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Menschen leben ihre eigene Form von Spiritualität

Veröffentlicht am 10. November 2015, 10:19 Uhr
Bielefelder Theologe Heinz Streib veröffentlicht Publikation zu Studie

Was bedeutet Spiritualität? Darauf hat jeder Mensch eine eigene Antwort. Der Theologe und Religionspsychologe der Universität Bielefeld Professor Dr. Heinz Streib hat jetzt zusammen mit der Psychologin und Psychoanalytikerin Dr. Barbara Keller die Ergebnisse einer langjährigen Studie zur Semantik und Psychologie von Spiritualität in deutscher Sprache veröffentlicht (Titel: „Was bedeutet Spiritualität?“). Darin wird deutlich: Die Selbstbezeichnung als „spiritueller Mensch“ steht immer in einem gewissen semantischen Kontext, der für die einen Erfahrungen von Transzendenz zum Ausdruck bringt, für andere hingegen von Religion abgrenzt. Das Verständnis und Empfinden von Spiritualität ist zudem eng mit der eigenen Biographie verknüpft. Die umfangreichere englische Parallelveröffentlichung hat Streib zusammen mit seinem Kollegen, Ralph Hood in Chattanooga (USA), im Springer Verlag publiziert (Titel: „Semantics and Psychology of Spirituality“). Beide Bücher sind im Oktober 2015 erschienen.


Für die Studie haben Streib und seine Teams in Chattanooga und Bielefeld knapp 2.000 Menschen aller Altersgruppen befragt. Ein Großteil von ihnen hat eine eigene Definition von Spiritualität und von Religion in den Fragebogen eingetragen. Ein sprachwissenschaftlicher Vergleich ergab, dass in den Definitionen für Spiritualität folgende Wörter besonders häufig gebraucht werden: Geist, Meditation, Natur, Seele sowie Jenseits. Für Religion dagegen stehen Regeln, Kirche, Glaubensgemeinschaft und Dogmen im Vordergrund. „Spiritualität“, haben die Forschenden herausgefunden, kann eine Vielfalt von Bedeutungen haben. In der Auswertung der Texteintragungen zum Begriff Spiritualität haben sich zehn zentrale Bedeutungen gezeigt. Dabei ist für diejenigen, die sich selbst als „mehr spirituell als religiös“ verstehen, Spiritualität insbesondere mit den Bedeutungen der „Erfahrung von existenzieller Wahrheit, Ziel und Weisheit jenseits rationalen Verstehens“, mit „Verbundenheit und Harmonie mit dem Universum, der Natur und dem Ganzen“, mit einer „inneren Suche nach einem höheren Selbst, nach Sinn, Frieden und Erleuchtung“ verbunden. Dies seien allerdings Bedeutungen, betont Heinz Streib, die nicht mit Vorstellungen von Gott, Göttern oder Himmel verbunden sind. Aus psychologischer Sicht sei besonders interessant, dass Offenheit für Erfahrung für die „mehr Spirituellen als Religiösen“ signifikant höher liegt als die Normwerte für Deutschland. Noch offener sind diejenigen, die sich als „weder religiös noch spirituell“ bezeichnen. Außerdem hängen „Spiritualität“ und Mystizismus mit psychologischem Wohlbefinden, mit Generativität und mit emotionaler Stabilität zusammen.

Die Auswertung von Interviews zeigt, wie die eigene Biographie die Beschreibung von Spiritualität beeinflusst. Christlich geprägte Menschen etwa verbinden „Spiritualität“ mit Gott, Glauben und Gemeinde. Andere verstehen Spiritualität jedoch als Suche nach Symbolisierungen für mystische Erfahrungen, die nicht leicht zu fassen oder zu beschreiben sind. Als Quilt-Spiritualität bezeichnen die Forschenden eine Spiritualität, bei der Menschen verschiedene spirituelle Traditionen patchwork-artig kombinieren.

Weitere Informationen im Internet:

www.springer.com/jp/book/9783319212449
www.v-r.de/de/was_bedeutet_spiritualitaet/t-624/1037751/
www.uni-bielefeld.de/spirituality-research


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