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40 Jahre Laborschule und Oberstufen-Kolleg

Veröffentlicht am 28. April 2014, 13:09 Uhr

Schulprojekte der Universität Bielefeld feiern

Lernen auf freien Flächen statt in engen Räumen, altersgemischter Unterricht und keine Schulnoten bis zur 9. Klassenstufe – das sind die Kennzeichen der Bielefelder Laborschule. Lernen ohne Noten in der Eingangsphase, zweiwöchige Projekte in jedem Schulhalbjahr und fächerübergreifende Grundkursprofile im Bereich der Sekundarstufe II charakterisieren das Oberstufen-Kolleg. Vor 40 Jahren wurden die beiden innovativen Schulen, die sich mit neuen Formen des Lehrens und Lernens auseinandersetzen, als Versuchsschulen des Landes Nordrhein-Westfalen eröffnet. Konzeptionell werden sie seither von den Wissenschaftlichen Einrichtungen Laborschule und Oberstufenkolleg der Fakultät für Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld begleitet. Das Jubiläum wird am 5. und 6. September mit einer pädagogischen Fachtagung sowie am 9. September mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Die Laborschule kurz nach ihrer Eröffnung 1974. Foto: Universität Bielefeld
Die Laborschule kurz nach ihrer Eröffnung 1974. Foto: Universität Bielefeld
Als der Pädagogik-Professor Hartmut von Hentig 1970 von Göttingen an die Universität Bielefeld berufen wurde, wollte er den Grundsatz Interdisziplinarität der neu gegründeten Hochschule auf die Lehrerausbildung übertragen. Er hatte die Vision eines „Labors“ für die Lehrerausbildung direkt neben der Universität, um Theorie und Praxis direkt miteinander zu verbinden. Aber von Hentig wollte nicht nur die Lehrinhalte, sondern auch die Lehrmethoden ändern. Von 1970 bis 1974 erarbeitete eine Aufbaukommission die Lernziele und Curricula der beiden Schulen und plante die dazu passenden Schulgebäude. Eine demokratische Schulkultur, die den Schülerinnen und Schülern den Wert von Mit- und Selbstbestimmung sowie sozialer Verantwortung vermittelt, war der Grundgedanke. Die Offenheit nach innen und außen ist bis heute ein wesentliches Prinzip beider Versuchsschulen, die sich auch in der Schularchitektur widerspiegelt.

Am 9. September 1974 wurden die beiden Schulprojekte der Universität Bielefeld eröffnet. An der Laborschule und dem Oberstufen-Kolleg werden bis heute neue Ideen des Lernens und Lehrens entwickelt und erprobt und auf die Übertragbarkeit in den Schulablauf getestet. Beide Versuchsschulen arbeiten nach dem Lehrer-Forscher-Modell: In enger Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihrer an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität angesiedelten Wissenschaftlichen Einrichtungen untersuchen und dokumentieren die Lehrerinnen und Lehrer eigene Unterrichtsvorhaben und Lernprozesse. Im Rahmen eines alle zwei Jahr aktualisierten Forschungs- und Entwicklungsplans entwickeln sie Lernstrukturen und -inhalte beständig weiter. So können sie Lernen und Lehren auf den Wandel in der Gesellschaft und die Anforderungen von Wissenschaft, Wirtschaft und Berufsleben abstimmen und pädagogische Impulse geben, die immer häufiger von den Regelschulen übernommen werden.

In der Laborschule lernen Kinder ab fünf Jahren im Rahmen eines rhythmisierten Tagesablaufs in Sinnzusammenhängen. Mit zunehmendem Alter gliedern sich die Unterrichtsinhalte in Fächer auf, wobei das Lernen aus Erfahrung weiterhin einen hohen Stellenwert hat. Ohne Aufteilung in unterschiedlich leistungsstarke Gruppen und bis zum Ende des 9. Schuljahres ohne den Druck von Noten lernen die Schülerinnen und Schüler in zum Teil selbst gewählten Kursen – oft an praxisnahen außerschulischen Lernorten.

Das Oberstufen-Kolleg führt Jugendliche und junge Erwachsene mit unterschiedlichen Lern-voraussetzungen, nicht immer geradlinigen Bildungsbiographien und unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft zum Abitur. Es verlangt allerdings nicht den „Qualifikationsvermerk für die gymnasiale Oberstufe“, sondern wählt seine Kollegiatinnen und Kollegiaten im Rahmen eines Aufnahmeverfahrens aus. Zu den erprobten Konzepten gehören: ein hohes Maß an Selbst- und Mitbestimmung der Lernenden in allen Bereichen des Unterrichts, Lernen ohne Noten in der Eingangsphase, regelmäßige zweiwöchige Projektarbeiten, frei wählbare fächerübergreifende Profile im Bereich der Grundkurse und Portfolios mit dem Zweck, die Lernleistungen zu dokumentieren und differenziert zu bewerten.

Für ihre Arbeit bekamen die Schulprojekte der Universität Bielefeld über die Jahre viel Anerkennung, vor allem 2010 den Deutschen Schulpreis in der Kategorie „Leistung“ für das Oberstufen-Kolleg. Mehr als tausend Besucher pro Jahr stehen für das unverändert große Interesse der Pädagogen und der Öffentlichkeit.

Jubiläumstermine bitte vormerken:

  • 5./6. September 2014:
    Fachtagung mit der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik „Differenz erleben – Gesellschaft gestalten. Demokratiepädagogische Ethik und Schule“
  • 9. September 2014:
    Tag der offenen Tür
  • 10. bis 12. November 2014:
    Tagung der Europäischen Vereinigung für Lern- und Lehrforschung (European Association for Research on Learning and Instruction EARLI) zum Thema „Steuerung der Schulentwicklung“ (Governance of School Development) im Zentrum für Interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld
Zur Tagung „Differenz erleben“ und zum Tag der offenen Tür erfolgt eine gesonderte Einladung. Bei der Suche nach passenden Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern für redaktionelle Beiträge sind die unten aufgeführten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner gerne behilflich.

Weitere Informationen im Internet:
www.uni-bielefeld.de/LS
www.uni-bielefeld.de/OSK

Kontakte:
Dr. Karin Volkwein
Lehrende am Oberstufen-Kolleg, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0521 106-671122
E-Mail: karin.volkwein@uni-bielefeld.de

Annette Wack
Lehrerin an der Laborschule, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0521 106-6990
E-Mail: annette.wack@uni-bielefeld.de

Prof. Dr. Annette Textor
Wissenschaftliche Leiterin der Laborschule
Telefon: 0521 106-2880
E-Mail: annette.textor@uni-bielefeld.de

Prof. Dr. Martin Heinrich
Wissenschaftlicher Leiter des Oberstufen-Kollegs
Telefon (Sekretariat): 0521 106-6984
E-Mail: martin.heinrich@uni-bielefeld.de

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