Hintergrundbild

BGHS.AKTUELL

Let's talk! Praktiker*innen-Gespräch #3

Veröffentlicht am 11. Dezember 2019

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 3

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Hans-Walter Schmuhl hat mit uns über seine Tätigkeit als freiberuflicher Historiker gesprochen.


Hans Walter Schmuhl an seinem Arbeitsplatz.

Herr Schmuhl, wenn Sie sich an Ihren Einstieg in Ihren Beruf als freiberuflicher Historiker erinnern: Wie haben Sie den Einstieg gefunden?

Hans-Walter Schmuhl: Das war in der Phase, als ich die Habilitation abgeschlossen hatte und Privatdozent war. Dann geht ja die Ochsentour los: Dass man sich auf Lehrstühle bewirbt. Das ist zunächst eine ziemlich frustrierende Angelegenheit. Weil das eine ganze Weile dauert, bis man mal eingeladen wird. Und dann darf man vorsingen. Man könnte salopp sagen: Ich hab die Geduld verloren. Weil es eine Lebensphase ist: Da ist man eigentlich im besten Alter – Ende dreißig, Anfang vierzig – und möchte eigentlich inhaltlich arbeiten. Aber im Grunde genommen fühlt man sich wie in einer Art Warteraum. Und man weiß nicht genau, wie es ausgehen wird: Welche Tür öffnet sich? Bekommt man einen Lehrstuhl oder sonst irgendeine feste Stelle mit Pensionsberechtigung? Oder ist das letztendlich eine Sackgasse? Und muss man sich am Ende doch ganz neu orientieren?

Und in dieser Situation hab ich mich entschieden – sehr aktiv entschieden. Der konkrete Hintergrund war, dass ich ein Angebot hatte, im Wissenschaftsbetrieb zu arbeiten. Ich hab das Angebot aber nicht angenommen. Weil das eine Stelle gewesen wäre, wo es nur um Wissenschaftsmanagement gegangen wäre. Und ich bin Forscher: Ich will selber forschen. Und das hab ich zum Anlass genommen, schon länger erwogene Pläne zu verwirklichen, und zu sagen: Jetzt gehe ich in die Selbständigkeit. Und ich mache eine ganz offensive Informationspolitik: Ich sage das allen Leuten. Das war damals ein Sprung ins Ungewisse, weil das nur sehr wenige Kolleginnen und Kollegen machten. Es gab irgendwie noch keine Anhaltspunkte, wie das ist: mit der Akquise von Aufträgen; ob sich das letztlich rechnet; und wie man kalkuliert. Also, im Grunde genommen: Das war ein Anfang mit ganz vielen Fragezeichen.

Als freiberuflicher Historiker arbeiten Sie seit 20 Jahren im Auftrag von verschiedensten Organisationen. Wenn Sie es am Beispiel eines Ihrer laufenden Projekte beschreiben: Was ist ein typischer Ablauf eines solchen Projekts?

Hans-Walter Schmuhl: Am Anfang muss ein Interesse bestehen. Also, der Auftraggeber muss auf die Idee kommen, einen Auftrag zu erteilen. Ein typisches Muster zeigt sich in einem meiner laufenden Projekte im Bereich der Diakoniegeschichte: Der Anlass ist eine Skandalisierung. Es hat Presseberichte gegeben, dass es in Einrichtungen dieses Trägers in den fünfziger, sechziger Jahren zu gewalttätigen Übergriffen gekommen ist; und dass es zumindest in einem Fall eine Arzneimittelprüfung gegeben hat, die in einer rechtlichen Grauzone sich bewegte. Und das ist natürlich für ein Unternehmen, auch für ein diakonisches Unternehmen, eine Frage des Images, zu sagen: Gut, wir beauftragen unabhängige Forscher*innen. Die sollen das untersuchen. Auf unsere Kosten. Und dann stellen wir uns unserer Verantwortung.

Also, da war das Interesse da. Dann ist die Frage: Wie kommen Auftraggeber und Auftragnehmer zusammen? Und das war in diesem Fall ziemlich einfach, weil unser Team, in dem wir den Auftrag durchführen: Wir haben vorher zu einer anderen Einrichtung gearbeitet, die in die Schlagzeilen geraten war. Das haben wir gut hinbekommen, obwohl die vorangegangene Presseberichterstattung zu einer angespannten Atmosphäre zwischen der Einrichtung, Betroffenen und ihren Fürsprechern geführt hatte. Am Ende wurden unsere Ergebnisse von allen Seiten anerkannt. Und dann hat der neue Auftraggeber gesagt: Könnt Ihr das für uns auch machen? Das ist typisch. Dann tritt man in Verhandlungen ein und muss den Vertrag abschließen.

Wir haben für uns drei Eckpunkte guter wissenschaftlicher Praxis definiert, auf denen wir bei der Vertragsgestaltung unbedingt beharren: Erstens, dass uns der Auftraggeber inhaltlich keine Vorgaben machen kann. Zweitens, es muss einen uneingeschränkten Zugang zu den Quellen des Auftraggebers geben. Und drittens, es darf keinen Publikationsvorbehalt geben. Das handhaben wir anders als manche Kollegen im Bereich der Wirtschaftsgeschichte. Unternehmen geben häufig die Darstellung ihrer eigenen Geschichte in Auftrag und halten im Vertrag fest: Sie nehmen das Werk ab. In diesen Fällen entscheidet der Auftraggeber, ob das Werk publiziert wird oder ob es zum internen Gebrauch in die Schublade gelegt wird. Und da haben wir entschieden: Das machen wir nicht. Was wir erforschen und schriftlich niederlegen, muss auch publiziert werden. Das ist ein Punkt, an dem manchmal Verträge scheitern.

Allerdings: Wenn wir das nicht so sauber durchziehen würden, dann hätte der Auftraggeber keinen Nutzen davon. Wenn am Ende steht: „Die haben rausgefunden: Es war so und so. Und vielleicht: Manches war nicht so schlimm, wie ursprünglich befürchtet worden war. Dann heißt es leicht: Aber das ist ja Auftragsforschung.“ Und die öffentliche Debatte geht weiter. Wenn wir unser Buch mit den Befunden unserer unabhängigen Forschung schließlich auf einer Pressekonferenz vorlegen, findet die Diskussion in den Medien normalerweise ein Ende. Und das liegt natürlich auch im Interesse des Auftraggebers. Das heißt nicht, dass das Thema damit erledigt ist: gemeinsam mit Betroffenen wird nach Möglichkeiten gesucht, erlittenes Leid zu entschädigen, in internen Fortbildungen werden die historischen Befunde an die Mitarbeiterschaft vermittelt, auch in aktuellen Leitbildprozessen spielen sie mitunter eine Rolle.


Hans-Walter Schmuhl am Podium im Kontext einer Veranstaltungsreihe.

Welche Tipps haben Sie für Historiker*innen, die in Erwägung ziehen, sich selbständig zu machen?

Hans-Walter Schmuhl: Also, das A und O ist: vernetzen, vernetzen, vernetzen. Auf allen Ebenen. Ich würde Studierenden immer raten: Schreiben Sie ruhig Wissenschaftler*innen an, die in dem Themenfeld arbeiten, in dem sie Ihre Abschlussarbeit schreiben. Schlimmstenfalls bekommen Sie keine Antwort. Im besten Fall machen Sie schon mal jemanden auf sich aufmerksam. Wenn man in der Promotionsphase ist: nicht verkriechen. Auf Konferenzen gehen. Auf Workshops gehen. Also, je mehr Leute man kennt, in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, umso besser. Also, eine schematische Akquise, nach dem Motto: So, ich bin jetzt da. Keiner kennt mich. Aber ich mach jetzt ein ganz tolles Werbeprospekt und schreib alle an: Das bringt erfahrungsgemäß so gut wie nichts. Das läuft umgekehrt: Dass Ihr Name bekannt ist und Sie angesprochen werden.

Zweitens würde ich empfehlen, das eigene Arbeitsfeld nicht zu eng definieren. Wenn man ein Thema hat, auf das man sich ganz fokussiert hat, und das, sagen wir mal, noch ein bisschen verstiegen ist: Damit kann man nichts machen. Dann muss man sich mühsam in andere Felder einarbeiten. Und drittens: Ja, es ist eben eine Sache der Einstellung. Also, wenn man für sein Leben gerne im Archiv rumschnüffelt, das dann hinterher aufschreibt und das einem was gibt: Dann hat man die richtige Motivation, das zu machen. Wenn man sagt: Ich möchte gerne von 9 bis 17 Uhr arbeiten. Dann hätte ich gerne Feierabend. Und wichtig ist mir: Wochenende. Dann ist man als Selbständiger, egal in welcher Branche, fehl am Platze.

Herr Schmuhl, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Research Retreat 2019 - Report

Veröffentlicht am 26. November 2019

:: Research Retreat 2019 ::

Bericht aus Vlotho

Ein Wochenende rauskommen aus dem Alltag und die Gelegenheit, sich intensiv mit anderen Promovierenden der BGHS über Dissertationsprojekte auszutauschen: Das ist der Research Retreat.

Vom 22. bis 23. November fand der Research Retreat 2019 in Vlotho statt. 21 Promovierende nutzten die Gelegenheit, um ihre Dissertationsprojekte vorzustellen und zu diskutieren. Neben den neuen Kolleg*innen nahmen Prof. Dr. Ursula Mense-Petermann, Prof. Dr. Peter Kramper und Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen an den Diskussionen und Projektvorstellungen teil.


Die Teilnehmer*innen des Research Retreats mit Peter Kramper, Ursula Mense-Petermann und Oliver Flügel-Martinsen. Alle Fotos: Hannah Grüneberg

Das BGHS-spezifische Format dient dazu, Nachwuchswissenschaftler*innen, die in diesem Jahr ihr Promotionsstudium begonnen haben, zu vernetzen und die Entwicklung ihrer Projekte zu unterstützen.

Dabei werden die Gruppen gemischt zusammengesetzt: Soziolog*innen treffen auf Historiker*innen und lernen so gleichzeitig interdisziplinäre Zugänge, theoretische Rahmungen und Methoden der jeweils anderen Fachrichtung kennen.

Wir haben mit Filip Vukusa über seine Erfahrung des Research Retreats gesprochen.

Filip, wie hast du den Research Retreat erlebt?

Für mich war es eine großartige Gelegenheit, mehr über die Projekte von Kolleg*innen aus verschiedenen Disziplinen zu erfahren und wertvolles Feedback und Einblicke aus mir neuen, frischen Perspektiven zu erhalten. Es war interessant zu sehen, dass unabhängig von der Disziplin jede*r von uns zu Beginn mit ähnlichen Hürden konfrontiert zu sein scheint.

Was war für dich das Besondere am Konzept des Research Retreats?

Die Tatsache, dass der Research Retreat über einen Zeitraum von zwei Tagen an einem entfernten Ort stattfindet, ist wirklich wichtig! Allein diese Zeit miteinander zu verbringen, war ein Bonus an sich.

Die offene und freundliche Atmosphäre bot allen die Möglichkeit, nicht nur über Forschung zu diskutieren, sondern sich auch kennenzulernen und über Dinge zu sprechen, die normalerweise in einem formelleren und zeitlich begrenzteren Umfeld selten auftauchen würden. Alles in allem war es eine wirklich tolle Erfahrung.

Danke für deinen Bericht, Filip!

Die Dissertationsprojekte der Teilnehmenden:


  • Aziz Mensah (Soziologie): The Association between Work-Life Balance and Self-Reported Health among Working. Adults in European Welfare States: A gender and Cross-Country Analysis
  • Alice Farneti (Soziologie): The Politics against Sexual Violence in Academia: A Qualitative Study of Institutional Continuity and Change in Quebecer Universities
  • Moynul Haque (Soziologie):Civil Resistance in Bangladesh: A Study on Student Dimension of Protest Movements
  • Ngoc Luong (Soziologie): Moral Struggles and Politics of Care under Market Socialism: Provision welfare for migrant workers in global factories in Vietnam
  • Abdul Rauf (Soziologie):Boundary (un)making by youth refugees in urban spaces
  • Anass Khayati (Soziologie): To see a World in a Grain of Sand: The Geopolitics of Learning at a German Public University
  • Valentina Rivera (Soziologie): Changes in gender role attitudes and female employment: a comparative study in Chile and Germany
  • Aristeidis Myriskos (Soziologie): From inclusive to equal European public spheres: bringing the theories of feminism and agonistic pluralism back in
  • Sinmi Akin-Aina (Soziologie): Claiming ‘gray space’, re-framing rights: Citizenship, Regional Political Intervention, and Urban Refugees in Dar es Salaam
  • Filip Vukusa (Geschichte): (Re)Constructing Urban Medieval Social Networks: A Comparative Study of 14th Century Populations of Zadar and Rab
  • Zhenwei Wang (Soziologie):Patriarchy in Domestic Spaces in Late-Socialist China: An Ethnography on Young Couples’ Family Life during the Festival. Reunions in Yangtze River Delta
  • Yueran Tian (Soziologie): Restructuring welfare and care: an ethnographic study of vocational training and migrant factory workers in post-socialist China
  • Abel Zekarias (Soziologie): Migrants’ Remittances and Rural Livelihood: Concomitant considerately? Evidences from the Rural Ethiopia
  • Olga Olkheft (Geschichte): Re-conception of Russian Avant-Garde art in the context of Cultural Cold War (1960s - 1980s)
  • Priska Cimbal (Soziologie): Transformation von Handlungsräumen
  • Cansu Erdogan (Soziologie): Development of Long-Term Care Policies in Turkey: (Inter)national Actors, Policy Diffusion and Translation
  • Lisa de Vries (Soziologie): Die Arbeitsmarktsituation von Homosexuellen: Benachteiligung und Diskriminierung im Erwerbsverlauf
  • Simon Groß (Geschichte): Helmut Schelsky und das soziologische Feld der Bundesrepublik
  • Anna Grotegut (Geschichte): Besteuerung von städtischen Immobilien. Bewertungs- und Vergleichspraktiken in Deutschland und Großbritannien 1870–1950.
  • Malin Houben (Soziologie): Die gynäkologische Praxis. Eine ethnographische Untersuchung.
  • Nele Weiher (Soziologie): Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Zur Identitätsherstellung von Trans* im Rahmen von Flucht.

Weitere Informationen zum Programm der BGHS:

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Let's talk! Praktiker*innen-Gespräch #2

Veröffentlicht am 19. November 2019

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 2

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Michael Siedenhans hat mit uns über seine Tätigkeit als Chefredakteur bei TERRITORY Content to Results GmbH gesprochen.


Michael Siedenhans im Interview mit Pelé im Jahr 2004.

Herr Siedenhans, Sie sind Chefredakteur. Wo arbeiten Sie genau?

Michael Siedenhans: Bei der TERRITORY Content to Results GmbH am Standort Gütersloh. Wir sind eine Tochtergesellschaft von Gruner+Jahr und Deutschlands Marktführer im Bereich Content Marketing. Wir entwickeln für Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen Inhalte für verschiedenste Kanäle, damit sie ihre Zielgruppen erreichen – das können Geschäftskunden, Verbraucher, Mitarbeiter, aber auch Sportfans sein. Unsere Kommunikationsdienstleistungen helfen den Unternehmen dabei, diese Klientel von ihren Marken, Leistungen und Produkten zu überzeugen und damit als Kunden zu gewinnen und zu binden. Aktuell wirke ich an Kunden- oder Mitarbeitermagazinen, aber auch Websites für DAX- und Familienunternehmen sowie NGOs mit.

Wie sieht Ihre Arbeit als Chefredakteur aus?

Michael Siedenhans: Es mag Sie überraschen: Es ist vor allem viel Teamarbeit. Gemeinsam mit den Kollegen aus den verschiedensten Disziplinen wie Strategie, Konzeption, Projektmanagement oder Grafik entstehen dabei die Ideen für Medien und Geschichten. So stellen wir uns beispielsweise die Frage: Welches Medium ist eigentlich optimal für unseren Auftraggeber, damit er seine Kunden erreicht? Das klassische Printmagazin oder eher Facebook und Instagram? Wir beschäftigen uns damit, weil unser Kunde seine Marke besser oder vielleicht anders positionieren will, um neue Zielgruppen zu erreichen. Das bedeutet für mich: entwickeln, schreiben, organisieren – und alles in Abstimmung mit den verschiedensten Disziplinen, die bei uns im Haus tätig sind. Es ist also ein Bündel an Aufgaben, die man so vermutlich im klassischen Journalismus nicht kennt.


Während der Olympischen Spiele in Vancouver 2010 arbeitete Michael Siedenhans zusammen mit dem heutigen IOC-Präsidenten Thomas Bach.

Welches Wissen, welche Kompetenzen bringen Sie als Historiker bei Ihrer Arbeit ein?

Michael Siedenhans: Zunächst einmal viel Allgemeinbildung. Sie ist wichtig, um sich in unterschiedliche Themen einzuarbeiten. Die können von der Fußball-WM 2006 in Deutschland über Pharma-, Logistik- oder Technikthemen für Hexal, für die Deutsche Post oder für Miele bis hin zum Fan-Magazin für „Deutschland sucht den Superstar“ reichen. Gerade als Sozialhistoriker*in hat man den Vorteil, dass man sich in der Alltags-, Wirtschafts-, Kultur und Politikgeschichte ein wenig auskennt. Aus diesem Fass kann man immer wieder schöpfen. Aufgrund dieser Themenvielfalt im Studium trainiert man sich eine schnelle Auffassungsgabe an. Ich bringe aus meinem Studium auch eine gewisse Neugierde mit, die in meinem Job ganz wichtig ist. Last but not least, Internationalität: Die Fakultät hat mir damals ermöglicht, ein Jahr in Baltimore zu studieren. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Welche Tipps haben Sie für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die in eine Karriere in Ihrem Beruf einsteigen?

Michael Siedenhans: Erstens, die Neugierde auf Menschen. Sie ist extrem wichtig. Zweitens, Offenheit für völlig neue Dinge, die man im Studium so nie kennengelernt hat. Dazu gehört auch die Interaktion mit Vorgesetzten, Kolleg*innen und Kund*innen. Drittens, eine große Portion Demut. Wenn man von der Uni kommt, denkt man: Man ist der größte Superstar. Das sollte man als Berufseinsteiger schnell vergessen. Mein nächster Tipp: Man sollte als freie*r Mitarbeiter*in für eine Tageszeitung erste Berufserfahrungen sammeln. Das machen heute leider nur noch wenige, die sich für den Journalismus in all seinen Facetten interessieren. Nach wie vor gilt aber: Als freie*r Mitarbeiter*in bei einer Tageszeitung lernt man viele unterschiedliche Menschen kennen und man lernt für die Zielgruppe der Leser zu schreiben. Ein weiterer Tipp: Man sollte gern unterwegs sein. Das ist kein Job für Stubenhocker. So habe ich in den vergangenen 20 Jahren alle fünf Kontinente kennengelernt. Schließlich: Das ist auch kein Nine-to-Five-Job. Natürlich gibt es Phasen, wenn weniger zu tun ist. Dann wiederum gibt es Phasen, wenn man zehn bis zwölf Stunden arbeitet

Herr Siedenhans, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Desk Exchange 2019

Veröffentlicht am 14. November 2019

2019 Doctoral Researcher Desk Exchange

:: Lund / York / Bielefeld ::

Peter Eriksson und Cheng Li bei der Bibliotheksführung. Foto Hannah Grüneberg (BGHS).

Vom 4. bis 15. November 2019 haben wir an der BGHS und in der Abteilung Geschichtswissenschaft zwei Promovierende im Rahmen des Desk Exchange mit unseren Partneruniversitäten Lund und York zu Gast: Cheng Li aus York und Peter Eriksson von der Universität Malmö in Kooperation mit der Lund University. Cheng Li untersucht in seinem Dissertationsprojekt, wie Jeremy Bentham zur intellektuellen Leitfigur der britischen Reformer wurde. Peter Eriksson forscht zu Integrationskonzepten für "Fremde" in der schwedischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts, wobei er seinen empirischen Schwerpunkt auf Schulen legt.

Die Teilnehmenden des Kolloquiums. Foto Hannah Grüneberg (BGHS).

In Einzelgesprächen mit erfahrenen Wissenschaftler*innen wurden der Theorierahmen und empirische Besonderheiten der Dissertationsprojekte vertieft besprochen. Als Gesprächspartner*innen zur Verfügung standen Bettina Brandt, Lars Deile, Kay Junge, Martina Kessel, Jörg van Norden und Willibald Steinmetz. Auch die Gespräche mit Promovierenden bereicherten den Aufenthalt, insbesondere das von den Doktoranden Theresa Hornischer und Sisay Megersa organisierte Kolloquium, welches am 8. November stattgefunden hat. Hier konnten spannende inhaltliche Perspektiven sowie das methodische Herangehen an die jeweiligen Dissertationsprojekte diskutiert werden.

Begleitende Freizeitaktivitäten kamen ebenfalls nicht zu kurz: Ein Highlight war die Sparrenburg-Exkursion am Sonntag mit anschließendem Abendessen in einem deutschen Brauhaus.

Peter Eriksson und Cheng Li vor der Sparrenburg. Foto Theresa Hornischer (BGHS).

Über das Programm:

Der Desk-Exchange ist ein Programmpunkt der trilateralen Kooperation der Bielefelder Geschichtswissenschaft und der BGHS mit der National Graduate School of History an der Universität Lund und dem PhD Programm in History an der University of York. Er ermöglicht es Promovierenden aus Lund, York und Bielefeld, die jeweils andere Universität über einen längeren Zeitraum kennenzulernen, sich mit Kolleg*innen vor Ort auszutauschen und sich international zu vernetzen. Die Teilnehmenden haben während ihrer Aufenthalte in Lund, York und Bielefeld die Möglichkeit, Seminare zu besuchen und ihre Dissertationsprojekte zu präsentieren. Zudem wird ihnen die Chance geboten, sich in Einzelgesprächen mit Lehrenden ihrer Gastgeberuniversität auszutauschen.

Die Kooperation der Bielefelder Geschichtswissenschaft und der BGHS mit der National Graduate School of History an der Lund University und dem PhD Program in History an der University of York fördert die europäische Vernetzung des wissenschaftlichen Nachwuchses und den Austausch über diverse Forschungstraditionen und Theorieperspektiven in der Geschichtswissenschaft. Die Partner veranstalten außerdem seit 2016 eine jährliche International PhD Conference Lund/York/Bielefeld, die abwechselnd an einer der drei Universitäten stattfindet.

Die Teilnehmer und ihre Projekte:

Peter Eriksson: “Social categories and the integration of foreigners in Swedish society during the 20th century with a particular focus on the link between governmental policy and school practice”.

Cheng Li: “Jeremy Bentham and his lawyer friends in changing public attitude towards law reform, 1807-1832”.

Weitere Infos:

Über den Desk Exchange aus dem vergangenen Jahr

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Let's talk! Praktiker*innen-Gespräch #1

Veröffentlicht am 16. Oktober 2019

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 1

Wir starten in das Wintersemester mit neuen Perspektiven von Praktiker*innen, die ebenfalls aus der Geschichtswissenschaft oder Soziologie sind. Die Spannweite ist dabei groß - von Verlagsarbeit über Kommunikationsdesign hin zu europäischer Gewerkschaftstätigkeit. Jeden Monat veröffentlichen wir ein neues Interview.

Unsere letzte Reihe, in der BGHS-Mitglieder davon berichten, in welchen Bereichen sie außerhalb der Uni tätig sind, könnt ihr hier nachlesen:

Komplettversion als PDF

Viel Spaß beim Lesen!

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Peter Scherrer hat mit uns über seine Tätigkeit als stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes gesprochen.

Herr Scherrer, Sie waren bis Mai 2019 stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB). Was waren die vielleicht drei wichtigsten Aufgaben für Sie?

Peter Scherrer: Die wichtigste Aufgabe ist es, die Position der Gewerkschaften in die europäische Gesetzgebung einzubringen. Das ist ganz zentral: Gerade vor der Europawahl im Sommer hat die Kommission noch einige Gesetzesinitiativen ergriffen, die sie unbedingt umsetzen wollte, bevor das Parlament auseinander ging. Da gab es mehrere Gesetzesinitiativen, die im Zusammenhang mit der sogenannten Europäischen Säule sozialer Rechte stehen. Die zweite Aufgabe ist, Positionen zu erarbeiten, die von allen EGB-Mitgliedsorganisationen getragen werden: European Trade Unions speak with one voice. Das ist nicht automatisch der Fall. Da gibt es große Meinungsunterschiede, was etwa Handelsfragen angeht: TTIP ist nicht nur auf Ablehnung gestoßen, zum Beispiel. Oder Unterschiede bei der Energiepolitik: Polnische Bergarbeiter sehen den Kohleverzicht anders als Beamte in Luxemburg.

Alle sind aber Mitglieder des EGB. Die drittwichtigste Aufgabe besteht darin, unsere Gewerkschaften zu unterstützen. Insbesondere die Mitgliedsverbände aus den Ländern, in denen es zum Beispiel keinen funktionierenden Sozialdialog gibt und die Gewerkschaften schwach sind. Im „Brüssel Speak“ heißt das capacity building: mitzuhelfen, dass Gewerkschaften und je nachdem auch Arbeitgeberverbände stark sind. Wir wollen auch Arbeitgeberverbände, die durchsetzungsfähig sind. Und wir haben Mitgliedsorganisationen auch außerhalb der EU, in den sogenannten Kandidatenländern, wie zum Beispiel in Serbien: Da gilt es, Gewerkschaften zu stärken, die zum Teil von den jeweiligen Regierungen nicht ernst genommen werden. Dort wird Wirtschafts- und Sozialpolitik an den Gewerkschaften vorbei gemacht.


Peter Scherrer bei einer Gewerkschaftsdemonstration.

Welches Wissen und welche Kompetenzen bringen Sie als Geschichtswissenschaftler bei dieser Arbeit ein?

Peter Scherrer: Da würde ich sagen: eine gute Allgemeinbildung. Aber, ich glaube, für die Arbeit, die ich da getan habe, hätte ich auch Politologe oder Soziologe sein können. Was einfach wichtig ist, ist das Handwerkszeug wissenschaftlichen Arbeitens: Dinge zu analysieren, zusammenfassen oder wiederzugeben. Ich hab in meinem Beruf immer relativ viel geschrieben und jetzt zum Beispiel ein Bändchen mit dem Titel „Jetzt für ein besseres Europa!“ mitherausgegeben, das beim europäischen Gewerkschaftsinstitut (EGI) erschienen ist. Ich muss sagen: Für mich selbst war das Studium der Geschichtswissenschaft immer ganz wichtig. Jetzt, wo ich aus dem unmittelbaren Büroalltag raus bin, stapeln sich auch schon wieder Bücher, die ich unbedingt lesen muss. Dazu hab ich Zeit, weil ich die Sommerpause dazu nutzen werde, um zu gucken, wie es beruflich weitergehen wird.

Welche Tipps haben Sie für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die in eine Karriere in Ihrem Beruf einsteigen?

Peter Scherrer:Zunächst: viel zu schreiben und auf sich aufmerksam zu machen. Also, wenn jemand zum Beispiel eine Abschlussarbeit zur Geschichte der Landwirtschaft schreibt: Landwirtschaft ist immer noch der größte Haushaltsposten in Brüssel und es gibt ganz viele Themen, die mit Landwirtschaft in Verbindung stehen. Da würde ich mir als Absolvent die Verbände und ihre Veröffentlichungen dazu angucken; ich würde recherchieren, was dazu im Parlament auf der Tagesordnung steht. Und dann würde ich gucken, wo frei zugängliche Veranstaltungen sind, mir eine vernünftige Visitenkarte machen, mit Leuten reden und mich auch initiativ bewerben. Wenn dann jemand bei einer Bewerbung sagen kann: Hier hab ich meine Schwerpunkte, dann finde ich das überzeugender, als jedes Detail zur Lebenserfahrung aufzupumpen.

Wenn sich jemand mit 26 Jahren, einem Masterabschluss und einer Riesenlatte an Erfahrung bewirbt, dann denke ich immer: Mein Gott, Du kannst doch einfach zugeben, dass das jetzt Deine erste Berufserfahrung ist. Aber dass Dir das Thema wichtig ist und dass Du Dich damit schon lange beschäftigt hast: Sowas überzeugt mich. Und dann hab ich noch den Tipp – ich hätte vor 35 Jahren auch nicht gedacht, dass ich sowas mal sagen würde: Gute Manieren werden immer gewürdigt!

Der Punkt ist notiert. Herr Scherrer, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Welcome Day WiSe 19/20

Veröffentlicht am 14. Oktober 2019

Welcome Day 19/20

:: 22 neue Doktorand*innen in der BGHS ::

Am Mittwoch, den 9. Oktober, fand an der BGHS der Welcome Day im Wintersemester 2019/20 statt. Ursula Mense-Petermann, Direktorin der BGHS, begrüßte die neuen Promovierenden. Anschließend informierten Sabine Schäfer, akademische Geschäftsführerin der BGHS und Bettina Brandt (Wissenschaftliche Geschäftsführung der Schule für Historische Forschung) über die BGHS, die Fakultät für Soziologie und die Abteilung Geschichtswissenschaft. Darüber hinaus stellten sich die Doctoral Representatives und der Koordinator des Projekts "Außeruniversitäre Karriere für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen" Ulf Ortmann vor. Beim anschließenden Coffee Break in der BGHS-Lounge konnten alle Teilnehmenden miteinander ins Gespräch kommen und sich kennenlernen.

Drei Beiträge gaben den Promovierenden nach der Pause als Starthilfe Wissen an die Hand für kommende Herausforderungen: Welche Möglichkeiten gibt es für Stipendien während der Promotion? Wie kann ich meinen Schreibprozess strukturieren? Und wie kann ich Auslandsaufenthalte in meine Arbeit integrieren?

Dafür bedanken wir uns bei dem Service Center for Young Researcher, dem Writing Centre und dem International Office für den wertvollen Input.

Links oben: Bettina Brandt; Mitte: Stefanie Haacke; rechts oben: Antonia Langhof. Photos: Hannah Grüneberg

Links: Sabine Schäfer; rechts: Karin Kruse. Photos: Hannah Grüneberg

Die neuen Promovierenden an der BGHS

22 neue Promovierende haben zum Wintersemester 2019/2020 an der BGHS mit ihren Dissertationsprojekten begonnen: Vier Historiker*innen und 18 Soziolog*innen.

Photos: Hannah Grüneberg

Neue BGHS Promovierende und ihre Forschungsprojekte:

  • Lorena Albornoz Garrido (Geschichte): Developing a strategy to recover the parliaments ethnopolitical negotiations
  • Wojciech Wientzek (Geschichte : „Schweigen aber kannst du nicht!“ Peter Weiss, Heiner Müller und Luigi Nono als „Political Broker“ und intellektuelle Grenzgänger im kalten Krieg, 1960-
  • Simon Groß (Geschichte): Helmut Schelsky und das soziologische Feld der Bundesrepublik
  • Nicole Schwabe (Geschichte): Das Eigene im Fremden? Diachrone Diskursanalyse zu geschichtsdidaktischen Weltentwürfen im 20. Jahrhundert
  • Verena Stern (Soziologie): „Wir sind keine Nazis.“ Zur Kooperation ‚besorgter Bürger‘ mit Rechtsextremen in Protesten gegen Asyl-Unterkünfte in Deutschland
  • Valentina Francisca Rivera Toloza (Soziologie): Female employment in Chile and Germany during 1990-2015: How public policies and cultural changes shape or un-shape gender equality?
  • Malin Houben (Soziologie): Die gynäkologische Praxis. Eine ethnographische Untersuchung
  • Felix Maximilian Bathon (Soziologie): Kommunikation in Kleingruppen — Studien über Kleingruppen als soziales System
  • Lisa De Vries (Soziologie): Die Arbeitsmarktsituation von Homosexuellen: Benachteiligung und Diskriminierung im Erwerbsverlauf
  • Özgür Salmanog (Soziologie):Analyzing Nietzsche’s and Foucault’s Concept of Power from the Perspective of the Political
  • Emre Cakirdiken (Soziologie): Political trends in transformation: the rise of populism and future of democracy
  • Cansu Erdogan (Soziologie): ´Harmony´ between Actors in Long-Term Care Provision: Different Welfare Cultures Giving Rise to Different Modes of Regulation?
  • Nele Weiher (Soziologie): Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Zur Identitätsherstellung von Trans* im Rahmen von Flucht.
  • Kristina Willjes (Soziologie): Doing digitalization – Die Einführung der elektronischen Aktenführung in einem kommunalen Jobcenter
  • Elisa Gensler (Soziologie): Die Gestaltung und Bewertung digitalisierter Regulierung in Arbeitsorganisationen und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsautonomie von Beschäftigten
  • Stefan Wilbers (Soziologie): „Historische Soziologie der Hochschulrankings. Institutionalisierung einer modernen Vergleichspraxis, 1900‐1980“
  • Dorian Tsolak (Soziologie): Explaining Female Migrants' Labour Force. Participation by Family and Cultural Heritage
  • Thi Dieu Hien Nguyen (Soziologie): Social welfare for workers in Phu Bai industrial park, Huong Thuy district, Thua Thien Hue province, Vietnam: Actual situation, roles and challenges
  • Tipu Sultan (Soziologie): Gender role and work life balance among dual earner couples
  • Janes Odongo (Soziologie): Factoring Disaster Management into Regional Development Planning: A Study of Devolved Governance in Kenya
  • Md. Moynul Haque (Soziologie): Civil resistance in Bangladesh: A study on student dimension of protest movements
  • Yueran Tian (Soziologie): Restructuring Welfare and Care: An Ethnographic Study of Vocational Training and Migrant Factory Workers in Post-Socialist China
  • Abel Yonas Zekarias (Soziologie): Migrants' remittances and rural livelihood: concomitant considerately? Evidences from the rural Ethiopia.
Weitere Informationen zu den neuen Promovierenden an der BGHS und ihren Forschungsprojekten sowie zu allen Promovierenden unter:
http://www.uni-bielefeld.de/bghs/Personen/Promovierende/
Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Veranstaltungshinweis: 8.10. Stipendien/Mentoring

Veröffentlicht am 30. September 2019

:: Infoveranstaltung 8.10.2019 ::

Stipendien und Mentoring zu außeruniversitärer Karriere

Die BGHS hat im Rahmen des Projekts "Außeruniversitäre Karriere" zwei neue Fördermöglichkeiten installiert: Stipendien und Mentoring für Promovierende. Was das genau ist, in welchen Bereichen ihr Praxisprojekte durchführen könnt, wer Mentor*in sein kann und wann es losgeht - das erfahrt ihr am 8.10. bei der Infoveranstaltung in der BGHS-Lounge um 14:15 Uhr (X-B2-109).

Die Ausschreibungen zu Stipendien für Praxisprojekte findet Ihr hier (Link) und die Ausschreibung zum Mentoring hier (Link). Informationen zu Praxisprojekten und Mentoring findet Ihr auch unter:

uni-bielefeld.de/bghs/Ausseruniversitaere_Karriere

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

#Teil 4 :: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Veröffentlicht am 24. September 2019

Außeruniversitäre Karrieren #Teil 4

:: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Promovierenden, die bereits während ihrer Arbeit an der Dissertation Berufserfahrungen außerhalb der Universität sammeln. Filiz Kutluer hat mit uns über ihre Tätigkeit für die von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bethel gesprochen.


Filiz Kutluer und Ulf Ortmann im Gespräch. Foto: Hannah Grüneberg

Filiz, Du arbeitest in einer „Fachstelle“ der von Bodelschwinghschen Stiftungen. Wo arbeitest Du genau?

Filiz Kutluer: Die „Fachstelle für Migration und Behinderung“ ist an die Regionalleitung angebunden und hat eine Brückenfunktion zwischen Basismitarbeitenden und den Klient*innen. Das heißt, ich bin erstens dafür zuständig, zu beraten und zu vermitteln. Dabei kommt es zum einen darauf an, zu erfassen: Welche Probleme haben die Menschen mit Behinderung aus Zuwandererfamilien? Welche Schwierigkeiten haben ihre Angehörigen? Haben sie Zugang zum Hilfesystem? Wenn nicht, woran liegt das? Und wenn sie im System drin sind: Welche Probleme haben sie dort? Zum anderen erfasse ich die Perspektive der Beschäftigten: Welche Erfahrungen haben die Mitarbeiter*innen mit dieser Zielgruppe? Von welchen Problemen berichten die Beschäftigten in diesem Zusammenhang? Zweitens arbeite ich an der Entwicklung passender Konzepte für meine Organisation: Wir haben eine Zielgruppe, die schwer zu erreichen ist und die Schwierigkeiten im Hilfesystem hat – was können wir dafür tun, um diese Schwierigkeiten zu lösen bzw. damit umzugehen?

Wie sieht Deine Arbeit konkret aus?

Filiz Kutluer: Die Arbeit ist vielfältig. Ich bin ja erstens dafür zuständig, zu erheben, wie die Mitarbeiter*innen, Klient*innen und Angehörige miteinander arbeiten und welche Bedarfe sie haben. Zweitens vernetze ich mich und versuche auf dem Laufenden zu bleiben: Wie gehen andere Organisationen und Träger, wie die AWO oder die Caritas etc. mit diesem Thema um? Was wird dazu in anderen Städten in Deutschland oder im Ausland gemacht? Drittens verfasse ich Konzepte zur interkulturellen Öffnung von Einrichtungen und begleite ihre Umsetzung in Bethel. Dazu gehören auch Mitarbeiterfortbildungen zu interkulturellen Kompetenzen. Und viertens übernehme ich die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema, und halte dazu Vorträge oder schreibe Artikel für Fachzeitschriften. Also, es kann sein, dass ich an einem Tag erst mit einer/einem Klient*in beschäftigt bin, dann mit einer/einem Mitarbeiter*in, dann mit der Regionalleitung und zum Ende des Tages mit einem Bericht.

Was sind die beiden wichtigsten Aufgaben, die Du erledigst?

Filiz Kutluer: Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin: Wenn es in einer Einrichtung zwischen Mitarbeitenden, Klient*innen mit Migrationshintergrund und ihren Angehörigen Schwierigkeiten gibt, mit denen die Mitarbeitenden nicht klar kommen, dann werde ich gerufen. Also, als Beispiel: Angehörige kommen in die Einrichtung, ohne sich vorher anzukündigen. Dann versuche ich, zunächst das Problem zu erfassen: Wie verstehen die Angehörigen die Arbeit, die in der Einrichtung läuft? Kennen sie die Regelungen zu Essenszeiten oder Abholzeiten? Wissen sie, dass sie sich als Angehörige anmelden müssen, bevor sie die Einrichtung besuchen? Und dann ist es meine Aufgabe, den Angehörigen die Arbeitsweise in der Einrichtung auch zu erklären. Etwa: „Ihre Tochter hat hier eine Tagesstruktur; und wenn Sie hier unangemeldet hinkommen, geht diese Struktur verloren.“

Die Erfahrung, die ich bei solcher fallbezogenen Arbeit mache, bereite ich schließlich auf und entwickle passende Konzepte sowie Empfehlungen, die ich meinem Dienstvorgesetzten vorlege. In diesem Zusammenhang geht es darum, interkulturelle Kompetenzen zu stärken. Und diese Konzepte setzen genau daran an: Zum Beispiel bei Verständigungsproblemen, wie ich sie gerade geschildert habe, bringt es nichts, alleine Wörter zu übersetzen. Vielmehr müssen Sprachmittler*innen die Einrichtung und das Hilfesystem kennen, bevor sie dolmetschen können. Zum Beispiel: Warum ist es für ein Förderkind wichtig, ein Dreirad zu benutzen? Aus der Perspektive von Angehörigen kann das Dreirad unwichtig sein; aber aus der Perspektive von Erzieher*innen ist das entwicklungsfördernd und daher sehr wichtig.

Welches Wissen und welche Kompetenzen bringst Du als Sozialwissenschaftlerin bei Deiner Arbeit ein?

Filiz Kutluer: Zum einen geht es bei meiner Arbeit sehr viel darum, zu strukturieren. Denn mir werden Probleme aus verschiedenen Perspektiven geschildert und meine Aufgabe ist es, diese Perspektiven miteinander in Beziehung zu setzen – und das dann an die Beteiligten weiterzugeben: Ich versuche sozusagen, die von den beiden Seiten (Erzieher*innen und Angehörigen) geschilderten Problembereiche zu sortieren und zum besseren Verständnis eine Struktur zu geben – das habe ich im Studium gelernt und das mache ich heute noch gerne.

Zum anderen ist zum Beispiel Arbeitsteilung ein großes Thema, wenn ich zwischen Mitarbeiter*innen und Angehörigen vermittle. Denn Arbeitsteilung ist in Deutschland das A und O; in der Türkei beispielsweise weiß jeder über alles Bescheid. Für die einen ist Arbeitsteilung selbstverständlich: „Das ist jetzt meine Aufgabe; und wenn Sie dieses oder jenes brauchen, dann gehen Sie zu jemand anderem, und zwar dort hin!“ Für die anderen stellt sich Arbeitsteilung als Dschungel dar, in dem sie verloren gehen: „Ich kann nicht rechts und links gucken und bin nur für diesen Bereich hier zuständig; wenn Sie jenes brauchen, dann gehen Sie woanders hin!“ Und meine Aufgabe ist es, dass die Beteiligten trotzdem miteinander ins Gespräch kommen. Denn ohne diesen Dialog besteht die Gefahr, dass Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund keinen Zugang zum Hilfesystem finden.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen, die in Deiner Branche einen Einstieg suchen?

Filiz Kutluer: Es macht, denke ich, Sinn, zu fragen: Was machen diejenigen, die in Organisationen wie den von Bodelschwinghschen Stiftungen arbeiten? Welche verschiedenen Tätigkeiten bzw. Berufsfelder gibt es dort? Und welche dieser Tätigkeiten sind was für mich? Da gibt es zum Beispiel einen „Infotag für Studieninteressierte“ in der Fachhochschule der Diakonie in Bethel, und in diesem Rahmen werden die verschiedenen Berufs- und Arbeitsfelder, die es in Bethel gibt, vorgestellt. Auch die zentrale Öffentlichkeitsarbeit in Bethel steht für Information zu Verfügung. Da findet man immer Gesprächspartner*innen.

Filiz, vielen Dank für das Gespräch.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Ausschreibung: Außeruniversitäre Karriere

Veröffentlicht am 20. September 2019

Die BGHS stärkt promovierende Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen bei der je eigenen Karriereplanung und vergibt zum 1. Januar 2020 bis zu sechs Stipendien für Praxisprojekte sowie fünf Plätze in ihrem Mentoringprogramm zur außeruniversitären Karriere. Die Stipendien für Praxisprojekte haben eine Laufzeit von drei Monaten; das Mentoring läuft von Januar bis September 2020. Bewerbungsschluss für Stipendien und für die Teilnahme am Mentoring ist der 31. Oktober 2019.

Stipendien für Praxisprojekte und Mentoringprogramm richten sich an Promovierende der BGHS und bieten verschiedene Gelegenheiten, den je eigenen beruflichen Werdegang im Austausch mit Kolleg*innen zu diskutieren und zu planen – im Austausch sowohl mit Kolleg*innen aus der Universität als auch mit Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen, die einen Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben.

Die Ausschreibungen zu Stipendien für Praxisprojekte findet Ihr hier (Link) und die Ausschreibung zum Mentoring hier (Link). Am 8. Oktober findet eine Infoveranstaltung zu den beiden Ausschreibungen in der BGHS-Lounge statt: um 14:15 Uhr in X-B2-109. Informationen zu Praxisprojekten und Mentoring findet Ihr auch unter: uni-bielefeld.de/bghs/Ausseruniversitaere_Karriere

Gesendet von MChrist in Allgemein

Die Tigerstreifen Kubas - Ein Workshoptagebuch

Veröffentlicht am 16. September 2019

„Jetzt haben wir hier einen lateinamerikanischen Gipfel in Bielefeld versammelt“

:: Gastbeitrag ::

von Lasse Bjoern Lassen


Gruppenbild des Workshops. Foto: BGHS

Im Juli fand in der BGHS der Workshop: “From Bolívar to UNASUR - 200 Years of Latin American Political Integration” statt. Wir nutzen die Sommerpause, um nochmal einen Blick darauf zu werfen. Lasse Bjoern Lassen organisierte die Veranstaltung und hat die Erlebnisse in einem spannenden Tagebuch-Format festgehalten. Besonders im Fokus steht dabei Santiago Pérez, kubanischer Geschichtswissenschaftler und stellvertretender Direktor des Center for International Policy Research in Havanna.


Eindrücke des Workshops Foto: BGHS

Was Tigerstreifen mit Kuba zu tun haben und ob die Linke Lateinamerikas wirklich dahinsiecht – lest es nach in dem unterhaltsamen Bericht zum Workshop!


Angeregte Diskussionen im Workshop Foto: BGHS

Tagebuch eines Workshops:
Komplettversion als PDF
Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Abschlussbericht Linie 4

Veröffentlicht am 2. September 2019
Abschlussbericht 2019 der Linie 4

:: Gastbeitrag ::

von Daniele Toro


Vom 19. März bis zum 25. Juni 2019 fand die Vortragsreihe Linie 4 unter dem Titel „Vom Umgang mit Diskriminierung“ statt, welche die Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) mit der Volkshochschule Bielefeld (VHS) gemeinsam veranstaltete. In den VHS-Räumen der Ravensberger Spinnerei stellten sechs Promotionsstudent*innen der BGHS die eigene Forschung dem Bielefelder Publikum vor.

Die Vorträge nahmen aus unterschiedlichen Disziplinen heraus in den Blick, wie Individuen, Gruppen und Institutionen Diskriminierung bekämpfen oder gegen sie Widerstand leisten können.

 


Impressionen der Vorträge. Mit Zeynep Demir, Hannah Grüneberg; Malika Mansouri; Carla Thiele und Daniele Toro Fotos: BGHS

 

Durch eine Vielfalt von Themen und Ansätzen wurden sowohl die Rahmenbedingungen und Ursachen von Diskriminierungserscheinungen als auch der Umgang damit behandelt: Von der UN-Antirassismuskonvention bis zur Trikontinentalen Konferenz 1966, von den Jeziden bis zu den Gesundheitspolitiken für Geflüchtete, von dem Engagement bosnischer Völkermordhinterbliebener bis zur intellektuellen Exiltätigkeit Erika Manns in den 1920er und 1930er Jahren - das Publikum diskutierte die unterschiedlichen Vorträge aus der Geschichte, der Soziologie, der Rechtswissenschaft und der Psychologie immer sehr aktiv.

 


Die Vortragenden und Organisator*innen der Linie 4 Veranstaltungsreihe 2019 von links nach rechts: Lasse Bjoern Lassen, Malika Mansouri, Carla Thiele, Anja Henkel, Daniele Toro(fehlt: Johanna Paul) Foto: Hannah Grüneberg

Dass Publikum und Referent*innen vom gegenseitigen Austausch zu profitieren haben, verstand sich von Beginn an als das Ziel der Vortragsreihe Linie 4. Besonders interessant wurden dieses Jahr die intensiven Diskussionen, weil das Publikum die eigenen Erfahrungen und Kenntnissen regelmäßig zur Verfügung gestellt hat. Als extrem produktiv erwies sich dieses für die Referent*innen: Alle beteiligten Promovierenden berichteten in der Tat von den spannenden und nützlichen Impulsen, anregende Fragen und Kommentare. Die zahlreichen Besucher*innen zeigten so mit ihrer aktiven, kommunikativen Beteiligung, dass der Schwerpunkt der Vortragsreihe auf ein reges öffentliches Interesse gestoßen ist.


Ein besonders spannender, interdisziplinärer Beitrag war die Kunstinstallation, die Johanna Pauls Vortrag begleitete:

Von links nach rechts: Künstlerin Anita Zečić und Moderator Daniele Toro, die Kunstaustellung von Außen und Innen, sowie Vortragende Johanna Paul

 

Danke an alle Vortragenden und Gäste der Linie 4!

Weitere Infos zur Linie 4:

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Zur Zukunft der Graduiertenschulen: Sabine Schäfer im Interview

Veröffentlicht am 1. September 2019

„Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchs ist eine Daueraufgabe!“

Für den Deutschlandfunk hat Dr. Sabine Schäfer ein Interview gegeben, in dem es um die Zukunft von Graduiertenkollegs geht.

Was bedeutet es, wenn diese Form der Nachwuchsförderung aus den Programmen der Exzellenzinitiativen gestrichen wird? Welche Möglichkeiten gibt es außerhalb von staatlicher Spitzenförderung? Und was ist eigentlich der Mehrwert von Graduiertenschulen?

Hier findet ihr Sabine Schäfers Antworten dazu: Link Interview

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Bericht - Annual Seminar 2019

Veröffentlicht am 27. August 2019

 Annual Seminar 2019: „The Making of Mankind: Tracing Race & Racism“

:: Gastbeitrag ::

von Lena Gumpert und Malin Wilckens


Gruppenbild am zweiten Tag des Annual Seminar 2019. Foto: Simon Grunert

Einige Zeit nach dem Ende des diesjährigen Annual Seminars möchten wir hier unsere Eindrücke mit euch teilen. Als Mitglieder des Organisationsteams haben wir die Konferenz einerseits mit Freude, aber auch mit Anspannung erwartet. Im Nachhinein können wir sagen, dass gerade eine freundliche Atmosphäre und eine tiefgehende Diskussion das Annual Seminar ausgezeichnet hat. Für uns hat sich die viele Arbeit im Vorfeld ausgezahlt.


Programmflyer und Teilnehmer*innenliste – die Konferenz beginnt. Foto: Rebecca Moltmann

Nikita Dhawan eröffnete mit einer eindrucksvollen Keynote und uns war sofort klar: Das war der richtige Auftakt für die Konferenz. Ihre kritische Auseinandersetzung sowohl mit der deutschen Aufklärung als auch mit dem deutschen Universitätssystem hat für eine feurige Diskussion gesorgt. Direkt im ersten Panel wurde das Thema der Wissensproduktion in der Aufklärung aufgegriffen und mit einer Perspektive auf das moderne Brasilien erweitert. Es wurde sich außerdem mit der naturwissenschaftlichen Konstruktion von ‚race‘ beschäftigt.

Den Abend rundete Demetrius Eudell mit einem Vergleich ab: Wie verhalten sich ‚caste‘ und ‚race‘ zueinander? Durch seinen kenntnisreichen Vortrag konnte er die Konferenz um eine weitere Perspektive erweitern. Wir zitieren hier gerne Mark B. Brown, Politikwissenschaftler an der California State University, Sacramento: „This was a very rich talk.“ (Gedächtnisprotokoll)

Die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen und die leeren Mägen zu füllen, bot das Konferenzdinner am späten Abend. Die Teilnehmer*innen konnten sich und ihre Projekte in einer ungezwungenen Atmosphäre besser kennenlernen und tauschten sich auch abseits von konferenzbezogenen Themen rege miteinander aus.

Nikita Dhawan während ihrer Keynote; Angeregte Diskussion bereits vor dem Vortrag: Demetrius Eudell mit Eleonora Roland und Ulrike Davy; Manuela Boatcă während ihrer Keynote (v.links nach rechts)Fotos: Rebecca Moltmann

Den nächsten Tag eröffnete Manuela Boatcă mit ihrem Beitrag zu einer aktuellen Forschungsdiskussion. Sie stellte die Frage, welche wechselseitigen Einflüsse die weltweite Verteilung von Reichtum sowie der Verkauf von Staatsbürgerschaften und ‚race‘ haben. Für viele von uns war das eine neue Perspektive.

Die beiden folgenden Panel zeigten die Nähe zum mitveranstaltenden SFB: Es ging um den Zusammenhang von ‚race‘ und Vergleichspraktiken. Hier wurde im wahrsten Sinne interdisziplinär diskutiert — von Anthropologie, über Soziologie und Rechtswissenschaft bis hin zur Literaturwissenschaft.

Anschließend wurde die Aktualität unseres Konferenzthemas anhand von Bildungsinstitutionen nochmals deutlich hervorgehoben. Im Fokus stand dabei zum einen, wie in der (deutschen) Schule über Rassismus gesprochen werden sollte, und zum anderen, welche Rassismuserfahrungen Studierende an deutschen Hochschulen erleben.

Ein persönliches Highlight der beiden Autorinnen dieses Beitrags war die Abendveranstaltung im Bunker Ulmenwall. Wir wollten das gesellschaftlich relevante Thema der Konferenz in die städtische Öffentlichkeit tragen und um eine künstlerische Perspektive erweitern, um die Vielfältigkeit der Auseinandersetzung mit ‚race‘ und Rassismus zu repräsentieren. Wir hatten das große Glück, die Sichtweisen des Performancekünstlers Taiwo Jacob Ojudun und von der grafischen Künstlerin Diana Ejaita zu erfahren.

Die Moderatorin des Abends Ouassima Laabich vor einem Ausschnitt der Videoinstallation von Taiwo Jacob Ojudun. Taiwo Jacob Ojudun während der Performance. Fotos: Corinna Mehl

Taiwo Jacob Ojudun hat in seiner Performance und Videoinstallation mit dem Titel WHAT IF? besonders die rohe Gewalt der kolonialen Aufteilung Afrikas durch die Berliner Konferenz (1884-85) und ihrer Nachwirkungen präsentiert.

Diana Ejaita (Bild 2) gab persönlich eine Einführung zu ihrem Werk. Fotos: Corinna Mehl

Diana Ejaita hat mit ihren Drucken, in denen sie sich mit May Ayims "blues in Schwarzweiß" auseinandersetzt, auf eine spezifisch europäische Rassimuserfahrung hingewiesen. Die Reihe trägt den Titel "To May Ayim".

Angeregte Diskussion beim letzten Panel. Foto: Rebecca Moltmann

Im letzten Panel wurde die Verbindung von space und ‚race‘ entlang verschiedenster Disziplinen diskutiert. Ein gelungenes Ende fand das Annual Seminar mit einer anregenden Reflexion über die vergangen Tage in der von Sabine Schäfer moderierten Abschlussdiskussion.

Unser Fazit: Hohes Niveau, inhaltliche Breite und emotionale Erfahrungen. Die viele Arbeit hat sich gelohnt.

Schön war es auch zu erleben, wie produktiv die Arbeit in einem Team sein kann. Wir beide schreiben zwar gerade diesen Beitrag, aber die Organisation und Planung war eine Gemeinschaftsaufgabe. Deswegen möchten wir auch die Namen aller Teammitglieder aufführen: Lisa Baßenhoff, Andreas Becker, Ina Kiel, Julian Gärtner, Lena Gumpert, Malika Mansouri und Malin Sonja Wilckens.

Eine kritische Diskussion fand nicht nur vorher in unserem Team und während der Konferenz statt, sondern dauert an. Nicht nur aus diesem Grund planen wir eine Veröffentlichung, die diese kritischen Gedanken transparent macht. Dazu gehört auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Titel „The Making of Mankind“. In der Zwischenzeit ist uns selbst immer klarer geworden, dass der Titel eine problematische Perspektive eröffnet und sind darauf dankenswerterweise auch mehrmals angesprochen worden. Einerseits scheint der Titel sich nur auf Männer zu beziehen und andererseits verweist er möglicherweise auch auf eine ganz bestimmte Zeitspanne: Die Entstehung des wissenschaftlichen Rassismus im Zuge der Aufklärung. Dabei wollten wir explizit über die historische Verortung hinausgehen und auf keinen Fall rassistische oder geschlechterdiskriminierende Annahmen reproduzieren. All dies spiegelt der Titel so nicht wider. Wir nehmen diese Kritik gerne an und werden an einem überarbeiteten Titel für die Veröffentlichung arbeiten. Es bleibt also produktiv spannend!

Vielen Dank für das Feedback!

Lena Gumpert & Malin Wilckens

 

Mehr Infos zu den Referent*innen und Orten:

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

#Teil 3 :: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Veröffentlicht am 29. Juli 2019

Außeruniversitäre Karrieren #Teil 3

:: im Job :: in der BGHS :: im Gespräch

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Promovierenden, die bereits während ihrer Arbeit an der Dissertation Berufserfahrungen außerhalb der Universität sammeln. Tabea Koepp hat mit uns über ihre Tätigkeit für die Organisationsberatung „Metaplan“ gesprochen.


Eindrücke vom Arbeitsplatz Foto: Tabea Koepp

Tabea, Du arbeitest für Metaplan. Wo arbeitest Du genau?

Tabea Koepp: Metaplan ist eine Beratungsagentur, die zum einen Structure & Strategy Consulting anbietet und insbesondere Führungskräfte von Unternehmen berät. Zum anderen gibt es die Leadership & Organization Academy mit einem breiten Seminar- und Trainingsangebot für Führungskräfte, Managerinnen und Berater. Ich habe in beiden Bereichen schon gearbeitet, bin aber zurzeit stärker in der Academy beschäftigt. Denn das lässt sich besser vereinbaren mit einer Promotion nebenher.

In der Struktur- und Strategieberatung muss man relativ spontan und auch viel verfügbar sein. Das ist im Rahmen einer kleinen Stelle, wie ich sie jetzt hab, nicht zu leisten. In der Academy kann ich auch mit einem kleineren Stellenanteil arbeiten. Dort ist es beispielsweise mein Job, neue Seminarinhalte mit zu entwickeln: etwa ein Modul zu „Organisationskultur“. Bei dieser Arbeit geht es darum, soziologische Konzepte zu entwickeln, die intuitiv anwendbar sind für Praktiker*innen.

Wie sieht Deine Arbeit konkret aus?

Tabea Koepp: Bei der Entwicklung von Seminarinhalten zum Beispiel überlege ich gemeinsam mit meinen Kolleg*innen zunächst, welche Inhalte wichtig sind. Danach recherchiere und entwickle ich die Inhalte und bereite die Postersätze vor. Metaplan arbeitet immer mit einer Posterpräsentationsmethode, die sie erfunden haben: die Metaplan-Methode. Gelegentlich bin ich auch Referentin für diese Module.


Auf dem Bild zu sehen ist ein Seminaraufbau mit der Metaplan-Methode. Typisch dafür ist die Visualisierung mittels großformatiger Poster. Rechts im Bild sind die dazugehörigen Stellwände und Materialien zu erkennen. Foto: Tabea Koepp

Was sind die wesentlichen Aufgaben, die Du bei der Arbeit hast?

Tabea Koepp: Zurzeit habe ich vor allem zwei Aufgaben. Zum einen betreue ich redaktionell das Kundenmagazin von Metaplan: die „Versus“. Die Consultants veröffentlichen dort Texte, die soziologisch informiert und gleichzeitig praxisrelevant sind. Ich redigiere diese Texte und kümmere mich mit einem Grafiker zusammen um das Layout. Kürzere Texte schreibe ich auch selbst. Zum anderen betreue ich das Projektmanagement eines kleinen englischsprachigen Self Publishing Verlags, den ich für Metaplan gegründet habe: „Organizational Dialogue Press“. Ein Teil unserer Consultants schreibt Bücher, auf Deutsch. Ich koordiniere alle Schritte auf dem Weg vom deutschen Manuskript zum fertigen englischen Buch, also z. B. die Übersetzung, Lektorat, Satz oder die Entwicklung eines neuen Buchcovers. Das sind Aufgaben, die ich jetzt neben meiner Promotion und neben meiner Stelle hier an der Uni für Metaplan übernehme.

Welches Wissen und welche Kompetenzen bringst Du als Soziologin bei Deiner Arbeit ein?

Tabea Koepp: Dadurch, dass Metaplan eine dezidiert soziologisch arbeitende Beratung ist, ist mein Fachwissen eine Kernkompetenz. Das Qualifizierungsprogramm der Academy ist zu einem guten Teil im Prinzip eine anwendungsorientierte Einführung in Organisationssoziologie für Praktiker*innen – dort geht es um zentrale soziologische Konzepte wie etwa die „Entscheidungsprämissen“ nach Niklas Luhmann. In den Beratungsprojekten sprechen wir vielleicht nicht von „Entscheidungsprämissen“, sondern übersetzen das in die Sprache der Welt, in der wir uns jeweils bewegen. Wir sagen dann zum Beispiel „robuste Regeln“ – nutzen aber unser analytisches Know How über die Funktionsweise organisationaler Strukturen, um den Anliegen unserer Kund*innen auf die Spur zu kommen.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen, die in Deiner Branche einen Einstieg suchen?

Tabea Koepp: Auf jeden Fall: ein Praktikum machen. Wer von der Uni kommt und keine Berufserfahrung außerhalb der Wissenschaft hat, hat im Prinzip keine andere Option für den Berufseinstieg. Die Praktikant*innen bei Metaplan sind teilweise schon promoviert. Und natürlich ist es so oder so extrem nützlich, Berufserfahrung außerhalb der Uni zu sammeln und in einer Organisation – egal, welcher Art – zu arbeiten. Selbst wenn man nur kleinere Aushilfstätigkeiten übernommen hat: Man weiß dann zum Beispiel, wie Meetings ablaufen, und verfügt über praktische Arbeitserfahrung in Organisationen. Wenn man bei Metaplan nicht als Praktikant*in, sondern gleich als Consultant anfangen möchte, muss man allerdings Führungserfahrungen in wenigstens einem Konzern vorweisen und auf mindestens zwei Sprachen arbeitsfähig sein.

Tabea, vielen Dank für das Gespräch.

Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

 

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere":

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Türöffner - Das ABC der BGHS

Veröffentlicht am 17. Juli 2019


Thomas Abel (l.) hat die Ausstellung „Das ABC der Geschichte und Soziologie“ konzipiert. Vorgestellt werden die Forschungsprojekte der BGHS – zum Beispiel von Aanor Roland (m.) oder Marcus Carrier (r.). Foto: Universität Bielefeld

 Das ABC der BGHS - Türöffner in die Welt der Soziologie und Geschichte

Auffällige Buchstaben zwischen den Gebäuden der Universität Bielefeld lösten in den letzten Wochen ein großes Rätselraten aus: Was haben sie zu bedeuten, wer steckt dahinter und was haben restaurierte Türen mit der BGHS zu tun?

Nun lüftet die Uni das Geheimnis um das Projekt, das von Thomas Abel entwickelt wurde, um Einblicke in die Welten der Soziologie und Geschichte zu schaffen. Jeder Buchstabe steht für ein Promotionsprojekt von Promovierenden der BGHS. Aanor Roland steht mit ihrem Buchstaben "N" beispielsweise für den Begriff der "Not", Marcus Carrier bekam das "Z" wie "Zeuge".

Was sich genau dahinter verbirgt, erklären Thomas, Aanor und Marcus hier:

Blogbeitrag der Uni Bielefeld


Aanor Roland (l.) und Marcus Carrier(r.). Foto: Universität Bielefeld


26 Skulpturen - 26 Promotionsprojekte. Foto: Universität Bielefeld

Viel Spaß beim Entdecken!

Gesendet von HGrüneberg in Allgemein

Kalender

« Dezember 2019
MoDiMiDoFrSaSo
      
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
     
Heute

Newsfeeds