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Die Angst des Schiris vorm Elfmeter

Veröffentlicht am 5. März 2018

Justus Heck während seines Vortrags in der VHS Bielefeld. Foto: Thomas Abel

Der Elfmeter ist eine besondere Situation im Fußball, nicht nur für die Spieler. Dass die Situation auch für den Schiedsrichter besonders ist, beschrieb der Soziologie Justus Heck in seinem Vortrag „Die Angst des Schiris vor dem Elfmeter“, den er im Rahmen der Linie 4 Vortragsreihe am 06. Februar an der VHS hielt. Justus Heck, der an der BGHS promoviert, eröffnete seinen Vortrag damit, dass oft ja der Schiedsrichter als angsteinflößend und die Respektsperson im Feld wahrgenommen wird, und nicht als der, der Angst haben muss.

Die Ursache für die Angst, so Heck, ist mit der Rolle des Schiedsrichters verbunden, nämlich dass er mit seinen Entscheidungen bestimmend für das Spiel werden kann. Und die für das Spiel am meisten bestimmende Entscheidung ist der Elfmeter, da er ein fast sicheres Tor bedeutet. Dass der Schiedsrichter die Macht hat, über das Spielgeschehen zu entscheiden, verändert das Verhalten der Spielenden, lautete die These von Justus Heck, und zwar dahin, dass mehr Fouls begangen würden.

Vergleich von "Wilder Liga" und Amateurfußball

Um seine Behauptung zu belegen, zeigte Heck in einem Vergleich, wie die Unterschiede zwischen Spielen der "Wilden Liga" und Spielen im Amateurfußball aussehen. Die „"Wilde Liga" besteht aus Mannschaften, die selbst organisiert gegeneinander Fußball spielen und kein Schiedsrichter zum Einsatz kommt. Wenn ein Spieler findet, er wurde gefoult, muss er das selbst anzeigen. Wenn der des Fouls Bezichtigte aber meint, er habe kein Foul begangen, muss der Fall besprochen und eventuell Spieler, die in der Nähe standen, zurate gezogen werden. Das bedeutet, jeder der spielt, ist gleichermaßen auch Schiedsrichter.

Im Amateur- und natürlich auch Profifußball sorgt die Existenz des Schiedsrichters dafür, dass die Spieler nicht mehr die Verantwortung haben, über Foul und Nicht-Foul zu entscheiden. Sie können maximal eine Entscheidung einfordern oder eine gegen sie getroffene Entscheidung missbilligen, aber sie haben keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung selbst.

Da der Schiedsrichter über den gesamten Verlauf des Spiels, also Anfang, Ende, Tore, Fouls und weitere Kleinigkeiten entscheidet, finden die Spiele gewissermaßen für ihn statt. Das sorgt, so Justus Heck, für mehr Konkurrenz zwischen den Spielern der verschiedenen Mannschaften. Es wird wichtig, vor dem Schiedsrichter darzustellen, dass man gefoult wurde, und umgekehrt kann man ungeahndet gegen Regeln verstoßen, wenn der Verstoß vor dem Schiedsrichter verborgen werden kann. Das wäre in der Wilden Liga nicht möglich, weil hier jeder Schiedsrichter ist.

Das Publikum beim Vortrag "Die Angst des Schiris vor dem Elfmeter". Foto: Thomas Abel

Diskussion über Umgang der Spieler mit dem Schiedsrichter

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde unter anderem die Frage besprochen, inwiefern sich Mannschaften darauf vorbereiten, speziell für den Schiedsrichter zu spielen – also etwa von ihren Trainern erfahren, dass zwar mehr körperliche Härte, aber dafür weniger Diskussionen als sonst möglicah wären. Das konnte von den anwesenden Schiedsrichtern bestätigt werden.

Auch ging es darum, wieso überhaupt so viele Spieler die Diskussion mit dem Schiedsrichter suchen, wo Entscheidungen doch nahezu nie zurückgenommen werden. Die Antwort von Justus Heck: Um die Angst des Schiedsrichters vor der nächsten Entscheidung gegen die gleiche Mannschaft, zu vergrößern.

Abschluss der Reihe Linie 4

Mit dem Vortrag von Justus Heck hat die Linie 4-Reihe für das Wintersemester 17/18 ihren Abschluss gefunden. Insgesamt haben sieben Promovierende der BGHS aus den Bereichen Soziologie und Geschichte ihre Themen vorgestellt. Von Frauen gegen ihr Vaterland Frankreich, über „Nazis hinter Stacheldraht, zur Rolle der philippinischen Krankenschwestern im Deutschen Gesundheitssystem bis schließlich zur Angst des Schiedsrichters vor dem Elfmeter war ein breites Themenspektrum dabei, das als stellvertretend für die Vielfalt der Promotionsthemen an der BGHS verstanden werden kann.

Die Vortragsreihe Linie 4 wird von den Promovierenden der BGHS organisiert und findet immer im Wintersemester an der VHS Bielefeld statt. Die Termine der nächsten Reihe werden hier rechtzeitig bekannt gegeben.

Weitere Informationen zur abgeschlossenen Vortragsreihe und das vollständige Programm unter:
uni.aktuell
Theresa Hornischer bei Campusradio Hertz 87.9
Marcus Carrier bei Hertz 87.9
#Campusminute mit Theresa Hornischer
www.uni-bielefeld.de/bghs/Public_Science/Linie_4/
www.vhs-bielefeld.de

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Workshop-Bericht: Italien und 1945

Veröffentlicht am 22. Februar 2018

Die Teilnehmenden des Workshops zu Italien und 1945. Bild: Thomas Abel

Am 29. und 30. Januar 2018 fand an der BGHS ein Workshop um Thema Challenging 1945 as a ‘caesura’. New perspectives on transitions, continuity and change in Italy and beyond statt. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler von deutschen, italienischen, französischen und schottischen Universitäten diskutierten dabei epochale und thematische Aspekte um "1945". Die Diskussionen behandelten nicht nur das Jahr selbst, "1945“ wurde auch als Begriff für damit verbundene Prozesse (Ende des Zweiten Weltkrieges, Beginn des Kalten Krieges etc.) verstanden.

Den Auftakt des Workshops machten die Promovierenden und Stefan Laffin und Teresa Malice, die den Workshop auch organisiert hatten. In ihrer Einführung sprachen sie darüber, dass "1945" als einschneidendes Ereignis des 20. Jahrhunderts und als epochemachend gelten kann. Darauf aufbauend beleuchtete Professor Hein-Gerhard Haupt in seiner Keynote die Rolle von Zäsuren und Zäsursetzungen im geschichtswissenschaftlichen Arbeiten.

In vier verschiedenen Panels wurden einzelne Aspekte aus den Eingangsvorträgen dann weiter vertieft.

Hier geht es zum ausführlichen Workshop-Bericht von Stefan Laffin und Teresa Malice:
Bericht zum Italien-Workshop (pdf)

Mehr über die Workshops der BGHS:
www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/Workshops/

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Neue InterDisciplines

Veröffentlicht am 15. Februar 2018

Das Titelbild der neuen Ausgabe "Done with Eurocentrism?"

Das neue Heft der InterDisciplines „Done with Eurocentrism?“ Directions, Diversions, and Debates in History and Sociology” ist erschienen. Die Gastherausgeberinnen des Heftes sind eine Alumna der BGHS, Mahshid Mayar, und eine Promovierende der BGHS, Yaatsil Guevara González. Die beiden waren Mitorganisatorinnen des 8. Annual Seminars der BGHS, das zum gleichen Thema im Sommer 2016 stattfand.

Daraus ist nun ein Heft mit sechs Artikeln von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus ganz Europa, sowie dem Beitrag des eingeladenen Vortragenden Shahzad Bashir entstanden. Eine der Beitragende ist die ehemalige Teilnehmerin am Shortcuts-Programm der BGHS, Mirjam Hähnle, die jetzt an der Universität Basel forscht und einen Artikel zum Wissen über den Orient geschrieben hat.

Zum Inhalt des Heftes

Die Artikel setzen sich mit Eurozentrismus in den Disziplinen Geschichte und Soziologie auseinander. Eurozentrismus beschreibt als Begriff, wie Denkmuster des Globalen Nordens die gesamte Welt in unterschiedlichsten Bereichen definieren und prägen.

Obwohl es in der Geschichtswissenschaft jetzt möglich ist, eurozentristische Strukturen zu beobachten, scheint es noch unmöglich zu sein, sie zu vermeiden. Der Eurozentrismus scheint nach wie vor die Bildsprache, die rechtlichen Infrastruktur, geopolitische Imaginationen, wissenschaftliche Instrumente, den exekutiven Einfluss und sogar die geografischen Orientierung zu prägen.

Vor diesem Hintergrund sind die Diskussionen in der Ausgabe "“Done with Eurocentrism? Directions, Diversions, and Debates in History and Sociology” zu verstehen. Der vorliegende Band zielt darauf ab, neue Wege der kritischen Auseinandersetzung mit dem Eurozentrismus zu finden. Gleichzeitig sollen die Fragen beantwortet werden, wo wir im 21. Jahrhundert im Verhältnis zum Eurozentrismus stehen und welche Wege weg vom diesem Denken möglich sind.

Über die InterDisciplines

Die InterDisciplines, das peer-reviewed Online-Journal der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) erscheint zweimal jährlich zu verschiedenen, die Geschichtswissenschaft und die Soziologie betreffende Themen. Jedes Themenheft wird von anderen Gastherausgebern betreut.

Zur aktuellen Ausgabe:
http://www.inter-disciplines.org/index.php/indi/issue/view/23

Interview mit Mahshid Mayar in der aktuellen Uni.Aktuell:
Der Blick durch die westliche Brille

Informationen zum Annual Seminar der BGHS
http://www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/Ansem/

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CfP: Inclusion and Exclusion

Veröffentlicht am 13. Februar 2018

Anlässlich des nächsten Annual Seminars zum Thema Inclusion and Exclusion hat das organisierende Komitee einen Call for Papers veröffentlicht.

Der Call for Paper richtet sich an alle, deren Forschung im Themenfeld Inclusion and Exclusion stattfindet und für eine interdisziplinär ausgerichtete Debatte einen Beitrag leisten wollen, entweder aus soziologischer, oder aus historischer Perspektive. Besonders aufgerufen sind junge Forschende, Nachwuchswissenschaftlerinnen und – wissenschaftler, die Interesse haben, ihre Ideen zu diskutieren.

Abstracts (max. 250 Wörter) sollten auf Englisch, mit einer 2seitigen CV an das Organisationsteam des Annual Seminars geschickt warden unter: annualseminar@uni-bielefeld.de. Die Frist zur Einsendung endet am 25. Februar.

Das Annual Seminar Inclusion and Exclusion wird das 10. Annual Seminar an der BGHS sein. Das bleibende Merkmal des Annual Seminars ist es, Themen zu diskutieren, die für beide Disziplinen, Geschichtswissenschaft und Soziologie von zentraler Bedeutung sind.

Der komplette Call for Papers:
www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/Ansem/Call_BGHS_AS_2018

Mehr Informationen über das Annual Seminar:
http://www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/Ansem/2018

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Rückblick: Shortcuts-Programm 2017

Veröffentlicht am 8. Februar 2018

Sechs der neun Teilnehmerinnen des Shortcuts-Programmes 2017 (von links nach rechts): Beatrice Adam, Mira Claire Zadrozny, Janina Jaeckel, Tabea Schroer, Susann Pham Thi, Marianne Hösl. Foto: Thomas Abel

Vom September bis Dezember 2017 nahmen am Shortcuts-Programm der BGHS neun angehende Nachwuchswissenschaftlerinnen aus ganz Deutschland teil, darunter die Shortcuts-Stipendiatinnen Beatrice Adam, Marianne Hösl, Charlie Kaufhold, Susann Pham Thi sowie als weitere Teilnehmerinnen Janina Jaeckel, Julia Rüdel, Mia-Alina Schauf, Tabea Schroer und Mira Claire Zadrozny. Ziel des Shortcuts-Förderprogramms ist die aktive Unterstützung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses – Absolventinnen der Geschichtswissenschaft und der Sozialwissenschaften – beim Übergang vom erfolgreichen Masterabschluss zur Promotion.

Wichtige Programmbestandteile sind die Shortcuts-Kolloquien, in denen Projektskizzen besprochen und weiterentwickelt werden. Hilfreich sind zudem mehrtägige Schreibworkshops mit einer Schreibtrainerin sowie Infoveranstaltungen zum Promovierendenstatus, Workshops zum wissenschaftlichen Bewerben und zur Finanzierung der Promotion.

Stimmen zum Shortcuts-Programm 2017

Mira Claire Zadrozny, die ein Promotionsprojekt zu Ruinenbilder. (Neues) Vergleichendes Sehen im Paris der Mitte des 19. Jahrhunderts plant, betont, wie wichtig ihr die verschiedenen Veranstaltungs-Formate waren: „Peer-Coaching, Workshops und Reflexionszeiten des strukturierten Programms fand ich sehr hilfreich, als besonders nützlich habe ich das Anfertigen eines wissenschaftlichen Posters erlebt. So habe ich die Zeit als riesigen Motivationstank empfunden.“ Durch das intensive Arbeiten an ihrem Thema hat sie dies schließlich auch in Frage gestellt, ein Prozess, der sonst oft erst stattfindet, wenn die Promotion bereits begonnen wurde: „Als meinen persönlichen Erfolg des Shortcuts-Programms 2017 bemesse ich, dass ich mein Thema überprüfen konnte und schließlich als ungeeignet für eine Qualifizierungsarbeit erkannt habe.“

Marianne Hösl, die ihre Arbeit zu Psychosoziale Gesundheit und Lebenslagen von Proband_innen der bayerischen Bewährungshilfe im Kontext sozialer Ungleichheit - Strukturen, Konsequenzen und Wechselwirkungen schreiben will, stellt die Wichtigkeit der Kolloquien und Schreibworkshops für ihr persönliches Vorankommen heraus: „Inhaltlich besonders weitergebracht haben mich die Schreibworkshops und die beiden Kolloquien. Hier wurden unsere Arbeiten inhaltlich und fachlich in einer sehr konstruktiven Weise diskutiert. Das gab mir jedes Mal einen neuen Schwung für die Weiterentwicklung meines Projektes.“

Einen Aspekt, den sie auch sehr wichtig findet, ist der regelmäßige Austausch zwischen den Shortcuts-Teilnehmerinnen im Rahmen eines Peer Coachings und die Treffen mit den Promovierenden der BGHS: „Sowohl unter den Shortcuts als auch insgesamt an der BGHS bestand eine gute Arbeitsatmosphäre und es gab viele Möglichkeiten, sich mit anderen Promovierenden fachlich und privat auszutauschen. So konnte ich einen guten Eindruck gewinnen, was es bedeutet, an einer Graduiertenschule zu promovieren.“

Die Shortcuts-Stipendiatinnen konnten während ihres Aufenthalts an der BGHS eigene Büroarbeitsplätze nutzen, um in Ruhe an ihren Exposés zu schreiben. Darauf bezieht sich auch Mariannes Fazit: „Sehr zu schätzen wusste ich meinen eigenen Büroplatz und eine umfangreich ausgestattete Bibliothek im selben Gebäude. Das Gesamtpaket war für mich einfach sehr stimmig. Dazu gehört auch, dass das gesamte BGHS-Team (auch IT-Support und Verwaltung) immer ein offenes Ohr für größere oder kleinere Anliegen hatte und Lösungen anbot.“

Ausblick

Nach vier Monaten intensiver Arbeit sind die Projektbeschreibungen fertiggestellt und die Shortcuts arbeiten jetzt an unterschiedlichen Orten an ihren Promotionsprojekten. So hat sich Susann Pham Thi während der Shortcutszeit erfolgreich um ein Stipendium der Universität Manchester beworben, wo sie jetzt ihre Arbeit zu Vietnam zwischen Protest und Repression: Zur Analyse und Entwicklung (neuer) Formen des politischen Aktivismus im Post-Sozialistischen Kontext schreibt. Charlie Kaufhold konnte im Januar ihr Stipendium bei der Hans-Böckler-Stiftung antreten.

Mira Claire Zadrozny und Tabea Schroer haben sich schließlich für den Promotionsstudiengang der BGHS beworben. Tabea Schroer möchte an der BGHS zu dem Thema Neue, alte Ungleichheit? Zur (Ent-) Differenzierung sozialer Zugehörigkeit unter Studierenden an Grandes Écoles in Zeiten der Internationalisierung promovieren.

Mehr zum Shortcuts-Programm an der BGHS unter:
www.uni-bielefeld.de/bghs/Personen/Fellows/shortcuts

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Linie 4 Vortrag: Filipino nurses in Germany

Veröffentlicht am 31. Januar 2018

Die BGHS Doktorandin Cleovi Mosuela in der VHS Bielefeld. Bild: Thomas Abel

Am 16. Januar 2018 wurde das Vortragsformat Linie 4 mit einem Vortrag der Soziologin und Sozialanthropologin Cleovi Mosuela fortgesetzt. Ihr Thema war Who cares? Filipino nurses in Germany. Im Rahmen des Vortrags sprach sie über die Erfahrungen von philippinischen Krankenschwestern während ihrer Arbeit in deutschen Krankenhäusern. Die Migration von philippinischen Krankenschwestern nach Deutschland wurde durch einen Vertrag zwischen Deutschland und den Philippinen ermöglicht, dem sogenannten Triple Win Project.

Lebhafter Dialog zwischen Forschung und interessierter Öffentlichkeit

Der Vortrag, aber vor allem die darauf folgende Diskussion, hatte das Credo der philippinischen Krankenschwestern „Tender, Loving Care“ im Fokus und wie sich dieses auf die grundlegenden Aufgaben wie Waschen, Essen, und Wenden von bewegungsunfähigen Patienten auswirkt. Mit einem Lächeln bei der Arbeit zu sein und den Körperkontakt mit den Patienten nicht zu scheuen, ist Teil des philippinischen Verständnisses von Pflege. Das gibt ihr nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern hilft damit auch den philippinischen Krankenschwestern bei der Integration am Arbeitsplatz und dabei, die Krankenhauspatienten wieder zu ‚vermenschlichen‘.

Die Angst des Schiris vor dem Elfmeter

Der nächste Vortrag des Linie 4-Formats ist am 6. Februar 2018. Der Soziologe Justus Heck spricht über das Thema Die Angst des Schiris vor dem Elfmeter. Es ist der letzte Vortrag aus dieser Reihe.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe und das vollständige Programm unter:
uni.aktuell
Theresa Hornischer bei Campusradio Hertz 87.9
Marcus Carrier bei Hertz 87.9
#Campusminute mit Theresa Hornischer
www.uni-bielefeld.de/bghs/Public_Science/Linie_4/
www.vhs-bielefeld.de

Text: Cleovi Mosuela
Übersetzung: Andreas Hermwille

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Interdisciplinary Dialogue: Modernity

Veröffentlicht am 24. Januar 2018

Die zweite Ausgabe desInterdisciplinary Dialogue. Bild: Thomas Abel

Am Mittwoch, den 17. Januar 2018, fand an der BGHS der 2. Interdisciplinary Dialogue zum Thema What is Modernity? statt.

Die BGHS-Doktoranden Sisay Megersa Dirirsa (Geschichtswissenschaft) und Edvaldo de Aguiar Portela Moita (Soziologie) diskutierten mit Joanna Pfaff-Czarnecka, Professorin für Sozialanthropologie an der Fakultät für Soziologie, Thomas Welskopp, Professor für Geschichte moderner Gesellschaften in der Abteilung Geschichtswissenschaft und Katsuo Nawa, Professor für Socio-Cultural Anthropology an der University of Tokyo, in interdisziplinärer Perspektive über das vielschichtige und kontroverse Thema der Moderne und Modernität. Dabei ging es sowohl um theoretische Fragestellungen als auch um empirische Herausforderung im Umgang mit dem Konzept.

BGHS Doktorand Edvaldo de Aguiar Portela (links) und Professor Katsuo Nawa. Bild: Thomas Abel

Katsuo Nawa stellte zu Beginn einige Gedanken zum Konzept der Moderne aus seiner Sicht als Anthropologe vor, wobei er den wissenschaftlichen Mehrwert des Konzeptes in Frage stellte. Die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Podiums kommentierten und ergänzten die vorgestellten Ideen und Thesen aus ihrer disziplinären Perspektive und anhand konkreter Beispiele. Dabei hatte jeder Teilnehmer seine eigene Position. Dadurch war es dem Publikum möglich, einen multiperspektivischen Einblick in der Debatte um Modernität zu gewinnen.

Im Anschluss hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich an der Diskussion zu beteiligen. Geleitet und moderiert wurde die Veranstaltung von Éva Rozália Hölzle, BGHS Alumna und Postdoc an der Fakultät für Soziologie.

Im Anschluss hatten die Teilnehmenden noch die Gelegenheit im Rahmen einer Reception in der BGHS-Lounge weiter über das Thema zu diskutieren und sich auszutauschen.

Weitere Informationen zum BGHS spezifischen Format des Intersdisciplinary Dialogue unter:

www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/BGHS_spezifische_Formate/dialog.html

Gesendet von AHermwille in Allgemein

Dagmar Herzog zu Gast an der BGHS

Veröffentlicht am 24. Januar 2018

Dagmar Herzog. Bild: Thomas Abel.

Vom 9. bis zum 11. Januar war Dagmar Herzog, Professorin an der City University of New York, an der BGHS zu Gast. Dagmar Herzog ist Historikerin, mit Forschungsinteressen besonders in den Themenfeldern Modernes Europa, Geschichte der Sexualität und Geschichte der Religion.

Angeregt wurde die Einladung von Dagmar Herzog durch die BGHS-Doktorandin Jana Hofmann. "Das erste Mal habe ich einen Vortrag von ihr auf dem Historikertag in Göttingen gehört, dann nochmal in den USA", berichtet sie. "Ich fand beeindruckend, wie präsent sie in ihren Vorträgen ist, und sah auch inhaltlich viele Anknüpfungspunkte für die BGHS-Mitglieder."

Am 9. Januar hielt Herzog einen Vortrag zum Thema How Psychoanalysis Got Sexually Conservative: The “Jewish Science” Crosses the Atlantic. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Forschungskolloquiums für Transkulturelle Geschlechterforschung statt und wurde von einem breitgefächerten Publikum aus verschiedenen Disziplinen besucht.

Die Teilnehmenden der Methods Class gemeinsam mit Dagmar Herzog. Bild: Thomas Abel

Am 10. und 11. Januar gab Herzog eine Methods Class über Psychoanalysis/ Sexuality: New Methodological Challenges. "Wir waren eine kleine Runde im Seminar, dadurch war es dann sehr intensiv", sagt Jana Hofmann."Im Kern ging es darum, wie vermeintlich bereits beforschte Felder der Geschichtswissenschaft durch andere Methoden oder andere Fragestellungen neu entdeckt werden können.“

Als Abschluss der Methods Class stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils ihre aktuellen Forschungsprojekte vor, die anschließend diskutiert wurden. Laut Jana Hofmann konnten alle etwas für ihre Arbeit mitnehmen. "Wir haben alle völlig verschiedene Projekte vorgestellt", aber es gab niemandem, dem sie keine weiterführende Literatur, Forschende, die in dem Feld arbeiten, oder Ideen zum Weiterdenken, nennen konnte.

Nächster Gast: Marcelo Neves

Der nächste Gast an der BGHS wird Marcelo Neves, Professor für Öffentliches Recht und Rechtstheorie an der Juristischen Fakultät der Universität Brasília (Brailien) sein. Neves Forschungsinteresse gilt dem Verhältnis zwischen der Rechts-/Konstitutionstheorie und der Systemtheorie.

Weitere Informationen zum Guest-Lecturer und –Researcher-Programm:
www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/Gastlehrendenprogramm

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Meet the Researcher: Kalle Pihlainen

Veröffentlicht am 11. Januar 2018


Seit dieser Woche und noch bis zum 15. Februar ist adj. Professor Kalle Pihlainen (Universität Turku, Finnland) an der BGHS zu Gast. Kalle Pihlainen ist Historiker, mit besonderem Schwerpunkt auf Politischer Geschichte und Geschichtsphilosophie. An der BGHS wird er ein Blockseminar geben und allen Promovierenden mit Rat für ihre Forschungsthemen zur Verfügung stehen.

Im Rahmen der Veranstaltung Meet the Guest Researcher haben alle Interessierten die Gelegenheit, Kalle Pihlainen bei einem Get Together kennen zu lernen.

Das Get-Together findet am Montag, den 15. Januar, um 14 Uhr (s.t.) in der BGHS Lounge statt.

Alle BGHS-Mitglieder sind herzlich eingeladen.

Weitere Termine mit unsererem Gastwissenschaftler Kalle Pihlainen und weiterführende Informationen:

18. Januar: Buchbesprechung zu Pihlainens jüngster Veröffentlichung:
The Work of History: Constructivism and a Politics of The Past
18:00 -20:00 Uhr, Raum: X-E1-202

30.-31. Januar: Seminar
Violence and legitimacy in 'speaking for others'
Bitte im ekVV anmelden.

Persönlich ansprechbar ist Kalle Pihlainen natürlich beim Meet the Guest Researcher, oder aber in seinem Büro in X-B2-240. Eine Terminabsprache über kalle.pihlainen(at)utu.fi ist empfehlenswert.

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Vortrag: "Nazis hinter Stacheldraht"

Veröffentlicht am 10. Januar 2018

Die BGHS Doktorandin Kerstin Schulte in der VHS Bielefeld. Bild: Thomas Abel

2017 endet für Linie 4 mit Nazis hinter Stacheldraht

In dem letzten Vortrag 2017 in der Vortragsreihe Linie 4 der BGHS in Kooperation mit der Volkshochschule Bielefeld sprach die Historikerin Kerstin Schulte vor einem voll besetzen Saal am 19.12.2017 über Lagergeschichten aus der Senne: Nazis hinter Stacheldraht. Die Doktorandin berichtete über die beiden alliierten Internierungslager Staumühle und Stukenbrock, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg zivile Funktionsträger des Nationalsozialismus inhaftiert waren und auf ihren Prozess oder ihre Freilassung warteten.

In ihrem Vortrag ging es Kerstin Schulte darum, einen Einblick in das Leben im Lager zu geben. Dies erreichte sie, indem sie nicht nur Lehrvideos der alliierten zum Umgang mit Verhaftungssituationen zeigte, sondern auch auf die Wahrnehmung des Lagers durch die Internierten selbst einging. So berichtete sie von der künstlerischen Verarbeitung der Internierungserfahrungen in Autobiographien und Karikaturen.

Das Publikum des Vortrags “Nazis hinter Stacheldraht.“ Bild: Thomas Abel

In der angeregten Diskussion ging es um Themen die von der Versorgungssituation der Inhaftierten bis Frauen im Internierungslager reichten.

Von der Lagererfahrung zur Vergangenheitspolitik der jungen BRD

In ihrer Dissertation vergleicht die Historikerin Internierungslager in der britischen und der US-amerikanischen Besatzungszone. Insbesondere die Internierten selbst und ihre Erfahrungen stehen dabei im Mittelpunkt ihres Interesses. Diese Erfahrung, so Schultes These, hatten einen prägenden Einfluss auf die Erzählungen, die später tragend für die Vergangenheitspolitik der jungen Bundesrepublik wurden.

Who Cares? Linie 4 geht weiter 2018

Am 16.1. wird Linie 4 fortgesetzt mit dem Vortrag der Soziologin Cleovi Mosuela: Who Cares? Filipino Nurses in Germany. Ausnahmsweise wird der Vortrag auf Englisch gehalten werden.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe und das vollständige Programm unter:
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Interdisciplinary Dialogue: What is Modernity?

Veröffentlicht am 10. Januar 2018

Am Mittwoch, den 17. Januar 2017, findet an der BGHS ein weiterer Interdisciplinary Dialogue statt. Das Thema lautet What is Modernity? - Interdisciplinary perspectives on a contested concept.

Es diskutieren:

  • Katsuo Nawa, Professor of Cultural Anthropology (University of Tokyo)
  • Joanna Pfaff-Czarnecka, Professor für Sozialanthropologie (Fakultät für Soziologie)
  • Thomas Welskopp, Professor für Geschichte moderner Gesellschaften (Abteilung Geschichtswissenschaft)
  • Sisay Dirirsa, BGHS Doktorand (Abteilung Geschichtswissenschaft)
  • Edvaldo de Aguiar Portela Moita, BGHS Doctoral researcher (Fakultät für Soziologie)

  • Chair: Éva Rozalia Hölzle, BGHS Alumna und Postdoc Wissenschaftlerin (Fakultät für Soziologie)

Beginn ist um 17.00 Uhr (s.t.) in Raum X-B2-103.

Alle interessierten Doktorandinnen und Doktoranden und Gäste der BGHS, Mitglieder der Abteilung Geschichtswissenschaft und der Fakultät für Soziologie und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Bielefeld sind herzlich eingeladen. Das Podium und die anschließende Diskussion werden in englischer Sprache abgehalten.

Weitere Informationen zu der Veranstaltungsreihe Interdisciplinary Dialogue unter:

www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/BGHS_spezifische_Formate/dialog.html

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Karsten Wilke über sein Arbeitsfeld

Veröffentlicht am 21. Dezember 2017

BGHS Alumnus Karsten Wilke (rechts im Bild) auf der Woche der Berufsorientierung. Bild: Andreas Hermwille

Was kommt nach der Dissertation? Wo kann etwa eine Promotion in Geschichtswissenschaften auch noch in der Berufspraxis Anwendung finden? Ein Beispiel für eine gelungene Verbindung zwischen akademischer und beruflicher Karriere ist der BGHS Alumnus Karsten Wilke. Er hat an der BGHS in Geschichte promoviert, arbeitet jetzt für die Mobile Beratung gegen Rechts OWL und hat deren Arbeit bei der Woche der Berufsorientierung der Universität Bielefeld vorgestellt.

Seinen ersten Kontakt mit dem Berufsfeld hatte er bereits als junger Erwachsener, erzählt er. „In Vlotho, wo ich aufgewachsen bin, gab es ein rechtsextremes Bildungszentrum, das Collegium Humanum. Wir haben uns in einer Gruppe zusammengefunden und mit Aufklärungsarbeit darüber gemacht, was dort geschieht.“

Rechte Symbole in ihren Kontext einordnen

An der Universität Bielefeld studierte Karsten Wilke Geschichte und promovierte schließlich an der BGHS zum Thema „Die 'Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS' (HIAG). Organisierte Veteranen der Waffen-SS zwischen Integration und Systemopposition 1950-1990.“

In seiner Arbeit bei der Mobilen Beratung gegen Rechts OWL konnte er dann sein Engagement mit seinem neuen Wissen verbinden. Seine Kenntnisse in der Geschichte helfen ihm dabei, rechte Symbole und strittige Äußerungen einzuordnen und gemeinsam mit den jeweiligen Institutionen, die sich an die Mobile Beratung gegen Rechts wenden, Maßnahmen zu entwickeln.

Kein entspanntes Arbeitsfeld

Zum Aufgabenbereich der Mobilen Beratung gehört die Beratung von Klienten, die Vernetzung zwischen den verschiedenen Anlaufstellen, die Begleitung von Institutionen und Präventionsarbeit und Recherche über rechtsextremistische Bewegungen. Neben klassischen Fällen, etwa wenn Schülerinnen oder Schüler in der Schule mit Kleidung oder Verhalten auffallen, das der rechten Szene zuzuordnen ist, wird die Mobile Beratung auch immer öfter für Hilfe im Umgang mit Anhängern von Verschwörungstheorien angesprochen. „Das ist ein sehr schwieriges Feld, da die Leute meist über ein schon sehr geschlossenes Weltbild verfügen“, erklärt er.

Das entspannteste Arbeitsfeld ist es natürlich nicht. Wilke sagt zwar, dass sie bisher noch nicht persönlich angefeindet wurden, wohl aber viele Beschimpfungen per Mail erhalten. Weiterhin sind die Fälle, besonders wenn es um Radikalisierung von Jugendlichen geht, oft nur die Symptome für tiefergehende Probleme in den Familien. „Man braucht schon ein dickes Fell.“, fasst Wilke es zusammen. „Manche Geschichten nimmst Du durchaus mit nach Hause.“

Weiterführende Informationen:

Die Alumni der BGHS
Career Service – Woche der Berufsorientierung
Mobile Beratung gegen Rechts OWL
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Neue Interdisciplines-Ausgabe

Veröffentlicht am 19. Dezember 2017

Das Titelbild der Ausgabe 01/2017, zum Thema "Postcolonialism and China"

Warum reproduzierten Generationen an chinesischen Intellektuellen und politischen Eliten einen Diskurs über Chinas Rückständigkeit? Wie versuchten sie, Visionen von sozialistischer Moderne oder chinesischer Kultur mit der Vorstellung eines „Aufholens gegenüber dem Westen“ in Einklang zu bringen? Welche diskursiven Ressourcen haben chinesische Autoren heute, um dieser auf den Westen zentrierten Vorstellung von Modernität zu entkommen? Diese typisch postkolonialen Fragen werden von vielen Wissenschaftlern gestellt, doch überraschenderweise greifen nur wenige dabei auf postkoloniale Perspektiven zurück.

China betrachtet aus postkolonialistischer Perspektive

Die thematische Ausgabe der InterDisciplines, „Postcolonialism and China“, versucht genau dies zu tun: Die Autorinnnen und Autoren fragen, wie postkoloniale Anliegen in Bezug auf China genutzt werden können. Sie entwickeln dabei neue Perspektiven auf Chinas Begegnung mit dem globalen System der Kolonialität und auf chinesische Versuche, der Struktur der kolonialen Moderne zu entkommen.

Die Autorinnen und Autoren versuchen nicht, anglo-indische Postcolonial Studies auf China anzuwenden, sondern möchten vielmehr neue, auf Chinas Geschichte basierende Konzepte entwickeln, die sich mit postkolonialen Anliegen beschäftigen. Diese Anliegen beziehen sich etwa auf die Folgen kolonialer Geschichte in China, das asymmetrische Regime Wissensproduktion über China, und, am wichtigsten, die Frage der „Moderne“ als Diskurs und Aspiration in China.

Die einzelnen Artikel der InterDisciplines-Ausgabe Postcolonialism and China>/em> finden Sie hier:
www.inter-disciplines.org/index.php/indi/issue/view/22

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Vortrag: Giftmorde im 19. Jahrhundert

Veröffentlicht am 14. Dezember 2017

Marcus Carrier sprach in der Volkshochschule Bielefeld über Giftmorde im 19. Jahrhundert. Bild: Thomas Abel

Mit Fingerabdrücken, Stimmanalysen und DNA-Spurensuche versuchen Kriminologen, bei Gewaltverbrechen die Täter zu finden. Diese Methoden bezeichnet man auch als Forensik. Die Ursprünge der forensischen Methode liegen im 19. Jahrhundert – und wurden von BGHS-Doktorand Marcus Carrier in seinem Vortrag Chemie vor Gericht. Giftmorde im 19. Jahrhundert, am 5. Dezember im Rahmen der Vortragsreihe Linie 4 beleuchtet.

Konkret ging es darum, wie naturwissenschaftliche Experten als Sachverständige in Gerichtsverfahren auftraten und durch die Anwendung neuer Methoden zur Aufklärung von Giftmorden beitrugen. Das prominenteste Gift des 19. Jahrhundert war dabei Arsen. „Arsen war ein Kassenschlager“, beschreibt es Carrier, da es überall im Haushalt verwendet wurde: Als Rattengift, als Hausmittel oder von Ärzten als Medizin verschrieben. Entsprechend leicht war es zu erwerben oder der Besitz zu rechtfertigen.

Die Entwicklung der Marshen Probe

Der Doktorand skizzierte verschiedene Todesfälle, bei denen Arsen eine Rolle spielte. Demnach war die Rolle des Chemiker James Marsh zentral: Der entwickelte im Nachgang eines von Giftmord handelnden Gerichtsverfahrens ein Arsennachweisverfahren. Dieses Verfahren wurde so erfolgreich, dass es als „Marshe Probe“ bekannt und zum Standard für Arsennachweise wurde.

Wie bedeutend die Verwendung der Marshen Probe wurde, führte Marcus Carrier in seinem zweiten Beispiel aus, welches ein Gerichtsverfahren aus dem Jahr 1840 war. Beschuldigte im Verfahren ist die Französin Marie Lafarge. Sie soll ihren Ehemann vergiftet haben, nachdem sie festgestellt hatte, dass dieser nicht der versprochene reiche, Stahlindustrielle war, sondern nur ein Kleinbürgerlicher mit einer schlecht laufenden Eisengießerei.

„Madame Lafarge war wenig beeindruckt, wie sie sich vorstellen können.“, fasst Carrier seine Beschreibungen zusammen. Die Hochzeit wird um August 1839 vollzogen. Im Dezember des gleichen Jahres erkrankt Monsieur Lafarge überraschend. Carrier: „Die Hausdame kümmert sich fürsorglich, indem sie ihn bekocht.“ Im Januar 1840 stirbt Monsieur Lafarge, worauf unmittelbar die Anklage seiner Frau erfolgt. Im darauf folgenden Gerichtsverfahren wurde zum wichtigsten Streitgegenstand, dass nichts außer einer richtig durchgeführten Marshen Probe als Beweis für Arsen zählen kann.

Das Publikum konnte im Anschluss an den Vortrag noch Fragen an Markus Carrier stellen. Bild: Thomas Abel

Gift als Waffe der Frau?

Marcus Carrier schloss seinen Vortrag mit der These, dass die Marshe Probe ein Beispiel dafür ist, wie Wissenschaft auf Fragen aus der Gesellschaft Antworten geben kann.

Im Anschluss an den Vortrag hatte das Publikum die Gelegenheit, Nachfragen zu stellen. In der Diskussion ging es hauptsächlich um das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft sowie Detailfragen zur Verwendung von Gift, etwa ob der Mythos stimmt, dass Gift tatsächlich „die Waffe der Frau“ ist. Laut Carrier hat der Mythos einen wahren Kern: „Die meisten Morde wurden und werden von Männern verübt, unabhängig vom Werkzeug. Giftmorden haben allerdings die Geschlechterverteilung 50/50 – wenigstens im England des 19. Jahrhunderts.“

Lagergeschichten aus der Senne: Nazis hinter Stacheldraht

Beim folgenden Termin der Vortragsreihe, am 19. Dezember, wird die Historikerin Kerstin Schulte über Lagergeschichten aus der Senne: Nazis hinter Stacheldraht sprechen.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe und das vollständige Programm unter:
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Text: Andreas Hermwille und Kerstin Schulte
Gesendet von AHermwille in Allgemein

Interdisziplinäres Kolloquium

Veröffentlicht am 14. Dezember 2017


Mahesar Ghulam präsentiert sein Promotionsprojekt Foto: Thomas Abel

Am 23. November fand das erste Interdisziplinäre Kolloquium der BGHS im Wintersemester 2017/18 statt. Auf dem Programm stand ein Paper des Nachwuchsforschers Mahesar Ghulam, der derzeit im Rahmen eines DAAD-Sttipendiums an der BGHS arbeitet. Der Titel lautete: Grounding Dalit Epistemology in Pakistan.

Zu Beginn gab Mahesar Ghulam eine Einführung in sein gesamten Forschungsprojektes unter der Überschrift Mainstreaming Dalitbahujan perspective (DBP) - Social dis/orders: caste, race, ethnicity and gender in focus. Im Anschluss wurde das eingereichte Paper von zwei Forscherkollegen der BGHS – José Velasquez (Geschichte) und Abrham Yohannes (Soziologe) – kommentiert.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine offene Diskussion mit den Anwesenden. Die Fragen und Kommentare in der Publikumsdiskussion reichten vom methodischen Zugang bis hin zu epistemologischen und empirischen Grundlagen der Forschung. Das Kolloquium war dieses Mal nicht nur interdisziplinär angelegt. Mit Teilnehmenden und Gästen aus Pakistan, Russland, Brasilien, Ecuador, Vietnam, Äthopien, Iran und Deutschland war auch eine sehr internationale Runde versammelt.

Über das Interdisziplinäre Kolloquium

Das Format des Interdisziplinären Kolloquiums wurde von Promovierenden der BGHS 2009 entwickelt und besteht seitdem als selbstorganisierte Plattform. Die zentrale Idee ist, die wissenschaftliche Zusammenarbeit an der BGHS zu stärken und deren interdisziplinäre Struktur zu nutzen. Das regelmäßig stattfindende Kolloquium unterscheidet sich von dem sonst üblichen Format, das die Leitung durch eine Professorin oder einen Professor vorsieht. Um eine Diskussion laufender Forschungsthemen ohne Bewertungszusammenhänge zu ermöglichen, wird das Kolloquium selbstorganisiert und in Eigenregie der Doktorandinnen und Doktoranden veranstaltet.

Zur Zeit werden die Kolloquientermine von Edvaldo Moita und Mehran Mohammadian organisiert. BGHS-Mitglieder, die ebenfalls daran interessiert sind, ihre Forschungen vorzustellen (laufende Disserationen, Auszüge aus Kapitels, Papers, etc.) können Edvaldo Moita und Mehran Mohammadian gerne kontaktieren.

Mehr Informationen über das Interdiszplinäre Kolloquium und die Themen der Kolloquien in den vergangegen Semestern unter:

www.uni-bielefeld.de/bghs/Programm/BGHS_spezifische_Formate/kolloquium
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