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Digitaler Wandel in den Wissenschaften

Veröffentlicht am 10. Dezember 2013, 09:32 Uhr
Neuer Service und Infrastruktur für den freien Zugang zu Forschungsdaten

Universität Bielefeld ruft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Veröffentlichung von Forschungsdaten auf.

Ob CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag, die Deutsche Forschungs- gemeinschaft oder die Europäische Kommission mit ihren neuen Milliarden Euro schweren Programmen für Forschung und Innovation – die Rufe nach einem besseren Zugang zu wissenschaftlichen Daten sind prominent. Doch was bedeuten diese politischen Forderungen für die Forschung an Universitäten? Wie lassen sich Daten über die Grenzen des Labors hinweg nachnutzen? Und wo sind die Forschungsdaten im Netz zu finden? Als erste deutsche Hochschule ruft die Universität Bielefeld ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einer vom Rektorat verabschiedeten Resolution auf, Forschungsdaten besser auffindbar und möglichst nachnutzbar zu machen. Entscheidend: Dafür bietet die Kontaktstelle Forschungsdaten der Universitätsbibliothek Bielefeld ab sofort neuartige digitale Dienste für Beratung und Veröffentlichung.


In der Forschung entstehen täglich große Mengen an Daten. Sie stammen beispielsweise aus Umfragen, Laborexperimenten oder Modellberechnungen. Um neue Erkenntnisse zu gewinnen, wird die Nachnutzung dieser Daten für die Natur-, Technik- und Sozialwissenschaften immer bedeutsamer.

Forschungsdaten werden mit großem Aufwand produziert und zählen deshalb zu den wertvollen Gütern von wissenschaftlichen Einrichtungen. Trotzdem werden heute in der Regel lediglich die Analyseergebnisse von Forschungsdaten als Grundlage von wissenschaftlichen Aussagen in Veröffentlichungen zur Verfügung zu stellen, nicht jedoch die Forschungsdaten selbst. Daher sollten Forschungsdaten in Zukunft angemessen archiviert und nach Abschluss der eigenen Forschung und der Publikation der Ergebnisse für andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzbar und verfügbar sein. In jüngster Zeit wurden national und international zahlreiche entsprechende Stellungnahmen und Empfehlungen veröffentlicht, unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat. Auch die Europäische Kommission fordert die Publizierung von Forschungsdaten.

Die verschiedenen Institutionen des Wissenschaftssystems heben hervor, dass sich systematisches Forschungsdatenmanagement positiv auf zahlreiche Bereiche der Wissenschaft auswirkt:
  • Die Sichtbarkeit, Wirksamkeit und Transparenz von Forschung wird deutlich erhöht.
  • Forschungsdaten zu generieren, ist arbeitsintensiv. Deshalb sollten diese möglichst häufig nachgenutzt werden.
  • Qualitätskriterien und Sorgfalt können die Datenflut eindämmen.
  • Forschungsdaten sind ein wertvolles Investitionsgut akademischer Einrichtungen und können eine Bedeutung erlangen, die heute Publikationen vorbehalten ist.

Data Management Plan: frühe Beratung sichert Publikationsfähigkeit
Die großen Forschungsförderer verlangen vielfach bereits bei Antragsstellung für ein Forschungsprojekt einen sogenannten Data Management Plan. Darin wird im Vorfeld der Forschungsarbeit definiert, welche Maßnahmen zur Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis in Bezug auf Forschungsdaten ergriffen werden. Das können – je nach Fachdisziplin – Fragen zur späteren Archivierung oder Dokumentation der generierten Daten, Verarbeitung geeigneter Daten- und Metadatenformate oder die Berücksichtigung von rechtlichen Aspekten (zum Beispiel Datenschutz) sein.

Mit ihrem neuen Service setzt die Universitätsbibliothek bereits in der frühen Phase der Formulierung des Data Management Plans an. So werden die Forschenden schon vor Beginn des Projekts für wichtige Aspekte des Forschungsdatenmanagements sensibilisiert. Gleichzeitig wird damit sichergestellt, dass die Datenerhebung die Standards erfüllt, die eine spätere Veröffentlichung der Daten möglich macht. Denn: Nicht selten scheitert eine Publikation der Daten an banalen Problemen wie beispielsweise der fehlenden Einverständniserklärungen von Probanden. Eine professioneller Data Management Plan erhöht die Aussichten auf Förderung von Forschungsprojekten. Die Kontaktstelle Forschungsdaten der Universitätsbibliothek bietet die Beratung und Dokumentation auch online an – einen solchen Service gibt es bislang nur an nordamerikanischen Universitäten.

Daten für Wissenschaftscommunity zugänglich und sichtbar machen
In zahlreichen Wissenschaftsdisziplinen gehört die Hinterlegung der Daten („data deposition“) zum integralen Bestandteil einer Publikation, als wichtiges Instrument der Qualitätssicherung bei Peer-Reviews beispielsweise. Mittlerweile existieren zudem Publikationsdienste, die sich rein auf die Veröffentlichung von Forschungsdaten fokussieren. Auch die Nature Publishing Group wird 2014 ein sogenanntes Data Journal starten. Um darin zu erscheinen, müssen die Daten zuvor in einem Archiv abgelegt und öffentlich zugänglich sein.

Die Universität Bielefeld greift diese Entwicklung auf und bietet ihren Fakultäten und Einrichtungen – als Ergänzung zu disziplinären, hochschulübergreifenden Anbietern – eine Infrastruktur zur Archivierung und Veröffentlichung von Daten. Diese schließt an den zentralen Publikationenserver der Universität Bielefeld (PUB) an, Damit bekommen Forschungsdaten einen ähnlichen Status wie Buch- und Zeitschriftenpublikationen. Der Service umfasst die Registrierung der Datensätze bei DataCite und die damit verbundene Vergabe einer sogenannten Digital Object Identifier (DOI). Eine DOI sichert die dauerhafte Auffindbarkeit von Veröffentlichungen und Daten im Netz – auch wenn sich der Link ändert. Metadatenerfassung und die Archivierung der Daten sind ebenfalls Teil des Services. Bei der Veröffentlichung im PUB werden personen- und unternehmensbezogene Interessen und Lizenzierungsaspekte adäquat berücksichtigt. Zugleich ermutigt die Universität ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ihre bereits in disziplinspezifischen Forschungsdatenarchiven (wie z.B. GESIS, Dryad) veröffentlichten Daten mit PUB zu vernetzen, um so die größtmögliche Sichtbarkeit des Forschungsoutputs innerhalb und außerhalb der Universität zu erreichen.

Die Besonderheit von PUB ist, dass hier Literaturveröffentlichungen mit den zugrundeliegenden Daten ebenso vernetzt werden wie etwa mit den Profilen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Personen- und Einrichtungsverzeichnis.
Erstes Ergebnis des neuen Angebots: In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Bioinformatik-Institut (Cambridge, England) konnten bereits anhand von mehr als 600 Veröffentlichungen hunderttausende Verweise auf Forschungsdatensätze von Bielefelder Wissenschaftlern in internationalen Journals automatisch identifiziert und im Webauftritt der Universität sichtbar gemacht werden.

Resolution, Beratung, Service, Infrastruktur: keine andere deutsche Universität geht bei Open Access und Forschungsdatenmanagement bislang einen so konsequenten Weg wie die Universität Bielefeld.

Weitere Informationen dazu im Internet:
data.uni-bielefeld.de/de

Das Rektorat der Universität Bielefeld hat zudem eine Resolution verfasst und online gestellt:
data.uni-bielefeld.de/resolution

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