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Doris Schaeffer: „In Zukunft werden Menschen ihre eigene Gesundheit managen müssen“

Veröffentlicht am 12. Juni 2015, 11:07 Uhr

Professorin für Gesundheitswissenschaften im Interview mit „research_tv“

Wer krank ist und sich im Gesundheitssystem nicht zurechtfindet, geht zuerst in die Notfallambulanz. Das allerdings, sagt Doris Schaeffer, ist der teuerste Zugang zum Gesundheitssystem. Und der werde nur genutzt, weil Betroffene keinen anderen Weg kennen. Doris Schaeffer erforscht, welche Bevölkerungsgruppen Probleme haben, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und wie deren Situation verbessert werden kann. Im Interview mit „research_tv“ der Universität Bielefeld erklärt die Professorin für Gesundheitswissenschaften, warum Health Literacy, also Gesundheitsbildung, künftig stärker in den Fokus rücken muss.


„Wir wissen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen eine schlechter ausgeprägte Health Literacy haben als andere“, sagt Doris Schaeffer. Die Gesundheitswissenschaftlerin erforscht das Gesundheitsbildungsniveau in Nordrhein-Westfalen. Foto: Universität Bielefeld
„Wir wissen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen eine schlechter ausgeprägte Health Literacy haben als andere“, sagt Doris Schaeffer. Die Gesundheitswissenschaftlerin erforscht das Gesundheitsbildungsniveau in Nordrhein-Westfalen. Foto: Universität Bielefeld
Das Gesundheitssystem verändert sich: In der Zukunft, ist Professorin Doris Schaeffer überzeugt, werden Menschen ihre eigene Gesundheit managen müssen, selbst darauf achten, gesund zu bleiben und bei Problemen auch selbst aktiv werden. „Das Versorgungssystem wird uns dabei nur punktuell helfen. Darum ist Health Literacy eine der Herausforderungen der Zukunft“, sagt die Wissenschaftlerin.

Nichtwissen verursacht hohe Kosten: Der Besuch der Notaufnahmen ist teurer als ein Termin beim Hausmediziner. Aus diesem Grund, so Schaeffer, gehöre zur Gesundheitsbildung auch, sich Informationen zu beschaffen, zu verstehen, zu bewerten und schließlich auch zu nutzen. „Diese Fähigkeit ist schwächer ausgeprägt, je größer die Bildungsferne ist oder je schwieriger die Bildungssituation einer Bevölkerungsgruppe ist.“ Wer fremd in Deutschland sei, wisse zum Beispiel oft nicht, wohin man sich mit Gesundheitsproblemen wendet.

Aber auch ältere Menschen sind eine wichtige Gruppe, weil sie durch die alternde Gesellschaft sehr groß ist und durch den demografischen Wandel weiter wachsen wird. Gleichzeitig seien ältere Menschen öfter etwa chronisch krank, bewegungseingeschränkt oder pflegebedürftig. „Gerade diese Gruppe ist darauf angewiesen, dass sie Gesundheitswissen und -kompetenz hat, weil sie mit sehr viel mehr Gesundheitsproblemen umgehen muss“, sagt Schaeffer.  

Derzeit erforscht Doris Schaeffer die Gesundheitsbildung in Nordrhein-Westfalen. Ziel der Health Literacy-Studie sei es, genau zu schauen, wie das Niveau bestimmter Bevölkerungsgruppen ist. Mit der Studie will Schaeffer mit ihrem Team die Ausgangsvoraussetzungen ermitteln, um darauf basierend Interventionen zu entwickeln, wie diese Gruppen durch Bildung besser ausgestattet und betreut werden können.  

„Man muss sich immer wieder hineinversetzen: Wie kann sich hier jemand zurechtfinden, der eigentlich gar nicht so richtig weiß, worum es geht.“ Bilder statt Schrift – für Doris Schaeffer sind das wirksame Kleinigkeiten bei den möglichen Interventionen. „Dazu gehört, Krankenhäuser so auszustatten, dass Patienten sich darin leicht zurechtfinden können und Schilder nicht nur in Schriftsprache, sondern auch mit Piktogrammen versehen sind.“

Doris Schaeffer ist Sozial- und Erziehungswissenschaftlerin, seit 1997 lehrt sie an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Bewältigung und Versorgung chronischer Krankheit, Gesundheitserhaltung im Alter und Nutzerfreundliche Versorgungsgestaltung.

Weitere Informationen im Internet:
•    Interview mit Prof. Dr. Doris Schaeffer bei research_tv („Health Literacy: Zurechtfinden im Gesundheitssystem“): https://youtu.be/bcjak6ewWq0
•    Homepage des Arbeitskreises Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften: www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/






 

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