Arbeitsschwerpunkte und Forschungsinteressen
- Soziale Disparitäten der Bildungsbeteiligung und des Kompetenzerwerbs
- Sozial ungleiche Bildungswahlen an den Übergängen des Bildungssystems
- Modellierung von Bildungsentscheidungen
- Schulische Leistungserbringung und schulischer Kompetenzerwerb vor dem Hintergrund soziokultureller und -ökonomischer Differenzen
- Quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung
- Fragebogenkonstruktion
- Theorien abweichenden Verhaltens
- Handlungs- und Entscheidungstheorien
- Interaktions-, kultur- und sozialisationstheoretische Ansätze
Dissertationsprojekt
Sozial ungleiche Bildungswahlen. Zum Einfluss primärer und sekundärer Herkunftseffekte am Übergang Schule - Studium.
Dem (Arbeits-)Titel entsprechend bilden die bildungssoziologischen Überlegungen Raymond Boudons (1974), insbesondere sein mikrosoziologischer Ansatz zur Wahl von Bildungswegen, die reproduktionstheoretischen Annahmen Pierre Bourdieus (1982, 1983) und die handlungstheoretischen Überlegungen Icek Ajzens (1985, 1988, 1991), den theoretischen Rahmen der Arbeit. Gemeinsam sollen sie zur Identifikation, Dekomposition und Spezifikation primärer und sekundärer Herkunftseffekte am Übergang Schule – Studium beitragen. Aus methodischer Sicht wird dabei auf folgende statistische Verfahrenweisen zurückgegriffen:
- Kontingenztabellen, Varianzanalysen (T-Test; ANOVA).
- Schrittweise multiple lineare und logistische Regressionsmodelle.
- Linear-logistische Pfadmodelle.
Sie dienen dazu u.a. folgende Fragestellungen zu beantworten:
- Sind für den Übergang Schule – Hochschule primäre und/oder sekundäre Herkunftseffekte nachzuweisen?
- Welche Rolle kommt den primären und sekundären Herkunftseffekten für den Übergang Schule – Hochschule zu? Welche Effektart ist quantitativ gesehen bedeutsamer?
- Lassen sich primäre Herkunftseffekte durch die reproduktionstheoretischen Überlegungen Bourdieus (1982, 1983) tatsächlich aufklären, d.h.: Findet auf Basis der soziokulturellen Praxis eine (vollständige) Mediation sozialer Struktureffekte statt?
- Gelingt es auf Grundlage des an Ajzen (1985, 1988, 1991) angelehnten Handlungsmodells die sekundären Herkunftseffekte vollständig aufzuklären?
Die Arbeit ist damit insgesamt an der Schnittstelle zwischen Soziologie, Erziehungswissenschaft und Sozialpsychologie anzusiedeln.
Für sie ist Folgendes hervorzuheben:
- Im Unterschied zu dem Großteil empirischer Arbeiten, die sich mit der Analyse primärer und/oder sekundärer Herkunftseffekte befassen, wird ein stark theoriegeleitetes Vorgehen gewählt. Ausgehend von einer umfassenden theoretischen Auseinandersetzung mit den Begriffen/Konzepten Bildung, Gerechtigkeit und soziale, Ungleichheit, der Beschäftigung mit dem für westliche Gesellschaften zentralen, normativem Grundmodell intersubjektiver Verteilungsvorstellungen (meritokratisches Leistungsprinzip) und der Darstellung einer akteurs- und umweltbezogene Typologie von Bildungssettings, wird der Bogen gespannt zu Boudons (1974) Modell zur Wahl von Bildungswegen, Bourdieus (1982, 1983) soziokulturellen Reproduktionsansatz und Ajzens (1985, 1988, 1991) Theorie des geplanten Verhaltens. Diese werden en détail beschrieben und an die voherigen Ausführungen rückgebunden.
- Alle Fragestellungen sind auf die Bildungsabsicht und die Bildungswahl zu beziehen. Das heißt: Erstmalig ist es möglich anhand eines gemeinsamen Datensatzes, primäre und sekundärer Herkunfteffekte, auf Grundlage der theoretischen Überlegungen Boudons (1974), Bourdieus (1982, 1983) und Ajzens (1985, 1988, 1991), für den Übergang Schule - Studium zu identifizieren, dekompositionieren und spezifizieren.
- Auf die Bildung soziokultureller Kapitelskalen wird verzichtet. Stattdessen fließen die sozialen Prozessmerkmale, genau wie die sozialen Strukturmerkmale einzeln in die entsprechenden Analysen ein. Dies nimmt die Kritik der qualitativen Sozialforschung ernst (Büchner & Fuhs, 1994; Büchner & Krüger, 1996; Büchner & Wahl, 2005; Büchner, 2006) und garantiert eine detaillierte Abbildung der jeweiligen Wirkungs- und Zusammenhangsstrukturen.
- Sonst eher vernachlässigt, werden ebenfalls die Wirkungs- und Zusammenhangsstrukturen sogenannter Kontrollvariablen (in diesem Fall: Oberstufentyp, Geschlecht) besprochen und in Beziehung zu den primären und sekundären Herkunfteffekten gesetzt.
- Erstmalig kann für die Analyse primärer und sekundärer Herkunftseffekte auf Daten des Oberstufen-Kollegs zurückgegriffen werden. Zudem liegen Daten für eine Reihe von Gymnasien und, was sonst eher selten der Fall ist, Gesamtschulen vor.