titel aus Anfragen an uns entstehen. Aber wir akquirieren auch Titel. Das heißt, wir regen Wissenschaft an und versuchen Wissenschaftler*innen davon zu überzeugen, dieses oder jenes Buch zu schreiben. Diese aktive Entwicklung des Programms ist, glaub ich, unser schlagendes Herz. Ich glaube nicht, dass man dabei immer nur Bestseller akquiriert. Aber davon werden wir nicht ablassen. Also, uns geht es gut, aber wir sind bescheiden.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie bzw. Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere im Verlagswesen interessieren?

Karin Werner: Wenn man im Lektorat oder einer Programmabteilung arbeiten möchte, sollte man über die Fähigkeit verfügen, Texte schreiben, bearbeiten und lesen zu können. Man sollte keine Berührungsängste mit Software haben. Man sollte Deutsch und Englisch fließend in Wort und Schrift beherrschen. Was aber, glaub ich, für einen professionellen Werdegang generell wichtig ist: Dass man sich selbst und seine eigenen Arbeitsmethoden gut kennt. Zum Beispiel Leute, die wissen: Ich bin eher ein langsamerer aber auch ein gründlicher Typ – das sind die idealen Korrektor*innen. Um aber zum Beispiel eine gute Programmperson zu sein, musst Du dagegen die Fähigkeit haben, aus einer vorhandenen Menge an Büchern Ideen zu entwickeln. Oder: Ich kann gut teams organisieren und das macht mir Freude. Diese Fähigkeiten waren nach meiner Erinnerung in dem Graduiertenkolleg, in dem ich war, nie Thema. Und ich würde mir wünschen, dass diese Reflexion – diese Dinge liegen mir, jene nicht – in der Vorbereitung einer professionellen Laufbahn auch in der Universität mehr zur Sprache käme.

Karin, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Let's talk! Praktiker*innen-Gespräch #4

Veröffentlicht am 15. Januar 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 4

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Linda Groß hat mit uns über ihre über ihre Tätigkeit im Service Center für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Bielefeld gesprochen.


Die Homepage des Servicecenters der Uni Bielefeld

Wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Linda Groß: Der Einstieg ging ganz klassisch über eine Bewerbung. Die Stelle war hier an der Uni ausgeschrieben. Das traf sich ganz gut, denn ich hatte kurz vorher meine Dissertation verteidigt. Das war der Berufswechsel: von der Promotion an der BGHS zur Stelle hier. Ich habe mich bei meinen Bewerbungen damals auf Stellen im Wissenschaftsmanagement konzentriert – und es gab ein paar Stellen, bei denen ich merkte, dass mein Profil passt. Was ein ganz gutes Gefühl war, weil ich eigentlich erst mit der Abgabe der Dissertation angefangen habe, zu suchen.

Wo arbeitest Du jetzt innerhalb oder außerhalb der Universität?

Linda Groß: Ja, also, außeruniversitär: Das passt gar nicht so richtig zu meiner Arbeitsstelle hier in der Uni. Ich arbeite als Referentin im Service Center für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wir sind dem Dezernat für Forschungsförderung und Transfer (FFT) sowie dem Prorektorat für Forschung, wissenschaftlichem Nachwuchs und Gleichstellung zugeordnet. FFT ist die Schnittstelle zwischen Wissenschaftler*innen und Rektorat, und in diesem Zusammenhang beraten wir bei der Beantragung und Abwicklung von Drittmitteln, die von Nachwuchswissenschaftler*innen beantragt werden, aber auch von erfahrenen Wissenschaftler*innen, die ein Graduiertenprogramm – etwa ein DFG Graduiertenkolleg – einwerben wollen.

Als Forschungsreferent*innen unterstützen wir die Wissenschaftler*innen und dezentralen Verwaltungen insbesondere dabei, den jeweiligen Anforderungen der Förderorganisationen gerecht zu werden. Für das Prorektorat besteht meine Arbeit in der Koordination von fachübergreifenden Angeboten und Strukturen, um Nachwuchswissenschaftler*innen bei der Entwicklung ihrer wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen. Dazu zählen auch Informationsveranstaltungen und Förderinstrumente, die wir als Service Center für den wissenschaftlichen Nachwuchs selbst anbieten.


Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Foto: Thomas Abel

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie und Geschichtswissenschaft, die sich für einen Einstieg in Dein Berufsfeld interessieren?

Linda Groß: Mein Tipp ist, die Promotion nicht zu instrumentell wahrzunehmen – das wäre der Fall, wenn ich das Thema so wähle, dass ich damit auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe. Ich finde, das Wichtigste ist, zunächst den eigenen Interessen zu folgen und sich damit eine gute motivationale Voraussetzung zu schaffen, um einerseits die Promotionsphase zu meistern und andererseits dort hinzukommen, wo man auch sein will. Und wenn ich während der Promotion merke, Wissenschaft als System interessiert mich und ich kann mir eine Arbeit in einer wissenschaftsunterstützenden Funktion vorstellen, dann würde ich mir überlegen, wie ich mir die nötigen Einstiegsskills aneigne. Über ein informelles Gespräch mit Personen, die in diesem Feld bereits arbeiten, kann ich beispielsweise Arbeitsmarktwissen erlangen und mich beraten lassen, welche Kompetenzen ich mir noch wie aneignen kann

Es gibt mittlerweile auch sehr viele berufsbegleitende Weiterbildungsangebote für das Wissenschaftsmanagement, die zeigen, dass sich das Feld zunehmend professionalisiert. Hier würde ich im Einzelfall jedoch genau prüfen, ob diese einen Mehrwert darstellen oder man nicht schon durch seine wissenschaftliche Praxis ausreichend Wissen und Erfahrung mitbringt und alles weitere „on the job“ erwerben kann. Aber ich würde erst einmal beim persönlichen Interesse anfangen. Ich bin davon überzeugt, dass mir genau das später bei der Suche nach einem Job hilft.

Linda, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Let's talk! Praktiker*innen-Gespräch #3

Veröffentlicht am 11. Dezember 2019

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 3

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Hans-Walter Schmuhl hat mit uns über seine Tätigkeit als freiberuflicher Historiker gesprochen.


Hans Walter Schmuhl an seinem Arbeitsplatz.

Herr Schmuhl, wenn Sie sich an Ihren Einstieg in Ihren Beruf als freiberuflicher Historiker erinnern: Wie haben Sie den Einstieg gefunden?

Hans-Walter Schmuhl: Das war in der Phase, als ich die Habilitation abgeschlossen hatte und Privatdozent war. Dann geht ja die Ochsentour los: Dass man sich auf Lehrstühle bewirbt. Das ist zunächst eine ziemlich frustrierende Angelegenheit. Weil das eine ganze Weile dauert, bis man mal eingeladen wird. Und dann darf man vorsingen. Man könnte salopp sagen: Ich hab die Geduld verloren. Weil es eine Lebensphase ist: Da ist man eigentlich im besten Alter – Ende dreißig, Anfang vierzig – und möchte eigentlich inhaltlich arbeiten. Aber im Grunde genommen fühlt man sich wie in einer Art Warteraum. Und man weiß nicht genau, wie es ausgehen wird: Welche Tür öffnet sich? Bekommt man einen Lehrstuhl oder sonst irgendeine feste Stelle mit Pensionsberechtigung? Oder ist das letztendlich eine Sackgasse? Und muss man sich am Ende doch ganz neu orientieren?

Und in dieser Situation hab ich mich entschieden – sehr aktiv entschieden. Der konkrete Hintergrund war, dass ich ein Angebot hatte, im Wissenschaftsbetrieb zu arbeiten. Ich hab das Angebot aber nicht angenommen. Weil das eine Stelle gewesen wäre, wo es nur um Wissenschaftsmanagement gegangen wäre. Und ich bin Forscher: Ich will selber forschen. Und das hab ich zum Anlass genommen, schon länger erwogene Pläne zu verwirklichen, und zu sagen: Jetzt gehe ich in die Selbständigkeit. Und ich mache eine ganz offensive Informationspolitik: Ich sage das allen Leuten. Das war damals ein Sprung ins Ungewisse, weil das nur sehr wenige Kolleginnen und Kollegen machten. Es gab irgendwie noch keine Anhaltspunkte, wie das ist: mit der Akquise von Aufträgen; ob sich das letztlich rechnet; und wie man kalkuliert. Also, im Grunde genommen: Das war ein Anfang mit ganz vielen Fragezeichen.

Als freiberuflicher Historiker arbeiten Sie seit 20 Jahren im Auftrag von verschiedensten Organisationen. Wenn Sie es am Beispiel eines Ihrer laufenden Projekte beschreiben: Was ist ein typischer Ablauf eines solchen Projekts?

Hans-Walter Schmuhl: Am Anfang muss ein Interesse bestehen. Also, der Auftraggeber muss auf die Idee kommen, einen Auftrag zu erteilen. Ein typisches Muster zeigt sich in einem meiner laufenden Projekte im Bereich der Diakoniegeschichte: Der Anlass ist eine Skandalisierung. Es hat Presseberichte gegeben, dass es in Einrichtungen dieses Trägers in den fünfziger, sechziger Jahren zu gewalttätigen Übergriffen gekommen ist; und dass es zumindest in einem Fall eine Arzneimittelprüfung gegeben hat, die in einer rechtlichen Grauzone sich bewegte. Und das ist natürlich für ein Unternehmen, auch für ein diakonisches Unternehmen, eine Frage des Images, zu sagen: Gut, wir beauftragen unabhängige Forscher*innen. Die sollen das untersuchen. Auf unsere Kosten. Und dann stellen wir uns unserer Verantwortung.

Also, da war das Interesse da. Dann ist die Frage: Wie kommen Auftraggeber und Auftragnehmer zusammen? Und das war in diesem Fall ziemlich einfach, weil unser Team, in dem wir den Auftrag durchführen: Wir haben vorher zu einer anderen Einrichtung gearbeitet, die in die Schlagzeilen geraten war. Das haben wir gut hinbekommen, obwohl die vorangegangene Presseberichterstattung zu einer angespannten Atmosphäre zwischen der Einrichtung, Betroffenen und ihren Fürsprechern geführt hatte. Am Ende wurden unsere Ergebnisse von allen Seiten anerkannt. Und dann hat der neue Auftraggeber gesagt: Könnt Ihr das für uns auch machen? Das ist typisch. Dann tritt man in Verhandlungen ein und muss den Vertrag abschließen.

Wir haben für uns drei Eckpunkte guter wissenschaftlicher Praxis definiert, auf denen wir bei der Vertragsgestaltung unbedingt beharren: Erstens, dass uns der Auftraggeber inhaltlich keine Vorgaben machen kann. Zweitens, es muss einen uneingeschränkten Zugang zu den Quellen des Auftraggebers geben. Und drittens, es darf keinen Publikationsvorbehalt geben. Das handhaben wir anders als manche Kollegen im Bereich der Wirtschaftsgeschichte. Unternehmen geben häufig die Darstellung ihrer eigenen Geschichte in Auftrag und halten im Vertrag fest: Sie nehmen das Werk ab. In diesen Fällen entscheidet der Auftraggeber, ob das Werk publiziert wird oder ob es zum internen Gebrauch in die Schublade gelegt wird. Und da haben wir entschieden: Das machen wir nicht. Was wir erforschen und schriftlich niederlegen, muss auch publiziert werden. Das ist ein Punkt, an dem manchmal Verträge scheitern.

Allerdings: Wenn wir das nicht so sauber durchziehen würden, dann hätte der Auftraggeber keinen Nutzen davon. Wenn am Ende steht: „Die haben rausgefunden: Es war so und so. Und vielleicht: Manches war nicht so schlimm, wie ursprünglich befürchtet worden war. Dann heißt es leicht: Aber das ist ja Auftragsforschung.“ Und die öffentliche Debatte geht weiter. Wenn wir unser Buch mit den Befunden unserer unabhängigen Forschung schließlich auf einer Pressekonferenz vorlegen, findet die Diskussion in den Medien normalerweise ein Ende. Und das liegt natürlich auch im Interesse des Auftraggebers. Das heißt nicht, dass das Thema damit erledigt ist: gemeinsam mit Betroffenen wird nach Möglichkeiten gesucht, erlittenes Leid zu entschädigen, in internen Fortbildungen werden die historischen Befunde an die Mitarbeiterschaft vermittelt, auch in aktuellen Leitbildprozessen spielen sie mitunter eine Rolle.


Hans-Walter Schmuhl am Podium im Kontext einer Veranstaltungsreihe.

Welche Tipps haben Sie für Historiker*innen, die in Erwägung ziehen, sich selbständig zu machen?

Hans-Walter Schmuhl: Also, das A und O ist: vernetzen, vernetzen, vernetzen. Auf allen Ebenen. Ich würde Studierenden immer raten: Schreiben Sie ruhig Wissenschaftler*innen an, die in dem Themenfeld arbeiten, in dem sie Ihre Abschlussarbeit schreiben. Schlimmstenfalls bekommen Sie keine Antwort. Im besten Fall machen Sie schon mal jemanden auf sich aufmerksam. Wenn man in der Promotionsphase ist: nicht verkriechen. Auf Konferenzen gehen. Auf Workshops gehen. Also, je mehr Leute man kennt, in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, umso besser. Also, eine schematische Akquise, nach dem Motto: So, ich bin jetzt da. Keiner kennt mich. Aber ich mach jetzt ein ganz tolles Werbeprospekt und schreib alle an: Das bringt erfahrungsgemäß so gut wie nichts. Das läuft umgekehrt: Dass Ihr Name bekannt ist und Sie angesprochen werden.

Zweitens würde ich empfehlen, das eigene Arbeitsfeld nicht zu eng definieren. Wenn man ein Thema hat, auf das man sich ganz fokussiert hat, und das, sagen wir mal, noch ein bisschen verstiegen ist: Damit kann man nichts machen. Dann muss man sich mühsam in andere Felder einarbeiten. Und drittens: Ja, es ist eben eine Sache der Einstellung. Also, wenn man für sein Leben gerne im Archiv rumschnüffelt, das dann hinterher aufschreibt und das einem was gibt: Dann hat man die richtige Motivation, das zu machen. Wenn man sagt: Ich möchte gerne von 9 bis 17 Uhr arbeiten. Dann hätte ich gerne Feierabend. Und wichtig ist mir: Wochenende. Dann ist man als Selbständiger, egal in welcher Branche, fehl am Platze.

Herr Schmuhl, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Research Retreat 2019 - Report

Veröffentlicht am 26. November 2019

:: Research Retreat 2019 ::

Bericht aus Vlotho

Ein Wochenende rauskommen aus dem Alltag und die Gelegenheit, sich intensiv mit anderen Promovierenden der BGHS über Dissertationsprojekte auszutauschen: Das ist der Research Retreat.

Vom 22. bis 23. November fand der Research Retreat 2019 in Vlotho statt. 21 Promovierende nutzten die Gelegenheit, um ihre Dissertationsprojekte vorzustellen und zu diskutieren. Neben den neuen Kolleg*innen nahmen Prof. Dr. Ursula Mense-Petermann, Prof. Dr. Peter Kramper und Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen an den Diskussionen und Projektvorstellungen teil.


Die Teilnehmer*innen des Research Retreats mit Peter Kramper, Ursula Mense-Petermann und Oliver Flügel-Martinsen. Alle Fotos: Hannah Grüneberg

Das BGHS-spezifische Format dient dazu, Nachwuchswissenschaftler*innen, die in diesem Jahr ihr Promotionsstudium begonnen haben, zu vernetzen und die Entwicklung ihrer Projekte zu unterstützen.

Dabei werden die Gruppen gemischt zusammengesetzt: Soziolog*innen treffen auf Historiker*innen und lernen so gleichzeitig interdisziplinäre Zugänge, theoretische Rahmungen und Methoden der jeweils anderen Fachrichtung kennen.

Wir haben mit Filip Vukusa über seine Erfahrung des Research Retreats gesprochen.

Filip, wie hast du den Research Retreat erlebt?

Für mich war es eine großartige Gelegenheit, mehr über die Projekte von Kolleg*innen aus verschiedenen Disziplinen zu erfahren und wertvolles Feedback und Einblicke aus mir neuen, frischen Perspektiven zu erhalten. Es war interessant zu sehen, dass unabhängig von der Disziplin jede*r von uns zu Beginn mit ähnlichen Hürden konfrontiert zu sein scheint.

Was war für dich das Besondere am Konzept des Research Retreats?

Die Tatsache, dass der Research Retreat über einen Zeitraum von zwei Tagen an einem entfernten Ort stattfindet, ist wirklich wichtig! Allein diese Zeit miteinander zu verbringen, war ein Bonus an sich.

Die offene und freundliche Atmosphäre bot allen die Möglichkeit, nicht nur über Forschung zu diskutieren, sondern sich auch kennenzulernen und über Dinge zu sprechen, die normalerweise in einem formelleren und zeitlich begrenzteren Umfeld selten auftauchen würden. Alles in allem war es eine wirklich tolle Erfahrung.

Danke für deinen Bericht, Filip!

Die Dissertationsprojekte der Teilnehmenden:


  • Aziz Mensah (Soziologie): The Association between Work-Life Balance and Self-Reported Health among Working. Adults in European Welfare States: A gender and Cross-Country Analysis
  • Alice Farneti (Soziologie): The Politics against Sexual Violence in Academia: A Qualitative Study of Institutional Continuity and Change in Quebecer Universities
  • Moynul Haque (Soziologie):Civil Resistance in Bangladesh: A Study on Student Dimension of Protest Movements
  • Ngoc Luong (Soziologie): Moral Struggles and Politics of Care under Market Socialism: Provision welfare for migrant workers in global factories in Vietnam
  • Abdul Rauf (Soziologie):Boundary (un)making by youth refugees in urban spaces
  • Anass Khayati (Soziologie): To see a World in a Grain of Sand: The Geopolitics of Learning at a German Public University
  • Valentina Rivera (Soziologie): Changes in gender role attitudes and female employment: a comparative study in Chile and Germany
  • Aristeidis Myriskos (Soziologie): From inclusive to equal European public spheres: bringing the theories of feminism and agonistic pluralism back in
  • Sinmi Akin-Aina (Soziologie): Claiming ‘gray space’, re-framing rights: Citizenship, Regional Political Intervention, and Urban Refugees in Dar es Salaam
  • Filip Vukusa (Geschichte): (Re)Constructing Urban Medieval Social Networks: A Comparative Study of 14th Century Populations of Zadar and Rab
  • Zhenwei Wang (Soziologie):Patriarchy in Domestic Spaces in Late-Socialist China: An Ethnography on Young Couples’ Family Life during the Festival. Reunions in Yangtze River Delta
  • Yueran Tian (Soziologie): Restructuring welfare and care: an ethnographic study of vocational training and migrant factory workers in post-socialist China
  • Abel Zekarias (Soziologie): Migrants’ Remittances and Rural Livelihood: Concomitant considerately? Evidences from the Rural Ethiopia
  • Olga Olkheft (Geschichte): Re-conception of Russian Avant-Garde art in the context of Cultural Cold War (1960s - 1980s)
  • Priska Cimbal (Soziologie): Transformation von Handlungsräumen
  • Cansu Erdogan (Soziologie): Development of Long-Term Care Policies in Turkey: (Inter)national Actors, Policy Diffusion and Translation
  • Lisa de Vries (Soziologie): Die Arbeitsmarktsituation von Homosexuellen: Benachteiligung und Diskriminierung im Erwerbsverlauf
  • Simon Groß (Geschichte): Helmut Schelsky und das soziologische Feld der Bundesrepublik
  • Anna Grotegut (Geschichte): Besteuerung von städtischen Immobilien. Bewertungs- und Vergleichspraktiken in Deutschland und Großbritannien 1870–1950.
  • Malin Houben (Soziologie): Die gynäkologische Praxis. Eine ethnographische Untersuchung.
  • Nele Weiher (Soziologie): Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Zur Identitätsherstellung von Trans* im Rahmen von Flucht.

Weitere Informationen zum Programm der BGHS:

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Kategorie Hinweis

Auf dieser Seite werden nur die der Kategorie Allgemein zugeordneten Blogeinträge gezeigt.

Wenn Sie alle Blogeinträge sehen möchten klicken Sie auf: Startseite

Kalender

« August 2020
MoDiMiDoFrSaSo
     
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
      
Heute

Newsfeeds