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Praktiker*innen im Gespräch #Teil 12

Veröffentlicht am 18. Januar 2021

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 12

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Wintersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Mirko Petersen hat mit uns über seine Tätigkeit im internationalen Hochschulmarketing der Leuphana Universität Lüneburg gesprochen.


Abbildung 1: Mirko Petersen

Mirko, Du hast 2017 an der BGHS promoviert und arbeitest jetzt im internationalen Hochschulmarketing der Leuphana Universität Lüneburg. Wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Mirko Petersen: Während der Promotion habe ich mich auf die Fertigstellung der Dissertation konzentriert. Und erst nach der Abgabe der Dissertation habe ich mir die Zeit genommen, mir ein Bild davon zu machen: Wo möchte ich mich jetzt konkret bewerben? Was habe ich während der Promotion alles gemacht? Und wie übersetze ich das in eine Sprache, in der ich meine Kompetenzen für meinen potentiellen Arbeitgeber darlege? Nach einer gewissen Zeit habe ich dann mit befristeten Anstellungen Fuß gefasst: Zunächst habe ich für „uni-assist“ gearbeitet; eine Servicestelle, die für viele deutsche Hochschulen internationale Studienbewerbungen begutachtet. Anschließend habe ich als Geschäftsführer im Drittmittelprojekt „Die Amerikas als Verflechtungsraum“ an der Universität Bielefeld gearbeitet. Im Rahmen dieses Drittmittelprojektes hatte ich bereits promoviert. Nach dem Ende des Drittmittelprojektes bin ich dann an die Leuphana Universität gewechselt. Hier arbeite ich als Referent für internationales Studierendenrecruitment.

Wo arbeitest Du jetzt genau?

Mirko Petersen: Ich arbeite für die Leuphana Universität in Lüneburg. Meine Stelle ist dort in der Universitätskommunikation angesiedelt. Meine Aufgabe beim internationalen Studierendenrecruitment ist es, die Universität unter internationalen Studienbewerber*innen bekannt und auf die verschiedenen Studiengänge aufmerksam zu machen.

Wie sieht Deine Arbeit an der Leuphana Universität jetzt aus?

Mirko Petersen: Zum einen stellen wir insbesondere die englischsprachigen Studiengänge auf internationalen Online-Plattformen dar, auf denen Interessierte nach Studienprogrammen suchen, zum Beispiel auf dem Portal des DAAD, „International Programmes in Germany“. Diese Portale und die Tatsache, dass die Portale von Suchmaschinen oben auf der Liste geführt werden, sind oft die Antwort auf die Frage: Wie kommt jemand in Brasilien, Indien oder Spanien darauf, zum Beispiel in Lüneburg zu studieren? Zum anderen gestalten wir die kommunikative Infrastruktur, die die Universität internationalen Studierenden bietet. Das kann eine Broschüre für internationale Studierende sein. Oder das können Informationen sein, die auf der Website der Universität über einen Studiengang verfügbar sind. Darüber hinaus erstelle ich Analysen und Datenauswertungen und berate verschiedene Abteilungen und Personen der Universität in Bezug auf die Ansprache von internationalen Studieninteressierten.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie und Geschichtswissenschaft, die sich für den Einstieg in Dein Tätigkeitsfeld interessieren?

Mirko Petersen: Auf der einen Seite würde ich empfehlen, darüber nachzudenken, was ich alles während der Promotion gemacht habe, um dann für mich folgende Fragen zu beantworten: Welche Eigenschaften waren dafür nötig und welche Kompetenzen habe ich erworben? Und wie kann ich diese Eigenschaften und Kompetenzen in den Tätigkeitsfeldern einsetzen, in denen ich nach der Promotion arbeiten möchte? Für mich waren beispielsweise meine internationalen Erfahrungen in der akademischen Welt von großer Bedeutung. Auf der anderen Seite geht es aber darum, sich Arbeitskontexte und Arbeitsanforderungen zu erschließen, die sich von wissenschaftlichen Tätigkeiten unterscheiden. Für den Einstieg in das internationale Hochschulmarketing sollte man sich beispielsweise fragen: Welche Strukturen zur Ansprache und zur Unterstützung von internationalen Studierenden existieren an der Universität? Und wie kann ich mehr darüber erfahren? Für viele Arbeiten in der Universitätsverwaltung ist es von Vorteil, den wissenschaftlichen Betrieb im Rahmen einer Promotion kennengelernt zu haben. Gleichzeitig ist es wichtig, sich für diese Tätigkeit von den eigenen wissenschaftlichen Leistungen etwas zu lösen: die Publikationsliste ist nicht mehr die wichtigste Referenz, sondern bestimmte Problemlösungskompetenzen, die für die angestrebte Stelle in der Wissenschaftsverwaltung zentral sind. Diese Umstellung ist nicht immer einfach, weshalb man nicht mit einem reibungslosen Übergang rechnen sollte. Ein gewisser „Leerlauf“ sollte eingeplant werden.

Mirko, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

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Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

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BGHS-Jahresrückblick 2020

Veröffentlicht am 11. Januar 2021

:: BGHS-Jahresrückblick 2020::

Leider konnten wir uns im Dezember 2020 nicht wie gewohnt zur BGHS-Mitgliederversammlung und zur anschließenden Winterparty treffen. Ein Überblick über die BGHS-Community und Aktivitäten sowie die Aktivitäten der Doctoral Representatives ist im BGHS-Jahresrückblick 2020 zu finden:

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Berichte aus der Praxis #2

Veröffentlicht am 7. Januar 2021

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Berichte aus der Praxis #Teil 2


„Berichte aus der Praxis“ werden von Promovierenden geschrieben, die in Kooperation mit einer außeruniversitären Organisation ein Praxisprojekt konzipiert und durchgeführt haben. Die BGHS fördert diese Vorhaben seit 2020 mit Stipendien. Im zweiten Teil der Reihe berichtet Daniele Toro über sein Ausstellungsprojekt zur NS-Zwangsarbeit im südlichen Westfalen.


NS-Zwangsarbeit in Südwestfalen 1939–1945

In meinem Praxisprojekt habe ich mit der Organisation einer kleinformatigen Wanderausstellung begonnen, die einen Beitrag leistet zur regionalen Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex der NS-Zwangsarbeit. Der Hintergrund meines Projekts ist, dass die im Frühjahr 2019 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe im Raum Warstein-Meschede begonnene wissenschaftlichen Aufarbeitung von Massenerschießungen an sowjetischen und polnischen Zwangsarbeiter*innen im März 1945 und insbesondere die archäologischen Funde dazu in der südwestfälischen Lokalgesellschaft eine breite öffentliche Resonanz erzeugten. Deutlich wurde, dass die NS-Zwangsarbeit als historische Thematik auf ein reges Interesse stößt. Diese Aufmerksamkeit lässt sich auf den Umstand zurückzuführen, dass die Region nur peripher von der geschichtswissenschaftlichen Aufarbeitung berührt wurde, die in den 2000er Jahren eine ausführliche Erforschung und Aufklärung des sogenannten „Ausländereinsatzes“ im Nationalsozialismus vorantrieb. Es besteht vor Ort nach wie vor ein öffentliches Bedürfnis an geschichtswissenschaftlich fundierter Aufarbeitung.


Abbildung 1: Die Auswertung und Digitalisierung von Archivalien im Lesesaal des Stadtarchivs Iserlohn (Foto: Daniele Toro, 2020).

Die Erforschung der wissenschaftlichen Grundlagen und die Verortung der Archivmaterialien habe ich im Frühjahr im Rahmen eines Aufenthalts am Institut für Soziale Bewegungen und an der Bibliothek des Ruhrgebiets in Bochum abgeschlossen. Nach Ende des Praxisprojekts fasse ich auf dieser Grundlage nun die Ergebnisse meiner Archivrecherche in einem Aufsatz zusammen. Diese Ergebnisse stellen ebenfalls die Grundlage für Sondierungsgespräche und die Vernetzung mit weiteren an der Gestaltung der Ausstellung interessierten institutionellen Akteuren vor Ort dar. In der Hoffnung, dass das Jahr 2021 eine anhaltende Verbesserung und konkretere Aussichten mit sich bringen wird, stehen inzwischen das Ausstellungsprojekt sowie Anträge auf Drittmittelfinanzierung in den Startblöcken.

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Praktiker*innen im Gespräch #11

Veröffentlicht am 11. Dezember 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 11

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Christian Möller hat mit uns über seine Tätigkeit“ als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“ gesprochen.


Christian Möller (Erster von rechts) bei der „Parlamentsnacht“ des Landtags NRW im September 2019 © Sara-Marie Demiriz

Christian, Du hat 2018 an der BGHS promoviert und arbeitest jetzt für die Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie ist Dir der Einstieg gelungen?

Christian Möller: Also, ich hatte nach der Doktorarbeit eine Stelle, die einige Monate über den Zeitpunkt meiner Disputation hinausreichte. Ich habe mich dann nach der Disputation recht breit aufgestellt: Auf der einen Seite habe ich eine Skizze für ein Postdoc-Projekt entwickelt und nach Stipendien beziehungsweise Stellen an Graduiertenkollegs gesucht. Auf der anderen Seite war es so: Meine Frau und ich haben in der Zeit, in der ich an meiner Dissertation geschrieben habe, zwei Kinder bekommen. Und ich habe von vornherein gesagt: Jetzt nur auf die Karriere an der Uni zu setzen, wäre falsch. Deshalb habe ich auch zum Beispiel auf dem „Stellenmarkt NRW“ nach Anzeigen gesucht. Dort sind nicht nur Stellen an Universitäten, sondern im öffentlichen Dienst insgesamt ausgeschrieben. So bin ich auf eine Ausschreibung des Landtags aufmerksam geworden: Dort gab es eine Planungsgruppe „Geschichte, Politik und Demokratie Nordrhein-Westfalens“, die den Auftrag hatte, ein „Haus der Geschichte“ auf den Weg zu bringen. Das hat mich interessiert, weil die Stelle in meinem Arbeitsbereich liegt: Zeitgeschichte nach 1945. Dort habe ich mich beworben, bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden – und brauchte dann allerdings einen langen Atem. Ich habe mich kurz nach meiner Disputation im Juli 2018 beworben und habe im Juni 2019 angefangen, im Landtag zu arbeiten.

Wo arbeitest Du jetzt außerhalb der Uni?

Christian Möller: Ich habe zunächst im Landtag gearbeitet und arbeite jetzt für die Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“, die per Gesetz vom 19.12.2019 gegründet wurde und sich im Frühjahr 2020 konstituiert hat. Wir haben den Auftrag, zum einen für das kommende Jahr eine Jubiläumsausstellung zu gestalten, zum Thema: 75 Jahre Geschichte Nordrhein-Westfalen. Und dann, darüber hinaus, eine Dauerausstellung zu konzipieren und aufzubauen, mit einer Sammlung für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Vergleichbar mit dem „Haus der Geschichte“ in Bonn.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere in Deinem Beruf interessieren?

Christian Möller : Ich bin in die Museumsarbeit reingerutscht, ohne dieses Tätigkeitsfeld anzupeilen und ohne auf dem Weg dorthin ein Volontariat zu machen. Ich bin eine Ausnahme, und das hängt damit zusammen, dass das Haus der Geschichte NRW als Museum und Forschungsinstitut geplant ist. Wer das Ziel verfolgt, im Museum zu arbeiten, sollte aber ein Volontariat machen. Allgemein würde ich noch einen Tipp geben wollen, der durchaus im Widerspruch steht zum Ziel, ein Promotionsprojekt in drei Jahren abzuschließen: Auf der einen Seite macht es natürlich Sinn, im Verlaufe einer Dissertation das eigene Thema konsequent zu verfolgen und das Dissertationsprojekt zügig abzuschließen. Auf der anderen Seite können Nebentätigkeiten – auch Tätigkeiten, die mit dem eigenen Dissertationsthema nichts zu tun haben – Erfahrungen mit sich bringen, die sich später als hochrelevant herausstellen. Ich habe zum Beispiel freiberuflich die Vereinsgeschichte des Roten Kreuzes in Halle/Westfalen aufgearbeitet. Bei der Bewerbung um meine aktuelle Stelle war das ein wichtiges Detail, um zu zeigen, dass ich mich mit der Lokalgeschichte in Nordrhein-Westfalen beschäftigt habe. Bei einer Entscheidung, das eigene Dissertationsprojekt konsequent und zügig zu Ende zu bringen, oder eine Nebentätigkeit aufzunehmen, die mich „breiter aufstellt“, würde ich die Nebentätigkeit empfehlen.

Christian, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

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Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

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Informationen über Auslandsaufenthalte und wissenschaftliches Schreiben

Veröffentlicht am 24. November 2020

Informationen über Auslandsaufenthalte und wissenschaftliches Schreiben

Am 11. November 2020 organisierte die BGHS eine Informationsveranstaltung mit dem International Office und dem Schreiblabor der Universität Bielefeld per Zoom. Bei dem Treffen erläuterte Karin Kruse vom International Office Finanzierungsmöglichkeiten für Auslandsaufenthalte während der Promotion. Stefanie Haacke-Werron vom Schreiblabor gab allgemeine Tipps rund um den Schreibprozess der Dissertation.

Die Präsentationen des Treffens sind hier zu finden

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Mentoringprogramm „Außeruniversitäre Karrieren für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen“

Veröffentlicht am 12. November 2020

Die BGHS stärkt promovierende Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen bei der je eigenen Karriereplanung und vergibt zum 1. Januar 2021 vier Plätze im Mentoringprogramm „Außeruniversitäre Karrieren für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen“ für die Dauer von neun Monaten. Bewerbungsschluss ist der 30. November 2020.

Das BGHS-Mentoring „Außeruniversitäre Karrieren für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen“ richtet sich an Promovierende der BGHS. Im Rahmen des Mentoringprogramms tauschen sich die Teilnehmenden mit je eigenen Mentor*innen aus außeruniversitären Organisationen („Mentoring-Tandem“), im Kreis der Teilnehmenden („Peer Mentoring“) und im Rahmen eines von der BGHS organisierten Begleitprogramms über ihre Karrierepläne als Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen aus.

Die Ausschreibung zur Teilnahme am BGHS-Mentoring findet Ihr hier( Link). Weitere Informationen zum BGHS-Mentoring sind hier zu finden (Link).

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Welcome Day Wintersemester 2020/21

Veröffentlicht am 29. Oktober 2020

Welcome Day Wintersemester 2020/21

:: 21 neue Doktorand*innen an der BGHS ::

Am Mittwoch, den 28. Oktober, fand an der BGHS der digitale Welcome Day im Wintersemester 2020/21 statt. Die BGHS-Direktor*innen Thomas Welskopp und Ruth Ayaß begrüßten die 21 neuen Promovierenden, die dann Gelegenheit hatten, sich selbst vorzustellen und die Promovierendenvertreter*innen und die Mitarbeiter*innen der BGHS-Geschäftsstelle kennenzulernen. Anschließend führte Sabine Schäfer in das Ausbildungs- und Studienprogramm der BGHS ein. Trotz der ungewöhnlichen Umstände wünschen wir allen neuen Mitgliedern einen schönen Anfang der Promotion an der BGHS.

Die Präsentation des Welcome Days ist hier zu finden:

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Namen und Projekten der neuen Promovierenden:

  • Mathilde Ackermann: The Man in the Middle. Soziale und hierarchische Beziehungen auf den Sklavenplantagen auf Saint-Domingue im 18. und 19. Jahrhundert
  • Clara Camille Held: Zwangsarbeit in OWL während der NS-Diktatur. Der Einsatz der Gefangenen des Lages Stalag 326 in Stukenbrock
  • Frederic Kunkel: Standardisierung der Immobilienbewertung in Großbritannien 1970-1995
  • Malte Wittmaack: Fremde Körper in fremder Kultur? Die christlich-europäische Wahrnehmung der Bevölkerung des Osmanischen Reiches
  • Hannah Louise Brown: Tensions between environmental and social goals: An analysis of climate change policy in the European Union
  • Alina Isakova: Do international organizations actually cooperate? Factors influencing cooperation between inter- and non-governmental organizations in early warning and response to violent conflicts
  • Jonas Fritzler:Who defends human security norms in times of crisis? Western small states and middle power norm entrepreneurship against the backdrop of a changing world order
  • Frank Meyhöfer: World diagnoses: Social theory between science and public intervention
  • Robin Schulze Waltrup: Ideas and discourses on eco-social policy as a new paradigm in global governance? Exploring the merging of environmental and social policy ideas in the OECD and the World Bank
  • Zaza Sophie Louise Zindel: Using Social Media for Recruitment of Rare Populations
  • Susanne Dimmer: Stigmatisierung oder Selbstbestimmung: Eine empirische Untersuchung zu den Effekten von Etikettierungsprozessen auf die Identität polyamorös lebender Frauen
  • Maximilian Wächter: Zur Messung populistischer und konspiratorischer Einstellungen
  • Katerina Volkov: Between multilateralism, bilateralism, and unilateralism: An analysis of the Russian Federation's involvement in international organizations, 1945-2020
  • Oday Uraiqat : Populism in World Society
  • Minh Ngoc Luong: Moral Struggles and Politics of Care under Market Socialism: Welfare provision for migrant workers in global factories in Vietnam
  • Maria del Carmen Mayer: Transformative Strategien und kollektives Handeln in der COVID-19 Pandemie. Ein Vergleich der Solidaritätsbrigaden in Mailand und Neapel
  • Yiming Zhang : Modern Practice of Traditional Craftsmen from the Perspective of Field Variation
  • Weijing Wang : Returning Migrants for Rural Revitalization: Changing Rural Development Discourse and Practice in China
  • Tatiana Saraseko: Urban renaissance in world society: Actorness of global cities in global governance
  • Malte Neuwinger: The emergence of large-scale field experiments in social policy: How boundary organizations shape global institutions
  • Katherina Lampe: Interaktionssoziologische Analysen der Schiedsrichterkommunikation im Handball
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Erfolgreich abgeschlossene Promotionen

Veröffentlicht am 16. Oktober 2020

Erfolgreich abgeschlossene Promotionen

Im Sommersemester 2020 haben insgesamt acht BGHS-Mitglieder ihre Promotionen erfolgreich abgeschlossen, sieben in der Fakultät für Soziologie und einer in der Abteilung Geschichtswissenschaft.

Krunoslav Stojakovic (Geschichte): Die politisch-kulturelle Avantgarde in Jugoslavien 1960-1970

Justus Heck (Soziologie): Vermittlung im Streit. Gesellschafts- und interaktionstheoretische Studien unter besonderer Berücksichtigung des Mediationsparadoxes

Susanne Richter (Soziologie): Hallo Schönheiten! Performances und Aushandlungen von Weiblichkeit und ihrer Position in der Geschlechterordnung in der YouTube Beauty Community

Henrik Pruisken (Soziologie): Mechanismen geschlechtsspezifischer und statusbasierter Anpassungen beruflicher Ziele im Ausbildungsverlauf

Simon Lange (Soziologie): ASEAN: Die globale Diffusion regionaler Integration. Eine Analyse am Beispiel der sicherheitspolitischen und sozio-kulturellen ASEAN-Gemeinschaft

Yasin Sunca (Soziologie): The International Constitution of Democratic Confederalism: Lineages of Hegemony and Resistance in the Kurdish Political Space

Aziz Elmuradov (Soziologie): Russia and EU in the New World Disorder. Revisiting ‘old’ concepts in the study of Russian foreign policy

Anatoly Boyashov (Soziologie): Networks of the UN Human Rights Council in Prevention of Human Rights Violations

Die BGHS gratuliert ganz herzlich und wünscht alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!

                                                                                                                                                                                    

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BGHS Working Paper No 7

Veröffentlicht am 6. Oktober 2020

BGHS Working Paper No 7

Lisa de Vries, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld und BGHS-Mitglied, hat in der BGHS Working Paper Series den Beitrag „Hürdenlauf zum Doktortitel. Ein Überblick der Belastungswahrnehmung von Promovierenden in Nordrhein-Westfalen“ veröffentlicht, der auf Ergebnissen ihrer Masterarbeit beruht.

Trotz öffentlicher, medialer und hochschulinterner Relevanz ist bislang nur wenig über die Belastungswahrnehmung von Promovierenden an deutschen Hochschulen bekannt. Auf Grundlage eines Online-Surveys mit 572 Promovierenden aus Nordrhein-Westfalen geht dieser Beitrag der Frage nach, welche Faktoren Promovierende als belastend wahrnehmen. Dabei wird untersucht, ob individuelle Merkmale und der Promotionskontext einen Effekt auf die Belastungswahrnehmung haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Faktoren, die sich auf den zeitlichen Rahmen der Promotion und die berufliche Perspektive beziehen, als besonders belastend wahrgenommen werden. Die finanzielle Situation hingegen wird als vergleichsweise geringe Belastung wahrgenommen. Es zeigt sich, dass unterschiedliche Variablen die Belastungswahrnehmung beeinflussen können.

Weitere Informationen über die BGHS Working Paper Series findet Ihr hier.

Direkten Zugriff auf das Working Paper gibt es  hier

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Praktiker*innen im Gespräch #10

Veröffentlicht am 28. September 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 10

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Christoph Karlheim hat mit uns über seine Tätigkeit als Leiter der Stabsstelle „Innovation & Forschung“ im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) gesprochen.


Christoph Karlheim (Zweiter von links) und sein Kollege Gerrit Eliaß vor dem „Waldlaboratorium“ des EvKBs.

Christoph, wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Christoph Karlheim: Während der Promotion habe ich mich coachen lassen, um für mich klarzukriegen: Will ich im Wissenschaftsbereich bleiben? Oder will ich aus der Wissenschaft raus? Wenn man wie ich Soziologie studiert und in Gesundheitswissenschaften promoviert hat: Welche Bereiche gibt es außerhalb der Universität, in denen ich arbeiten kann? Und will ich dahin? Während meiner Promotion habe ich zum Beispiel in Projekten gearbeitet, an denen Krankenkassen oder auch das Landeszentrum Gesundheit NRW beteiligt waren, also Akteure an den Schnittstellenbereichen zwischen Wissenschaftssystem und Praxisfeldern. Vor der Verteidigung meiner Diss habe ich dann angefangen, mich auf Postdoc-Stellen zu bewerben, weil ich dachte: Naja, da findest Du auf jeden Fall etwas. Durch das Coaching war mir allerdings klar, dass ich eine Postdoc-Stelle nur annehmen würde, wenn ich nichts Anderes finde. Ich bin dann darauf aufmerksam geworden, dass am EvKB die Stelle für eine*n „Forschungsreferent*in“ ausgeschrieben war. Am EvKB arbeite ich noch heute.

Wie sieht Deine Arbeit im Evangelischen Krankenhaus Bethel jetzt aus?

Christoph Karlheim:Als ich im November 2016 im EvKB angefangen habe, hatte ich die Stelle eines Forschungsreferenten, der Akteure*innen im Klinikum dabei unterstützt, Forschungsprojekte zu beantragen. Mittlerweile ist aus dieser Stelle im EvKB eine kleine Abteilung mit dem Namen „Innovation & Forschung“ geworden, in der ich mit zwei Kolleg*innen arbeite. Um ein Beispiel zu geben: Ein*e Mitarbeiter*in des Klinikums hat eine Idee für ein wissenschaftliches Forschungsprojekt. Unsere Aufgabe ist es dann, dazu passende Förderinstitutionen und/oder -programme zu finden, beim Schreiben des Projektantrags zu unterstützen und auch die Kosten des Projekts mit den beteiligten Abteilungen zu kalkulieren. Sofern ich mich mit dem Thema eines Projekts auskenne – das sind in erster Linie Projekte zur Versorgungsforschung – schreibe ich auch inhaltlich an den Anträgen mit. Die Initiative für Forschungsprojekte kann aber auch von Auftraggeber*innen kommen, die bei uns klinische Studien zur Anwendung von Medikamenten, medizinischen Geräten oder anderen neuen innovativen Verfahren oder Therapien durchführen möchten.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus der Soziologie oder der Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere in Deinem Tätigkeitsfeld interessieren?

Christoph Karlheim: Aus meiner Perspektive ist es für Soziolog*innen oder Historiker*innen ganz entscheidend, mit welchen Themengebieten man sich beschäftigt hat. Also, wenn man sich zum Beispiel mit Krankheit und Gesundheit als Soziolog*in beschäftigt hat, dann ist man für viele Tätigkeiten auf diesem Themengebiet qualifiziert. Das müssen gar nicht unbedingt Tätigkeiten sein, die mit Forschung zu tun haben. Ich kenne zum Beispiel viele Soziolog*innen, die für Krankenkassen arbeiten und die dort organisieren, koordinieren oder Management- und Verwaltungsaufgaben übernehmen. Also, es sind zwei Fragen, die wichtig sind, zu klären: Für welchen Themenbereich interessiere ich mich als Soziolog*in oder Historiker*in? Und wie kann ich in diesem Bereich noch zusätzliche Kompetenzen erwerben? Von dort ergeben sich auch Kontakte: Die kriegt man ohnehin, wenn man in einem Themenbereich unterwegs ist.

Christoph, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

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Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

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Praktiker*innen im Gespräch #9

Veröffentlicht am 17. September 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 9

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Devrimsel Nergiz hat mit uns über ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats gesprochen.


Devrimsel Nergiz © privat

Devrimsel, Du hast 2012 an der BGHS promoviert und arbeitest jetzt als Geschäftsführerin des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats (BZI). Wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Devrimsel Nergiz: Ich muss sagen, dass ich schon relativ früh Praxiserfahrung sammeln konnte. Ich habe während meiner Promotion angefangen, für einen Bundestagsabgeordneten zu arbeiten, und gegen Ende meiner Promotion hat sich daraus eine weitere Stelle für mich ergeben. Die Arbeit im Bundestag hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich verschiedene Perspektiven der politischen Praxis miterleben und selbst mitgestalten konnte. Gleichzeitig konnte ich wissenschaftliche Impulse, Ansätze und Konzepte in die politische Arbeit einbinden.

Wo arbeitest Du jetzt außerhalb der Universität?

Devrimsel Nergiz: Ich bin Geschäftsführerin und Projektleiterin des BZI und seines Fördervereins. Der BZI ist der bundesweite Zusammenschluss der Landesorganisationen kommunaler Integrations-, Migrations- und Ausländerbeiräte. Der BZI steht für 6.000 politisch aktive Menschen mit Einwanderungsgeschichte in rund 400 demokratisch legitimierten kommunalen Migrationsbeiräten in fast allen Bundesländern und ist damit ein Wahrzeichen für gelebte Demokratie und Verantwortungskultur, die auch ohne deutschen Pass funktioniert. Wir arbeiten religions-, ethnien- und parteiübergreifend. Die Ausweitung der Möglichkeiten der politischen Partizipation von Migrant*innen sowie die Sensibilisierung für die verschiedenen Möglichkeiten der Teilhabe innerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind uns ein besonderes Anliegen. Dazu sind wir in engem Dialog mit Bundesregierung, Ministerien, Mitgliedern des deutschen Bundestags sowie bundes- und landesweiten Institutionen wie beispielsweise Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung, Rundfunkanstalten und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Wie sieht Deine Arbeit jetzt aus?

Devrimsel Nergiz: Meine Aufgabe ist es, die Organisation zum einen dabei zu begleiten, ihre Geschäftsstelle strukturell, personell und strategisch aufzubauen; zum anderen die Organisation nach außen hin zu vertreten. Dazu gehört unter anderem, neue Projekte zu entwickeln, um finanziell unabhängiger und nachhaltiger zu agieren; politische Akzente zu setzen für unsere Vision, Deutschland zu einer demokratischeren Vielfaltsgesellschaft zu verhelfen – aber auch rein organisatorische Sachen wie Projekt-, Veranstaltungs- und Personalmanagement, Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit. Meine vorangegangenen beruflichen Stationen helfen mir dabei sehr, die politische Lobby- und Verbandsarbeit zu strukturieren, weil ich weiß, wie der Politikbetrieb und wie die Wissenschaft ticken.

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie oder Geschichtswissenschaft, die sich für eine Karriere in Deinem Beruf interessieren?

Devrimsel Nergiz: Offen und lernfähig zu sein, finde ich sehr wichtig. Dazu zählt für mich auch, ein stückweit die Eitelkeit der Akademia abzulegen. An der Basis wird wichtige Arbeit für die Gesellschaft(en) betrieben. Frei nach Karl Marx: Man muss sich an das Verändern wagen, anstatt die Welt nur verschieden zu interpretieren.

Devrimsel, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

Gesendet von MChrist in Allgemein

Neue Stipendien für Praxisprojekte

Veröffentlicht am 31. August 2020

Die BGHS stärkt promovierende Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen bei der je eigenen Karriereplanung und vergibt zum 1. Januar 2021 bis zu vier Stipendien für Praxisprojekte. Die Stipendien für Praxisprojekte haben eine Laufzeit von drei Monaten. Bewerbungsschluss für Stipendien ist der 15. Oktober 2020.

Stipendien für Praxisprojekte richten sich an Promovierende der BGHS und bieten die Gelegenheit, den je eigenen beruflichen Werdegang im Austausch mit Kolleg*innen zu diskutieren und zu planen – im Austausch sowohl mit Kolleg*innen aus der Universität als auch mit Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen, die einen Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben.

Die Ausschreibung zu Stipendien für Praxisprojekte ist hier zu finden (Link). Am 1. Oktober um 14:15 Uhr findet in der BGHS-Lounge (X-B2-109) eine Infoveranstaltung statt. Weitere Informationen zu Praxisprojekten sind hier zu finden (Link).

Gesendet von MChrist in Allgemein

Dominik Hofmann: Mit DAAD-Stipendium in Mexiko

Veröffentlicht am 29. Juli 2020

Gerade jährt sich zum ersten Mal der Tag, an dem ich Bescheid bekam, das DAAD-Stipendium erhalten zu haben, auf das ich mich beworben hatte, um im Zuge der Arbeit an meiner Dissertation ein halbes Jahr in an der Universidad Iberoamericana in Mexiko-Stadt zu verbringen. Man teilte mir mit, das Gustav-Schübeck-Stipendium (Link) zugesprochen bekommen zu haben, das von der an den DAAD e.V. angeschlossen, mit ihm aber nicht identischen, DAAD-Stiftung vergeben wird.
Die, den Lebenshaltungskosten des Ziellands angepasste, Fördersumme war großzügig bemessen und ermöglichte mir u.a. Reisen in verschiedene Teile des Landes, die mir bei meiner Arbeit enorm weitergeholfen haben. Ich war sehr frei in der Organisation. Flug, Unterbringung, Kontakt mit der Gastuniversität und Lebens- und Projektplanung vor Ort waren mir überlassen, wurden aber vom Stipendium bzw. von entsprechenden Zusatzpauschalen gedeckt. Ich fand es sehr angenehm, diesen Freiraum zu haben, zumal ich bei Nachfragen und Zweifeln immer prompt und kompetent beraten wurde.
Der Moment, in dem ich die Bestätigungsmail erhielt, scheint mir – durch den Pandemieausbruch und meine Erlebnisse in Mexiko von der Gegenwart getrennt – gerade sehr lange vergangen, ist mir aber trotzdem noch deutlich erinnerlich, weil es ein Moment starker Erleichterung – mehr noch als der Freude – für mich war.
Soweit ich weiß, werden die exakten Statistiken über angenommene und abgelehnte Bewerber*innen nicht veröffentlicht, die Quote der akzeptierten Anträge liegt aber dem Hörensagen und der Meinung aller Personen nach, die mich beraten haben, sehr viel höher als bei anderen Förderungseinrichtungen. Meine Erleichterung verdankte sich aber über die Auflösung der allgemeinen Ungewissheit des Bewerbungserfolgs hinaus noch dem Abfallen einiger weiterer Unsicherheiten. Ich hatte relativ viel Zeit und Mühe in meine – das Erwartbare (Motivationsschreiben, Arbeitsplan, Zeugnisse, Nachweise über Sprachkenntnisse, zwei Gutachten) umfassende – Bewerbung fließen lassen, es gab einige Komplikationen mit der Zustellung eines der Gutachten, die ausschließlich über das Online-Forum, in dem auch die Bewerbung verwaltet wurde, mögliche Kommunikation mit dem DAAD verlief nur recht zäh und während des gesamten Frühjahres hatte ich nicht für das zweite Halbjahr 2019 planen können, von dem ich nicht wusste, ob ich es in Deutschland und in Mexiko verbringen würde. Auf den Bescheid, den ich jetzt erhielt, hatte ich einige Monate länger gewartet als ursprünglich angekündigt.
Entsprechend schlug die Erleichterung auch fast augenblicklich in gebotene Betriebsamkeit um, denn bis zur Ausreise blieb mir nur ein Monat. Es gibt beim DAAD zwei Varianten länderspezifischer Doktorandenstipendien: für 1-6 Monate und für 7-12 Monate. Bei einer Bewerbung wählt man die geeignet erscheinende Zeitspanne für die Bewerbung fest aus uns legt einen Ausreisezeitpunkt fest, der innerhalb des Zeitraums bis zum Beginn der nächsten Bewerbungsphase liegen muss. In meinem Fall hatte ich mir, dem mexikanischen Semesterbeginn entsprechend, einen eher frühen Zeitpunkt ausgesucht, sodass es in der knappen Zeit Vieles zu organisieren galt. Beispielsweise wäre es in der Zeit nicht mehr möglich gewesen, noch ein Studentenvisum zu beantragen (glücklicherweise bekommt man Touristenvisa für Mexiko ohne vorherige Beantragung und für 180 Tage bei der Einreise ausgestellt).

Meine Wahrnehmung von Alltag, Gastuniversität, einigen Erlebnissen auf Forschungsexkursionen und meinen eigenen Privilegien habe ich in diesem ausführlichen Bericht (Link) als eine Art Erzählung beschrieben, deren, notwendigerweise äußerst selektive, vom DAAD gekürzte, Version die folgende ist:

Ich beginne, was eher eine Erzählung ist, an meinem ersten Tag an der Universidad Iberoamericana – in Mexiko sowie im folgenden Text ausschließlich „die Ibero“ genannt. Ich habe mich verfahren und muss, um zum Universitätsgelände zu finden, zwei vierspurige Straßen und eine Überführungsbrücke überqueren, was sich letztendlich als Fußweg von einer knappen Stunde herausstellt. Vorausblickend habe ich anderthalb Stunden für entsprechende Eventualitäten eingeplant, da mir klar war, wie gering meine Chancen ausfallen würden, nicht nur in einen der Kleinbusse mit dem korrekten Ziel ein-, sondern vor allem auch an der richtigen Stelle wieder aus ihm auszusteigen. Verkehr gehört zu den beherrschenden Themen der Gespräche, die ich in Mexiko-Stadt führe. Wo das Wetter sich nie ändert, dient die Thematisierung der Zeit, die man dieses Mal gebraucht hat, gängigerweise als unverfänglicher Gegenstand von Smalltalk (ein Äquivalent übrigens zum in den weniger urbanen Regionen Mexikos gängigen Sprechen darüber, was man gegessen hat).
Eine Zeitlang trage ich mich mit dem Gedanken, mir ein Fahrrad zu besorgen, verwerfe ihn jedoch immer wieder, unter anderem, weil ich mich dem Einatmen der Schadstoffe nicht aussetzen möchte. Ich fahre also weiter in Bussen, welche die Schadstoffe ausstoßen, denen ich auszuweichen versuche, indem ich die Busse benutze. Verkehr erzeugt die Notwendigkeit von mehr Verkehr.
Im Schatten der eindrucksvollen Bauruine eines nie fertiggestellten Schnellzug-Hochträgers werde ich von Professor Javier Torres Nafarrate, auf dessen Einladung ich nach Mexiko kommen konnte, an der Eingangsschranke zur Universität abgeholt. Alle Zugänge zum Campus sind streng bewacht, ohne Chipkarte ist der Zugang unmöglich. Es handelt sich bei der Ibero um eine private Universität, gegründet und getragen vom Jesuitenorden, zwar grundsätzlich dessen Idealen verschrieben, in der Lehre aber unabhängig. Innerhalb eines enorm stark stratifizierten Hochschulsystems gilt sie als Eliteuniversität. In der Bibliothek finde ich, wie durch die vor der Reise durchgeführte Recherche vorhergesagt, eine große Menge an (v.a. natürlich spanischsprachigen) Büchern, zu denen ich in Deutschland keinen Zugang hatte. Einzig der Rechner am mir zur Verfügung gestellten Arbeitsplatz in Professor Torres Büro ist unbedienbar langsam, so dass ich stets an meinem Laptop arbeite.
Meine „Privilegierung“ ist hier eher eine strukturelle als eine situationelle: Ich ziehe keinen unmittelbaren Profit aus ihr. Genau dies verhält sich aber anders im akademischen Kontext meines Aufenthalts. Ich nutze nicht nur, wie ja im Wissenschaftsbetrieb üblich, die Kontaktnetzwerke meiner Professoren, sondern bin mir darüber hinaus recht sicher, dass mir die Erwähnung meines Herkunftslands Deutschland allgemein und meiner Heimatuniversität Bielefeld im Speziellen bei Anfragen, die ich stelle, um für die Dissertation Interviews und Gespräche mit Wissenschaftlern, Journalisten, Anwälten und Menschenrechtsaktivisten zu führen, zu Terminen mit Personen verhilft, die mexikanische Studierende einer öffentlichen Provinzuniversität wahrscheinlich nicht empfangen hätten. Ich entscheide mich dennoch für die entsprechenden Erwähnungen, da der hauptsächliche Zweck meines Aufenthalts nun einmal im Führen dieser Interviews und Diskussionen besteht.

Mein Forschungsprojekt hat ein Phänomen zum Thema, das sich in Mexiko besonders verbreitet, in meiner Heimat jedoch kaum findet. Es ist mit dem „Impunitätsdiskurs“ befasst, mit der gesellschaftlichen Thematisierung der Tatsache also, dass in vielen Weltregionen die große Mehrheit aller Verbrechen ungestraft bleibt, und mich interessieren besonders die Formen, in denen der Diskurs darüber geführt wird, sowie die gesellschaftlichen Reaktionen auf die entsprechende Thematisierung. Ich befinde mich in Lateinamerika, weil dort der Impunitätsdiskurs (wohlgemerkt: der Diskurs, nicht unbedingt das Phänomen, auf das er sich bezieht) weltweit am ausgeprägtesten ist.
Zeugnis davon legt die Konferenz am Colegio de México (Colmex) ab, das als Gipfel der akademischen Hierarchie Mexikos gelten kann. Die Möglichkeit, mein Forschungsprojekt dort vorzustellen, stellt für mich einen der absoluten Höhepunkte meines Aufenthalts dar. Zudem stoße ich bei derselben Gelegenheit zum ersten Mal auf die Bibliothek des Instituts, deren phänomenales Inventar beinahe alle Literatur umfasst, die ich in deutschen Bibliotheken gepaart mit derjenigen der Ibero zuvor gesucht, nicht aber gefunden habe. Das umfasst besonders auch die digitale Bibliothek, zu der auf dem gesamten Gelände Zugang besteht, weshalb es mich in der Folge häufig zum Arbeiten ans Colmex zieht.
Ich selbst versuche, ein „mexikanisches Leben“ – was auch immer das sein mag – zu führen, wobei mir sicherlich mein gutes – durch mehrere längere Aufenthalte in spanischsprachigen Ländern verfeinertes – Spanisch hilft. So kommt es wohl auch, dass ich an der Ibero um verschiedene Übersetzungsarbeit für ein Journal gebeten werde. Im Laufe des halben Jahres übersetze ich immer wieder einmal kleinere Artikel und vereinbare zuletzt weitere zukünftige Zusammenarbeit in diesem Bereich. Teil des Versuchs, mich in den mexikanischen Alltag einzuleben, ist es auch, dass ich in einem Haus mit Mexikanern zusammenlebe.

Zum Zeitpunkt meiner Bewerbung um das Stipendium hatte ich drei grundsätzliche fachliche Vorhaben für den Aufenthalt: Mein Dissertationsprojekt in demjenigen soziokulturellen und geographischen Kontext zu präsentieren und zu diskutieren, auf den es sich inhaltlich in großen Teilen bezieht; Experteninterviews zu führen und Material für eine Diskursanalyse zu sammeln; und auf einer allgemeineren Ebene in akademischen Austausch kommen. Hinsichtlich aller drei Punkte wurden meine Hoffnungen erfüllt oder übertroffen.
Auch bin ich ehrlich davon überzeugt, im halben Jahr meines Aufenthalts entscheidend mit meiner Arbeit vorangekommen zu sein. Das trifft nicht nur auf den fachlichen Bereich zu, sondern auch auf den persönlichen. Dank einer Vielzahl an Begegnungen habe ich auch über die Gefilde einer Promotion hinaus Unzählbares und Unschätzbares gelernt. Ich bin der DAAD-Stiftung zutiefst dankbar dafür, mir diese Erfahrungen ermöglicht zu haben.

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Neue BGHS-Koordinatorin für Internationalisierung

Veröffentlicht am 29. Juli 2020

Clara Buitrago ist die neue Koordinatorin für Internationalisierung in der BGHS-Geschäftsstelle. Für Clara ist es eine Rückkehr an die BGHS, denn sie hat selbst an der BGHS promoviert. Sabine Schäfer hat sie gefragt, wie es ist, wieder Teil der BGHS zu sein, was sie wichtig für internationale Promovierende findet und worauf sie sich am meisten freut. Das Interview ist hier zu hören:

Weitere Informationen zur BGHS-Geschäftstelle gibt es hier: Webseite.

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Praktiker*innen im Gespräch #8

Veröffentlicht am 20. Juli 2020

:: Außeruniversitäre Karrieren ::

Praktiker*innen im Gespräch #Teil 8

Viele Wege führen aus der BGHS. Aber wohin führen Wege nach der Promotion konkret? Wir sprechen im Sommersemester mit Historiker*innen und Soziolog*innen, die ihren Beruf außerhalb der Universität ergriffen haben. Götz Frommholz hat mit uns über seine Tätigkeit für die "Open Society Foundations" gesprochen.


Götz Frommholz (Zweiter von links) auf dem "Internet Governance Forum" der Vereinten Nationen.

Götz, wenn Du Dich an den Einstieg in Deinen Beruf erinnerst: Wie hast Du den Einstieg gefunden?

Götz Frommholz: Den Einstieg habe ich während meiner Promotion gefunden. Ich bin nach meinem Diplom in Bielefeld nach Edinburgh gegangen und habe einen PhD gemacht in Soziologie. Dazu muss ich sagen: Ich war schon vor meinem Berufseinstieg politisch tätig, bin aus der aktiven Politik ausgeschieden, war aber immer noch politisch interessiert. Und ich habe damals in Edinburgh zusammen mit anderen Promovierenden überlegt: Wo gibt es in Deutschland eine Nische für Leute, die politisch interessiert sind und evidenzbasiert Politik beraten möchten? Wir haben gesehen, dass es damals einen großen Mangel gab an Organisationen, die sich außeruniversitär an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft im Bereich der politischen Partizipation engagiert haben. So haben wir 2012 einen Think Tank gegründet: dpart. Während meiner Promotion wurde mir dann immer klarer: Ich gehe zurück nach Deutschland. Aber wenn ich nach Deutschland gehe, gehe ich auf gar keinen Fall in die Wissenschaft, weil eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland einfach nicht planbar ist. Ich hab mich dann entschlossen, unseren Think Tank in Deutschland aufzubauen, ein europäisches Netzwerk von Promovierenden zu koordinieren und in diesem Rahmen Forschungsprojekte durchzuführen. Wir haben zum Beispiel zusammen mit der University of Edinburgh zum schottischen Unabhängigkeitsreferendum geforscht, und ein briefing, das wir erstellt haben, ist tatsächlich auch die Grundlage gewesen für das schottische Parlament, das Wahlalter von 18 auf 16 runterzusetzen. Also, wir haben schon coole Sachen gemacht, und dpart gibt es immer noch. Aber ich hatte 2016 die Nase voll davon, Klinken zu putzen und immer wieder Förderung zu besorgen, und bin dann an die Humboldt Universität gegangen. Dort habe ich an der Humboldt Graduate School das Monitoring des wissenschaftlichen Nachwuchses gemacht. Das hat mich nochmal bestärkt, als ich dann die Zahlen gesehen habe: Wie unwahrscheinlich es ist, sich auf eine Professur zu bewerben und dann tatsächlich auch noch erfolgreich zu sein. Das habe ich zweieinhalb Jahre gemacht. Während der Zeit haben wir mit dpart ein weiteres Forschungsprojekt angefangen, und zwar in Kooperation mit den Open Society Foundations (OSF). Die Stiftung ist im Sommer 2018 aus Ungarn geflüchtet, wegen Orban und den Anti-Soros-Gesetzen, und nach Deutschland gezogen. Und dann haben mich Leute aus der Stiftung gefragt, ob ich mich nicht bewerben will auf eine Stelle als Policy Analyst hier in Berlin, für das neue Office. Ich hatte gerade meinen dritten Einjahresvertrag an der HU unterschrieben und habe mir gedacht: Okay, richtig dankbar ist der Laden auch nicht, ich probierʼs mal. Und ich habe den Job gekriegt. So bin ich da reingerutscht.

Du arbeitest für die "Open Society Foundations". Wo arbeitest Du genau?

Götz Frommholz: Offiziell arbeite ich für das Brüsseler Büro unseres Stiftungsnetzwerks: für das Open Society European Policy Institute. Für OSF bin ich aber hier in Berlin und bin der Analyst insbesondere für EU-Politik in Deutschland. Die Open Society Foundations: Das sind viele unabhängige Stiftungen und Programme, die gegründet worden sind von dem amerikanischen Philanthropen und Milliardär George Soros. Wir sind weltweit die größte private Stiftung, die Demokratie und Menschenrechte fördert. Es sind über 120 Länder, in denen wir aktiv sind und uns für Zivilgesellschaft, Menschenrechte und Demokratieförderung einsetzen.


Ein von Götz Frommholz moderiertes Webinar mit Michael Roth, Staatsminister für Europa, und Selmin Caliskan, OSF Direktorin für institutionelle Beziehungen OSF Berlin

Welche Tipps hast Du für Kolleg*innen aus Soziologie und Geschichte, die sich für einen Einstieg in Dein Tätigkeitsfeld interessieren?

Götz Frommholz: Also, ich denke: Wenn ich nicht den Willen gehabt hätte, in diesem Bereich zu arbeiten, dann wär ich dort nicht gelandet. Denn es ist eine lange Durststrecke gewesen, gerade auch als wir unseren eigenen Think Tank aufgebaut haben. Das bedeutete, viele, viele Klinken zu putzen. Ich war tatsächlich sieben Tage die Woche unterwegs und habe auf allen Hochzeiten getanzt, um Leute kennenzulernen. Zum anderen ist politische Kommunikation ja ein riesiges Feld: Man kann für NGOs, für Gewerkschaften oder etwa für den Industrie- und Handelskammertag arbeiten. Und deshalb ist es wichtig, sich genau zu überlegen und bewusst zu entscheiden, für wen man arbeiten möchte.

Götz, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulf Ortmann.


Das komplette Gespräch als PDF findet ihr hier:

Komplettversion als PDF

Weiterführende Informationen zu dem Projekt "Außeruniversitäre Karriere" sind (hier), die vorherigen Interviews der Reihe (hier) verfügbar.

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